Kreisverkehr in Bork: Weißes Fahrrad erinnert an getöteten Radfahrer

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Ein weißes Rad steht seit Dienstag, 4. August, am Kreisverkehr Vinnumer Straße/Kardinal-von-Galen-Straße/Bahnhofstraße. Grund: An dieser Stelle ist am 15. Juli ein 71-jähriger Radfahrer gestorben.

Bork

, 04.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC), Ortsgruppe Selm, hat ein sogenanntes Ghost Bike am Kreisverkehr Vinnumer Straße/Kardinal-von-Galne-Straße/Bahnhofstraße aufgestellt. Das weiß angestrichene Fahrrad soll zum einen an Siegfried Richter erinnern, der am 15. Juli mit seinem Rad im Kreisverkehr tödlich verunglückt ist. Zum anderen soll das Rad auch Mahnung sein.

„Der ADFC stellt weiße Fahrräder an den Stellen auf, an denen Fahrradfahrer tödlich verunglückt sind“, erklärt Sprecher Gerd Paduch. „Wir haben diese Aktion hier in Bork mit dem Kreis Unna und mit der Witwe des Radfahrers abgestimmt, damit wir das auch dürfen.“ Heinz Hoppe hatte dem ADFC das Rad zur Verfügung gestellt. Der ADFC habe es dann weiß angestrichen, so Paduch.

Welche Signalwirkung soll davon ausgehen? „Es soll Aufmerksamkeit erregen“, führt der Sprecher aus. „Es soll auf diesen Gefahrenpunkt aufmerksam machen.“ Es gehe darum, zu signalisieren, dass die Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen sollen. Und zwar motorisierte Verkehrsteilnehmer, Radfahrer und Fußgänger.

Das erste und hoffentlich letzte Ghost Bike

Es ist das erste Ghost Bike, das auf Selmer Stadtgebiet aufgestellt wurde. Darauf wies auch der ADFC-Pressesprecher Wilhelm Gryczan-Wiese hin: „Und es soll hoffentlich auch das letzte sein.“

Es ist das erste Ghost Bike, das auf Selmer Stadtgebiet steht. Und es soll möglichst auch das letzte sein.

Es ist das erste Ghost Bike, das auf Selmer Stadtgebiet steht. Und es soll möglichst auch das letzte sein. © Arndt Brede

Radfahrer hätten eine Stiefkindfunktion in der Autofahrergesellschaft, so der Pressesprecher weiter. „Es sei ganz schwer, für Flächen und für Rechte von Radfahrern zu kämpfen.“ Es sei ein langer Weg, bis überhaupt etwas passiere.

Worte, die auch Julia Bramkamp und Jan Schimmelpfennig hörten. Sie sind bei der Stadt Selm für die Mobiliität und Verkehrsangelegenheiten zuständig. „Das größte Problem an dieser Stelle ist nicht die Beschilderung, sondern das Verhalten der Menschen und die gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt Julia Bramkamp. „Generell halte ich alle Kreisverkehre in Selm für grundsätzlich verkehrssicher.“

Weitere Verbesserungen der Sicherheit denkbar

Gleichwohl sei die Stadt Selm derzeit in Gesprächen mit dem Kreis Unna, berichtet Jan Schimmelpfennig. „Der Kreis Unna hat zugesagt, dass die Markierungen in der Kreisverkehrsinsel relativ zügig erneuert werden sollen.“

Am Kreisel könnte es noch Verbesserungen der Sicherheit geben.

Am Kreisel könnte es noch Verbesserungen der Sicherheit geben. © Arndt Brede

Zudem könnte es auch bauliche Maßnahmen geben, die er als Verkehrsplaner dem Kreis vorgeschlagen habe. Zwar sei der Kreisel als Minikreisverkehr angelegt, der überfahrbar sein müsse, gerade für den Schwerlastverkehr. Denkbar seien jedoch Rundborde von drei bis fünf Zentimetern Höhe und Aufpflasterungen, die verhindern könnten, dass PKW nicht einfach über die Insel fahren können. Nun liege es am Kreis, Lösungen umzusetzen.

Als direkte Folge des tödlichen Unfalls eines Radfahrers ist vor dem Kreisel Tempo 30 eingeführt worden.

Als direkte Folge des tödlichen Unfalls eines Radfahrers ist vor dem Kreisel Tempo 30 eingeführt worden. © Arndt Brede

Wie schnell Verbesserungen umgesetzt werden können, zeige das Beispiel des Kreisverkehrs in Bork aus aktuellem, traurigem Anlass: „Am Mittwoch war der Unfall, am Freitag habe ich auf der Vinnumer Straße vor dem Kreisverkehr Tempo 30 angeordnet, am Dienstag wurde das umgesetzt.“

Unter denen, die neben Vertretern des ADFC, der Stadt und der Polizei gekommen waren, um an der Aufstellung des Ghost Bikes teilzunehmen, waren auch Bürger. Eine von ihnen ist Rita Richter, Witwe des tödlich verunglückten Radfahrers. „Ich finde diese Aktion ganz hervorragend“, sagte sie im Gespräch mit der Redaktion. „Sie soll eine Warnung sein für alle die Leute, die hier fahren. Und es soll eine Erinnerung an meinen Mann sein.“ Sie stehe voll hinter der Aktion. „Meine Hoffnung ist, dass so etwas nicht wieder passiert.“

Zu dem Unfall war es am 15. Juli laut Polizei gekommen, weil eine 32-jährige Selmerin den Radfahrer übersehen haben soll, als sie auf der Vinnumer Straße in den Kreisverkehr Vinnumer Straße/Kardinal-von-Galen-Straße/Bahnhofstraße einbiegen wollte. Ein Rettungshubschrauber hatte den 71-Jährigen noch ins Krankenhaus gebracht. Er hatte sich aber so schwere Verletzungen zugezogen, dass er dort noch am Abend starb.

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