Kein Durchkommen: Enge Straßen und Falschparker behindern Selmer Rettungskräfte

dzFeuerwehr

Sie sind eng, die Selmer Straßen. Dann kommen noch parkende Autos dazu, die die Durchfahrt mit dem großen Feuerwehrfahrzeug erschweren – schon die Anfahrt zum Einsatz wird zum Abenteuer.

Selm, Bork

, 24.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Haus brennt. Schockmomente. Das Feuer greift um sich. Doch die Feuerwehr braucht zu lang, kommt nicht rechtzeitig um den Brand frühzeitig einzudämmen. Als sie eintrifft ist es schon beinahe zu spät. Der Grund, warum sie so lange braucht? Falschparker – oder auch einfach ungünstig parkende Fahrzeuge.

Kein Durchkommen: Enge Straßen und Falschparker behindern Selmer Rettungskräfte

An so mancher Stelle im Selmer Stadtgebiet ist das führen des großen Gerätewagens Gefahrgut eine Herausforderung. "Der ist immerhin noch relativ wenig", meint Fahrer Markus Groppe. © Wilco Ruhland

So ein Szenario ist bislang zum Glück noch nicht passiert. Im Bereich des möglichen liegt es aber. Immer wieder stellen parkende Autos in den Wohngebieten Selm, vor allem in den Abendstunden, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr vor große Herausforderungen. Erst im März gab es einen Fall, wo sich die Weiterfahrt der Feuerwehr durch Bork zur Marktzeit verzögerte. Damals gab es nur eine kurze Verzögerung ohne große Konsequenzen. Dennoch ist das Problem der Engstellen im Stadtgebiet für die großen Feuerwehrfahrzeuge allgegenwärtig.

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„Die Anzahl der Autos wird immer mehr und die Stellplätze immer weniger“, sagt Thomas Isermann, Leiter der Feuerwehr. Häuser zu denen früher zwei Autos gehörten, haben mittlerweile teilweise sechs oder sieben, meint er. Das Ergebnis: „Viele parken auf den Straßen.“ Dabei braucht es auch schon ohne parkende Autos einen geübten Fahrer für die große Maschine, um die ein oder andere Straße im Stadtgebiet zu passieren.

Kein Durchkommen: Enge Straßen und Falschparker behindern Selmer Rettungskräfte

Kritisch wird’s wenn die Autos auf beiden Seiten parken und eine Art Zick-Zack-Parcours durch Selms Enge Straßen bilden. © Wilco Ruhland

Markus Groppe, stellvertretender Wehrführer, ist so einer. Ganz ohne den Stress einer Einsatzfahrt führt er den Gerätewagen-Gefahrgut durch noch die engsten Stellen. „Der Wagen ist für seine Größe noch verhältnismäßig wendig“, meint er. Dennoch muss er in den verwinkelten Gassen das ein oder andere Mal den Bürgersteig mitnehmen. Bei einem Drehleiterfahrzeug, wo der Korb einen Überhang über dem Führerhaus hat, wird die Sache noch kniffliger.

Kameraden mussten schon Wagen wegruckeln

Und dann kommen die parkenden Autos dazu. „Wenn alle ordentlich auf einer Straßenseite stehen, ist das meist nicht so das Problem“, sagt Isermann, der Groppe immer mal wieder die gemeinsten Stellen anfahren lässt. „Es brauch aber nur einer mal nicht richtig am Bordstein stehen und schon wird es schwieriger.“

Ein größeres Problem: Wenn auf beiden Seiten Autos stehen und der Wagen eine Art Zick-Zack-Parcours fahren muss. Da kann es dann richtig knapp werden. „Es kommt schon vor, dass das Feuerwehrfahrzeug ein parkendes Auto touchiert“, sagt Isermann. was es auch schon gab: „Wir mussten auch schon mal mit mehreren Kameraden einen Wagen wegruckeln, bevor es weitergehen konnte“, erinnert er sich.

Kein Durchkommen: Enge Straßen und Falschparker behindern Selmer Rettungskräfte

An der Hasseler Kappelle wurde es dann doch einmal richtig eng. Parkende Autos in Einmündungsbereichen werden für die Feuerwehr zum Problem. © Wilco Ruhland

Groppe dreht am Lenkrad. „Jetzt links“, sagt Isermann. Doch beim Abbiegen fällt auf: in der Einmündung steht verbotenerweise ein Auto. Da wird es dann richtig eng. Wertvolle Zeit geht verloren, die über Wohl und Wehe entscheiden kann.

Was die Feuerwehr dagegen tun kann? „Immer wieder an die Bevölkerung appellieren“, sagt Isermann. „Dass Ordnungsamt gibt sich schon alle Mühe, die machen das gut“, meint der Wehrführer, der genau die Stellen kennt, wo immer wieder die gleichen Wagen an ungünstigen Stellen stehen. Ob in der ehemaligen Zechensiedlung, in der Kurzen Straße, der Steinstraße, der Bismarckstraße, oder im Nierfeld II, nennt Isermann nur ein paar Stellen, die ihm auf die Schnelle einfallen.

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So manche Selmer Straße wird auch ohne parkende Autos zur Herausforderung für den großen Gerätewagen. © Wilco Ruhland

„Wir fahren außerdem regelmäßig Bewegungsfahrten. Das bringt bei den Leuten dann schon einen Aha-Effekt“, erklärt Isermann. Die sogenannten Bewegungsfahrten sind etwa da für da, Standschäden zu vermeiden, die Straßenverläufe in den Köpfen präsent zu halten oder eben jenen Aha-Effekt.

Und tatsächlich. Kaum demonstriert der heutige Fahrer Groppe eine der Zick-Zack-Stellen, stürmt der Pkw-Besitzer aus dem Haus. „Ich stehe im Weg, was?“, fragt er und springt förmlich in sein Auto, um den Weg freizumachen.

Doch nicht immer sind die Leute verständnisvoll, wenn es um die Feuerwehr geht. Auf die Frage hin, ob denn die Kameraden auch schon einmal schlechte Erfahrungen bei Einsätzen gemacht haben, bejaht Isermann das. „Bei Straßensperrungen, um beispielsweise Ölspuren zu entfernen, kam es schon vor, dass die Kameraden aus einem heruntergelassenen Autofenster verbal angegangen wurden“, meint Isermann. „Man merkt, dass die Hemmschwelle da etwas gesunken ist.“ Bislang blieb es aber beim verbalen.

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Der stellvertretende Löschzugführer Markus Groppe manövriert das Fahrzeug gekonnt durch die engen Straßen. © Wilco Ruhland

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