Kriegsberichterstatter Ashwin Raman nimmt Abschied von der vordersten Front

Dokumentarfilmer

Er ist 72 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen: Höchste Zeit, kürzer zu treten, wie der Selmer Dokumentarfilmer Ashwin Raman meint. Ans Aufhören denkt er aber noch nicht.

Selm

, 13.04.2019 / Lesedauer: 2 min
Kriegsberichterstatter Ashwin Raman nimmt Abschied von der vordersten Front

So sieht es aus, wenn Ashwin Raman in Krisenregionen recherchiert. Er ist als Ein-Mann-Team unterwegs. Jetzt ist er aber kriegsmüde. © Foto: Raman

„An vorderster Front“ lautet der Titel eines seiner Dokumentarfilme über Afghanistan. Genau da will Ashwin Raman aber nicht mehr stehen. „Ich bin kriegsmüde“, sagt der Selmer Dokumentarfilmer. Seine kleine Handkamera, mit der er hoch ausgezeichnete Filme über Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt gedreht hat, will er aber dennoch nicht aus der Hand legen.

Raman hat lange Liste mit Projekten

Die Liste der Projekte ist lang, die der mit Grimme-Preis, Deutschem Fernsehpreis und anderen Auszeichnungen dekorierte Raman verfolgt. Wie es dazu kommen konnte, dass ein 15-Jähriger einen 14-Jährigen an der Lüner Gesamtschule tötete, interessiert ihn. Wie sich Katar auf die WM 2022 vorbereitet. Was deutschstämmige junge Leute bewegt, für die islamistische Terrororganisation IS zu kämpfen, ebenfalls.

Und dann möchte der indischstämmige Journalist auch gerne in seiner Heimat Indien drehen: in der Glitzerwelt Bollywoods, in der deutsche Frauen als Statisten Karriere machen. Aber auch über das genaue Gegenteil: die harte Welt der indischen Bauern, die täglich ums Überleben kämpfen.

Ärger über öffentlich-rechtliche Sender

Wo er diese Filme ausstrahlen wird, ist noch offen. Auf die öffentlich rechtlichen Sender ist Raman schlecht zu sprechen. Seine jüngsten Filme hatte er beim ZDF veröffentlicht, zuvor war er beim SWR. Die Erfahrung hier wie dort: Seichte Unterhaltung und die ewigen Talkshows verdrängten Dokumentarfilme immer weiter ins Nachtprogramm. Ernsthaftes Interesse für hintergründige Auslandsberichterstattung sieht er bei den Programmmachern nicht. Er werde, sagt Raman, seine Filme lieber ins Netz stellen als erneut mit Verantwortlichen der Sender verhandeln zu müssen.

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