Ärger über Wertstoffhof Selm: Entsorgen Firmen massenhaft Müll auf Kosten der Steuerzahler?

dzWertstoffhof

Der Vorwurf aus der Bürgerschaft wiegt schwer: Mindestens „zehn Firmenfahrzeuge“ sollen an nur einem Tag auf dem Wertstoffhof Müll in großen Mengen abgeladen haben. Geht das überhaupt?

Selm

, 14.11.2019, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Selmer Bürger war „richtig sauer“. Auf Kosten der Steuerzahler würden Firmen ihren Müll auf dem Recyclinghof an der Industriestraße entsorgen. Sogar in größeren Mengen. „Stimmt nicht“, sagt Stadt-Pressesprecher Malte Woesmann. „Firmen, die Müll abliefern wollen, werden an die Deponie am Brückenkamp in Lünen verwiesen.“

Das sei nicht nur so vorgeschrieben. Mit „Ja“ beantwortet Malte Woesmann die Frage, ob in der Vergangenheit deshalb bereits Personen zurückgeschickt worden sind. Der Pressesprecher hat auch eine Erklärung dafür, warum dennoch immer wieder Firmenfahrzeuge auf dem Wertstoffhof zu sehen sind.

Bürger dürfen mit Firmenfahrzeugen privaten Müll entsorgen

„Es kommt vor und ist auch zulässig, dass Bürger mit Firmenfahrzeugen ihren privaten Müll am Wertstoffhof in Selm entsorgen“, so die Erklärung von Malte Woesmann. Dies werde entsprechend vor Ort kontrolliert. „Das Personal am Wertstoffhof hat die entsprechenden Anlieferer im Blick.“

Ausdrücklich weist der Pressesprecher darauf hin, dass auch Privatleute nicht unbegrenzt Müll anliefern dürfen. „Mehr als zwei Anlieferungen pro Tag und Bürger sind nicht möglich.“ Was bedeutet das aber konkret, gibt es eine Mengenbegrenzung?

Ein privates Badezimmer mit Waschbecken ist „haushaltsüblich“

Malte Woesmann zitiert aus der Satzung über die Benutzung des Wertstoffhofes. „Hier wird von haushaltsüblichen Mengen geschrieben.“ Dies sei zum Beispiel bei Schutt ein Kubikmeter. „Haushaltsüblich ist aber auch, wenn ein Bürger sein privates Badezimmer mit Waschbecken etc. entsorgen möchte.“

Wie reagieren die Mitarbeiter vom Wertstoffhof, wenn größere Mengen angeliefert werden sollen? „Bei privaten Anlieferungen wird für Mehrmengen eine zusätzliche Gebühr (2 Euro) erhoben“, erklärt der Pressesprecher schriftlich. Gewerbliche Nutzer würden hingegen direkt an die Deponie am Brückenkamp in Lünen verwiesen.

In Nachbarkommunen müssen die Bürger deutlich mehr bezahlen

Ein Vergleich mit Nachbarkommunen zeigt, dass die Stadt Selm bei der Annahme von privaten Müll sehr zuvorkommend ist. In Olfen müssen die Bürger für eine kleine Menge Bauholz (bis 0,25 cbm) bereits 10 Euro bezahlen. Die gleiche Menge Bauschutt kost 9 Euro. Die gleichen Preise werden am Wertstoffhof in Nordkirchen aufgerufen.

Das bürgerfreundliche Verhalten in Selm gibt es nicht zum Nulltarif. Schriftlich teilt Malte Woesmann mit, dass sich „aus den Betriebsabrechnungen folgende Zahlen ergeben: 2016: 370.015,16 Euro; 2017: 373.135,09 Euro und 2018: 384.100,03 Euro. Für 2019 liegt noch keine Betriebsabrechnung vor.“

Der Selmer Wertstoffhof hat dienstags von 8 bis 13 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.

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