Kaufen oder warten? Wie sich Corona auf den Immobilienmarkt auswirkt

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Ist die Corona-Krise die Gelegenheit, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen? Oder sorgt sie am Ende dafür, dass viele Immobilienkredite platzen? Wir haben nachgefragt.

Selm

, 12.05.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise trifft viele Familien hart. Wer sich plötzlich in Kurzarbeit befindet, aber einen Kredit fürs gerade gebaute Haus bedienen muss, stellt sich Existenzfragen. Immerhin: „Die Bundesregierung hat einen gesetzlichen Anspruch geschaffen, Zins und Tilgungsraten aufgrund coronabedingter Gehaltseinbußen vom 30. April bis zum 30. Juni auszusetzen“, sagt Nils Klausen vom Vorstandssekretariat der Sparkasse an der Lippe. „Sehr vereinzelt machen Kunden davon Gebrauch.“

Bei der Volksbank Selm-Bork wird Thomas Krotki schon deutlicher. Insbesondere bei den Geschäftskunden verspüre man logischerweise die Folgen der Corona-Beschränkungen, so das Vorstandsmitglied. „Eine Vielzahl hat daher bereits Tilgungsaussetzungen für bestehende Darlehen oder Liquiditätshilfedarlehen aus den neu aufgelegten ,Sondertöpfen‘ der Regierung beantragt.“ Bei den Privatkunden sei das Verhalten hingegen noch nicht so stark ausgeprägt, aber: „Bei einem weiteren Anhalten der Krise müssen wir davon ausgehen, dass sich dann auch Folgewirkungen auf den Privatkundenbereich ergeben werden.“

Keine besonderen Corona-Programme

Die „Sondertöpfe“ sowie die Aussetzung von Zinsen und Tilgungsraten sind für Kunden derzeit die einzige Möglichkeit, ihre Kredite bei finanziellen Engpässen in der Corona-Krise zu halten. Zuschüsse oder besondere Kreditprogramme haben die Banken nicht im Plan. „Unabhängig davon gibt es natürlich eine Vielzahl an Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten vom Bund“, verweist Thomas Krotki auf Kfw-Programme und Tilgungszuschüsse, „die insbesondere zur Förderung des Erwerbs, der Modernisierung oder energetischen Sanierung von Immobilien im privaten Wohnungsbau angeboten werden“.

Solche Programme bieten auch die Möglichkeit eines „Negativzinses“ - der Kunde zahlt am Ende weniger zurück, als er sich eigentlich geliehen hat. „Es kann durchaus sein, dass man bei entsprechenden Kombinationen durch einen sehr niedrigen Nominalzins in Verbindung mit möglichen Tilgungszuschüssen umgerechnet im Negativzinsbereich ausläuft“, sagt Thomas Krotki.

Dass die Banken selbst eine Finanzierung mit Negativzins anbieten, hält er allerdings für unwahrscheinlich: „Wir würden das nach dem aktuellen Stand nicht anbieten wollen, da aufgrund des insgesamt sehr niedrigen Zinsniveaus eine betriebswirtschaftlich erforderliche Zinsmarge so schon kaum noch zu erzielen ist.“ Bei der Sparkasse beobachtet man gar „aufgrund der politischen Entscheidungen“ einen geringfügigen Anstieg des Zinsniveaus.

Immobilien-Hype höchstens kurz ausgesetzt

Ob man die Krise also für einen Immobilienerwerb nutzt, bleibt am Ende eine persönliche Entscheidung. Beide Banken sind sich sicher: Einen Preissturz am Markt wird es nicht geben. „Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten verschieben Kunden durchaus einen geplanten Immobilienerwerb“, sagt Nils Klausen. „Wir gehen davon aus, dass bei sich normalisierenden Rahmenbedingungen die Nachfrage wieder anziehen wird, da der Wunsch nach den eigenen vier Wänden weiterhin vorhanden ist.“

Auch die Volksbank Selm-Bork erwartet eher eine weitere Steigerung der Grundstücks- und Immobilienpreise: „Ob sich dieser Langfristtrend im Zusammenhang mit der Corona-Krise umkehren oder abschwächen wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt seriös noch nicht beantworten“, so Thomas Krotki.

Dennoch ergibt es seiner Meinung nach Sinn, dass sich Familien mit ihrer aktuellen oder künftigen Wohnsituation trotz Corona beschäftigen: „Weil es auch wieder eine Zeit nach Corona geben wird und das Thema eine ganz entscheidende Rolle im Rahmen einer Altersvorsorge spielt.“ Er sehe es viel eher als Gefahr an, wenn man sich nicht mit dieser Art der Vorsorge beschäftigt.

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