Alles tun für sichere Straßen: Tim Kroll im nächtlichen Räumeinsatz im Nordkreis. © Andreas Kroll
Wintereinbruch

Kampf der Räumdienste gegen glatte Straßen: „Mehr Anerkennung wäre schön“

Der heftige Wintereinbruch hat Straßen in Rutschbahnen verwandelt. Fünf Männer in Bork kämpfen seit Tagen an vorderster Schneefront. Gedankt werde es ihnen kaum, sagen sie. Im Gegenteil.

In den Städten kämpfen die Stadtwerke oder Wirtschaftsbetriebe mit den Widrigkeiten, auf den Landes- und Bundesstraßen ist Straßen.NRW dafür zuständig. Ihre Zentrale im Kreis Unna sitzt in Bönen, für den nördlichen Kreisbereich gibt es einen Stützpunkt in Bork-Hassel an der Lünener Straße. Der stellvertretende Betriebsdienstleiter, drei Mitarbeiter und ein Auszubildender kämpfen zurzeit an der Schneefront.

Seit Samstagnacht sind sie mit ihren Spezialfahrzeugen im Einsatz, um den Straßenverkehr so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Sie sind zuständig für Gahmen, Brambauer, Beckinghausen, Lünen, Werne, Selm, Bork, Hamm-Bockum Hövel und Herbern. Das ist der Ablauf: Vor dem Schneefall gab es erst vorsorgliche Streumaßnahmen, dann begannen sie mit der Räumung der Schneemassen.

Schneeverwehungen waren besondere Herausforderung

Um 3 Uhr in der Frühe beginnt an Werktagen ihre Schicht, an Sonntagen um 4 Uhr. „Das Wochenende war heftig“, erzählt der stellvertretende Betriebsdienstleiter: „Ein Kollege konnte nicht einmal mehr nach Hause fahren und übernachtete hier in unserer Einsatzstelle“.

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Schneeräumen im Nordkreis

„Besonders die Schneeverwehungen haben uns viel abverlangt“, berichtet er. Ihre Fahrzeuge – ein speziell ausgerüsteter Unimog sowie ein Kleinlastwagen – sind mit Schneeschilden und Streueinrichtungen versehen. An der Lünener Straße werden sie mit Streusalz und Flüssigsole beladen. Es gibt neben Bork noch ein größeres Salzlager an der Kamener Straße in Beckinghausen und eines in Bönen.

„Wir müssen uns schon einiges anhören“

Doch die dicke Schneepacklage und zum Teil das Eis darunter erweisen sich als hartnäckiger Gegner. „Wir tun unser Bestes und geben alles“, sagt Andreas Kroll, der seit vielen Jahren bei Straßen.NRW arbeitet, „aber vielen Autofahrern reicht das offensichtlich nicht. Da muss man sich so einiges anhören“. Sich in einer solch extremen Wetterlage mit dem Auto vernünftig zu verhalten sei nicht jedermanns Sache, berichten sie. „Da müssen uns die großen SUVs überholen, um uns ihre Fahrkünste zu zeigen, und sehen nicht die Gefahren, die sie dabei auslösen“.

Tim Kroll, der Sohn von Andreas, hat 2017 seine Ausbildung bei der Straßenmeisterei Lüdinghausen abgeschlossen und wird seit dem 01.02.20 auf dem Stützpunkt Bork eingesetzt.

Er darf den Unimog fahren, was nicht so einfach ist. „In die komplexe und komplizierte Technik musste er sich erst hineinarbeiten“, berichtet sein Vater. Er ist ein totaler Unimog-Fan. Dieses Fahrzeug von Mercedes ist seit Generationen eine probate Allzweckwaffe für komplizierte Einsätze.

Für die Radwege an den Land- und Bundesstraßen sind die Männer aus Hassel auch zuständig. Dafür steht ihnen ein Traktor mit speziellen Anbauten zur Verfügung.

Wunsch nach mehr Anerkennung und weniger Stress

„Wir wünschen uns für unsere Arbeit ein wenig mehr Anerkennung von den Autofahrern und weniger Stress. Nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme kommen wir alle ans Ziel – und natürlich mit Winterreifen“.

An diesem Dienstagmorgen, an dem der Schneefall endlich aufgehört hat und die Sonne auf die Winterlandschaft scheint, macht sich das Quartett wieder für den nächsten Einsatz bereit. Konstantin Rotkegel, der den Kleinlaster fahrt, füllt den Soletank auf. Die Streusalzbehälter sind bereits aufgefüllt. Mensch und Maschine sind bereit für den nächsten Einsatz, den der strenge Nachfrost beschert. „Mit dieser Wetterlage werden wir uns wohl noch länger beschäftigen müssen.“

Für die mannigfaltige Arbeit in der Straßenmeisterei Bork-Hassel werden noch Auszubildende gesucht.

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Günther Goldstein

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