Kinderbetreuung in Selm: Spontane Anmeldung für einen Tag ist nicht mehr möglich an der Ümi

dzÜbermittagsbetreuung

Trotz lauter Kritik haben sich die Verantwortlichen der Ganztagsbetreuung durchgesetzt: Eltern können ihre Kinder nicht mehr spontan und nur tageweise für die Übermittagsbetreuung anmelden.

Selm

, 13.01.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schultage sind unterschiedlich lang. Arbeitstage nicht unbedingt. Insbesondere berufstätige Eltern sind daher angewiesen auf Angebote, die eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sicherstellen - so wie die Übermittagsbetreuung (Ümi). Auf einen besonderen Service dort müssen Väter und Mütter seit 2020 aber verzichten.

Wer den aktuellen Betreuungsvertrag für die Übermittagsbetreuung an den Selmer Grundschulen durchliest, findet die neue Leerstelle unter Paragraf 2 „Anmeldung, Abmeldung, Laufzeit“. Dort gibt es zwar einen Absatz 4 („unterjährige Abmeldung“) und einen Absatz 6 („Ein Kind kann durch die Stadt Selm von der Teilnahme an der Ümi ausgeschlossen werden“), aber keinen Absatz 5. Wo er stand, klafft seit Januar 2020 eine Lücke.

Für vier Euro pro Tag spontan dabei

Das tageweise Anmelden von Kindern bei der Ümi ist nicht mehr möglich. Wenn etwa plötzliche Überstunden anfielen, konnten Eltern ihre Kinder spontan für vier Euro bis 13.30 Uhr betreuen lassen: ein Angebot, das zwischen Januar und Oktober 2019 bei 45 Kindern einen Betreuungsengpass schloss. Allein im Februar 2019 waren fünf Kinder spontan dabei - der Spitzenwert des Jahres.

Für Eltern bedeutete das Angebot mehr Flexibilität, für das Betreuerteam des Vereins „Ganz Selm“ mehr Stress - zu viel, wie die Mitarbeiter sagen. Sie haben Ende des Jahres die Reißleine gezogen - auch im Interesse der Kinder, wie Christiane Damberg in der letzten Ratssitzung des Jahres betonte. Sie ist, Vorsitzende des Vereins, der an allen Schulen der Stadt für die Ümi und die bis 16 Uhr geöffnete offene Ganztagsschule (OGS) zuständig ist.

Verein klagt: „Wir platzen aus allen Nähten“

Die Nachfrage nach verlässlicher, guter Betreuung wachse stetig, so Damberg. „Wir platzen aus allen Nähten.“ Da mache es schon eine Menge aus, ob da mal fünf Mädchen und Jungen zusätzlich dabei seien. Kinder, die für ein ganzes Schuljahr angemeldet seien, dürften nicht darunter leiden. Das sei aber der Fall, wenn kein zusätzliches Personal oder zusätzliche Räume und Materialien für zusätzliche Kinder zur Verfügung stünden.

„Dann müssen wir eben zusätzlich investieren“, fand Hubert Seier (UWG). Werner Sell von der Fraktion „Wir für Selm“ sah das genauso. „Wir müssen uns der Aufgabe annehmen“, befand auch Marion Küpper von den Grünen. Es gab aber auch andere Stimmen.

Christiane Uckart-Erley (SPD) appellierte, auch an die Eltern zu denken, die dauerhaft einen Platz in der Ümi oder der Offenen Ganztagsschule gebucht hätten, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Die verließen sich auf ein gutes Angebot. Herbert Mengelkamp (CDU) sah das genauso: „Aus Sicht dieser Eltern, aber auch aus Sicht des Personals, das eine gute Arbeit leistet, müssen wir reagieren“ - und das bedeute: die Spontan-Betreuung streichen. Fast zumindest.

In „dringlichen Einzelfällen“ doch noch Hilfe

„In dringlichen Einzelfällen kann der Träger dennoch (ohne Erhebung eines Beitrags) entscheiden, ob er einer Aufnahme ausnahmsweise zustimmt“, heißt es in dem von SPD und CDU verabschiedeten Beschluss. Ob plötzliche Krankheit oder Unfall: „Bei Notfällen springen die Mitarbeiterinnen weiter ein“, bestätigte die für Familien, Jugend und Soziales zuständige Beigeordnete Sylvia Engemann.

Die Übermittagsbetreuung bis 13.30 Uhr kostet 50 Euro pro Monat. Für das zweite Kind einer Familie wird die Hälfte fällig, für das dritte und jedes weitere Kind entfallen Kosten. Der Besuch der Offenen Ganztagsschule (OGS) mit ihrem Angebot bis 16 Uhr kostet zwischen 30 und 180 Euro im Monat, je nach Einkommen der Eltern. Wer weniger als 15.000 Euro im Jahr Verdienst, braucht nichts zu zahlen.

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