In Selmer Wohngebiet: Wer ist der Besitzer der seltenen Schildtauben?

Ziertauben

In einem Selmer Wohngebiet tauchten Anfang Juni sieben Thüringer Schildtauben auf. Sie entflogen ihrem Besitzer offenbar. Vier Wochen später sind sie immer noch da. Doch wem gehören sie?

Selm

, 04.07.2020, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Thüringer Schildtaube ist eine seltene Ziertaube. Sieben davon sind ihrem Besitzer entflogen.

Die Thüringer Schildtaube ist eine seltene Ziertaube. Sieben davon sind ihrem Besitzer entflogen. © Uwe Norra

Anfang Juni landeten sie auf dem Dach eines Hauses in einem Selmer Wohngebiet – und blieben wegen ihres Aussehens nicht lange unentdeckt: sieben weiß-schwarze Tauben.

Völlig entkräftet und verängstigt

„Sie waren aus irgendeinem Grund völlig verängstigt und entkräftet“, berichtet Uwe Norra. Kaum ein Selmer dürfte das besser beurteilen können als er. Der Selmer Ornithologe hat 50 Jahre Erfahrung in der Beobachtung von Vögeln.

Schnell hatte Norra recherchiert, welche Taubenart sich in dem Wohngebiet niedergelassen hat: „Das sind Thüringer Schildtauben. Sie ist eine seltene Art, die auch bedroht ist“, weiß Norra. Ihren Namen haben die Tauben aufgrund ihrer farbigen „Flügelschilder“. Da es sich um Ziertauben handelt, müssen sie ihrem Besitzer entflogen sein.

Der Ausflug der sieben Vögel blieb dabei nicht ohne Folgen: „Die Tauben waren sogar zu schwach, um zu stehen“, erinnert sich der Experte. Eine von ihnen war dauerhaft so außer Kräften, dass sie flugunfähig war.

Eine Bekannte von Uwe Norra nahm die geschwächte Schildtaube zur Pflege auf. „Tagsüber kam sie in einem Meerschweinchengehege auf der Wiese unter“, erzählt der Ornitologe. „In der Nacht wurde sie in einem Transportbehälter ins Haus gebracht.“ Dort war sie dann vor Ratten, Katzen, Mardern und anderen Fressfeinden geschützt.

Die anderen Tauben hätten das Futter, das ihnen hingestellt wurde, erst nicht angenommen. Nach ein paar Tagen wagten sie schließlich doch einen kurzen Flug zu ihrer Nahrung.

Die Schildtauben ließen sich am Dach eines Hauses nieder.

Die Schildtauben ließen sich am Dach eines Hauses nieder. © Uwe Norra

Keine Flugtauben, sondern wertvolle Stubenvögel

Nach zwei Wochen war auch die kranke Schildtaube wieder so gestärkt, dass sie einen Flug zu ihren Artgenossen aufs Dach unternehmen konnte, als sie gerade wieder in das Außengehege gesetzt werden sollte.

Jeder Flug ist vermutlich ein wahrer Kraftakt, denn: „Wahrscheinlich sind sie noch nie frei geflogen und sind auch nicht geübt darin“, so Norra. „Das sind nämlich keine Flugtauben, sondern Stubenvögel.“

Und weil sie mittlerweile so selten sind, vermutet Norra, dass sie auch wertvoll sein könnten. Vor kurzem machte Norra im Internet deshalb auf die zugeflogenen Tiere aufmerksam, bisher ohne Erfolg. Vom Besitzer fehlt jede Spur.

Besitzer könnte aus der Nähe kommen

Dabei könnte der ganz in der Nähe wohnen. Bei einem Gespräch mit einem Züchter erfuhr Norra nämlich: „Die fliegen maximal vier Kilometer weit. Irgendwo in der Nähe muss also jemand sein, der sie jetzt vermisst“, stellt Norra fest. Es ist somit sehr wahrscheinlich, dass die Tauben aus einem Käfig in Selm entflogen sind. „Demjenigen, dem sie entkommen sind, blutet jetzt sicher das Herz“, glaubt der Vogelfreund.

Falls sich der Besitzer findet, kann er sich in der Redaktion unter Tel. (02592) 96949 melden. Wir vermitteln dann den Kontakt.

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