Kassenbonpflicht in Geschäften: Selmer Bäckerei-Inhaberin kritisiert Papierverschwendung

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Seit dem 1. Januar 2020 gilt in Geschäften die Bonpflicht. Die Pflicht also, für jeden Einkauf einen Kassenzettel auszudrucken. Auch, wenn nur ein Brötchen gekauft wurde.

Selm, Nordkirchen

, 03.02.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maria Artmann schüttelt den Kopf: „Ich verstehe das nicht“, sagt die Inhaberin von fünf Bäckereigeschäften in Selm, Nordkirchen und Lüdinghausen im Gespräch mit der Redaktion. Das, was sie nicht versteht, ist die Tatsache, dass für jede Kassenaktion ein Bon ausgedruckt werden muss.

Offizieller Grund: Durch das Inkrafttreten der Kassensicherungsverordnung, unter die auch die Kassenbonpflicht fällt, soll der Steuerbetrug gemindert werden. Aus diesem Grund waren Ladenbesitzer verpflichtet worden, bis Ende September 2019 ihre Kassen mit der technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher zu machen.

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Durch das System wird jede Transaktion unwiderruflich aufgezeichnet und automatisch ein Kaufbeleg ausgedruckt.

Kassenbonpflicht in Geschäften: Selmer Bäckerei-Inhaberin kritisiert Papierverschwendung

Der Haufen Bons ist groß. © Arndt Brede

Das Finanzamt als Grund für die Bonpflicht? Da kann Maria Artmann nur lachen: „Wir haben zertifizierte Kassen. Sobald eine Verkäuferin die Kasse nur aufmacht, kann ich das abends am Kassenbericht sehen. Auch das Finanzamt kann sich einlesen. Deswegen macht es für uns überhaupt keinen Sinn, zusätzlich noch den Bon mit auszudrucken.“

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Wie war das denn vor dem 1. Januar 2020? Musste das Bäckereipersonal einen Kassenbon ausgeben? Maria Artmann: „Nein. Nur auf Verlangen. Wenn ein Kunde das wollte, haben wir den Bon raus gegeben.“ Ab dem 1. Januar ist das zur Pflicht geworden.

Mussten die Kassen in den Artmann-Filialen komplett umgestellt werden? „Nein“, sagt Maria Artmann. „Die Kunden konnten auch vorher schon bei uns auf Knopfdruck einen Bon bekommen.“ Die Kassen seien jetzt so eingestellt, dass sie automatisch den Bon ausdrucken. So, wie es die neue Verordnung vorschreibt.

Körbchen auf der Theke

Da stellt sich die Frage, ob die Kunden nun auch brav alle ihren Bon mitnehmen. Maria Artmann beschreibt es so: „Wir haben mittlerweile ein Körbchen auf dem Tresen. Wir geben mit dem Wechselgeld den Bon aus. Der Kunde nimmt den Bon und legt ihn ins Körbchen. Ist das Körbchen voll, machen wir es leer.“

Wohin aber mit den Bons? „Die kommen in den Restmüll.“ Es ist aber doch Papier. Trotzdem in den Restmülll? „Die Bons sind ja beschichtet“, erklärt Maria Artmann.

Um mal zu sehen, welche Menge an Bons zusammenkommen und weggeworfen werden müssen, haben wir Maria Artmann gebeten, in den Filialen eine Woche lang die Bons, die die Kunden nicht mitgenommen haben, zu sammeln.

Das haben die Mitarbeiter getan. Das Ergebnis des Sammelns in vier Filialen ist ein riesiger Haufen Bons, den Maria Artmann aus mehreren Kisten auf den Boden der Backstube des Hauptgeschäfts Im Ort ausschüttet.

Kassenbonpflicht in Geschäften: Selmer Bäckerei-Inhaberin kritisiert Papierverschwendung

Ein Brötchen gekauft, einen langen Bonzettel verursacht. © Arndt Brede

Die Bonpflicht hat durchaus auch Auswirkungen finanzieller Art für die Bäckerei: Wir müssen jetzt viel mehr Kassenrollen kaufen als zuvor.“ Verbrauchte eine Filiale vor dem 1. Januar eine Kassenrolle im Monat, sei es seit dem 1. Januar eine Rolle am Tag.

Handelsverband: Kaufbelege von zwei Millionen Kilometern Länge zusätzlich

Der Handelsverband Deutschland (HDE) - kritisiert das System. Nach Angaben des HDE werden durch die Kassenbonausgabepflicht Kaufbelege von insgesamt zwei Millionen Kilometern Länge zusätzlich pro Jahr produziert.

Dies gehe vor allem zulasten der Umwelt. Im Handelsverband Deutschland (HDE) sind Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Vertriebswege mit rund 100.000 Betriebsstätten organisiert.

Auch die Kunden haben laut Maria Artmann ihre Meinung zur Bonpflicht deutlich kundgetan. „Lächerlich“ oder „So ein Quatsch“ seien einige Äußerungen gewesen.

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