Dr. Antje Münzenmaier - hier bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für die Hospizgrupppe Selm-Olfen-Nordkirchen - unterstützt die Initiative des Borker Arztes Matthias Schröder, Patienten über 80 durch Hausärzte zu impfen. © Marie Rademacher
Impfungen von über 80-Jährigen

Impfvorstoß Selmer Ärzte: „Wo ein engagierter Wille ist, ist auch ein Weg“

Mit seiner Idee, dass Hausärzte Patienten über 80 gegen Corona impfen sollen, möchte der Borker Arzt Matthias Schröder die Selmer Hausärzte ins Boot holen. Der Wille dazu ist bei Ärzten da.

Die Tatsache, dass Patienten über 80 zwar bevorzugt gegen Corona geimpft werden sollen, aber oft nicht oder nur schwer zum für Selm zuständigen Impfzentrum kommen, hat den Borker Mediziner Matthias Schröder dazu veranlasst, eine Initiative zu starten. Sie soll möglichst alle Selmer Hausärzte einschließen. Die Idee: Hausärzte impfen die betreffenden Patienten in ihren Praxen, während die Kollegen die anderen Patienten dieses Hausarztes versorgen.

Auch in Lünen gibt es bereits eine solche Initiative der Hausärzte. Auch, wenn dieses Modell der Hausärzte in Selm und Lünen bisher vom NRW-Gesundheitsministerium abgelehnt wird, wollen sie weitermachen.

In Selm wie in Lünen ist der Wille bei Ärzten da, mitzumachen. Die Selmer Medizinerin Iris Hirschberg hatte der Redaktion gegenüber bereits signalisiert, den von Matthias Schröder initiierten Impfvorstoß zu unterstützen.

„Ich habe Herrn Dr. Schröder schon meine Zustimmung signalisiert, mitzumachen“, erklärt nun auch Dr. Antje Münzenmaier von der Gemeinschaftspraxis im Selmer Zentrum auf Anfrage der Redaktion. „Da mein persönlicher Arbeitsschwerpunkt die älteren Menschen sind, mache ich mir darüber meine Gedanken. Für ein Impfzentrum kann man den Aufenthalt eines Impflings vielleicht mit ein bis eineinhalb Stunden veranschlagen vom Betreten bis Verlassen, verursacht durch Anamnese, Impfaufklärung und -einwilligung, Impfung und Nachbeobachtung.“

Wie die Umsetzung in der Hausarztpraxis aussehen könnte, wisse sie nicht, bisher kenne sie auch keine Konzepte. „Eine Erarbeitung halte ich aber für möglich, etwa ein kleines örtliches Impfzentrum mit Hausarztbesetzung in zum Beispiel einer Turnhalle. Nicht nur die Älteren, auch immobile Menschen dürften ein Problem haben, nach Unna zu fahren beziehungsweise gefahren zu werden.“ Sie sei sich sicher: „Wo ein engagierter Wille ist, ist bestimmt auch ein Weg. Vielleicht, weil wir alle Neuland betreten, vielleicht, weil wir oft durch Versuch und Irrtum lernen müssen.“

„Die einzelne Praxis kennt ihre Patienten“

Unabhängig davon, dass derzeit der Hausärztevorstoß von Seiten des NRW-Gesundheitsministeriums nicht gewollt ist und am Impfzentrum-Modell festgehalten wird, wäre auch der Selmer Mediziner Dr. Frank Vorspohl grundsätzlich bereit, in seiner Praxis Patienten gegen Corona zu impfen: „Die einzelne Praxis kennt ihre Patienten. Ich weiß genau, wer bettlägerig ist, wo ich hinfahren muss.“

Wenn der Impfstoff da wäre, sei er logistisch in der Lage, ihn durch zu impfen. Das gelte ja genauso für den Grippeimpfstoff. „Das Personal kennt die Patienten, die Patienten kennen die Wege.“ Fakt sei jedenfalls, „dass es so, wie es jetzt angedacht ist, sehr schwierig wird, die nicht mobilen Leute zu impfen“. Dabei seien es doch gerade die Praxen, für die Impfen zum Auftrag gehöre, wie zum Beispiel in der Grippesaison. „Für eine bestehende Praxisstruktur ist es sicherlich möglich und auch die einzig gescheite Lösung, Patienten, die nicht mobil sind oder nur kurze Wege gehen können, gegen Corona zu impfen.“

Dass Söhne oder Töchter, einen nicht mobilen Patienten zu seiner Hausarztpraxis bringen, sei eher zu organisieren, als den Patienten nach Unna zum Impfzentrum zu bringen. „Da muss sich der Angehörige frei nehmen. Da ist der Tag weg.“

Mal abgesehen von diesen Argumenten, hat Vorspohl noch ein weiteres Argument: „Wenn wir Hausärzte uns beim Impfen beteiligen, sind wir alle schneller, als wenn es zentral passiert.“

Es muss gescheit organisiert sein

Da wäre aber noch ein Aspekt, den es zu bedenken gelte, sagt Frank Vorspohl: „Das was wir in den Hausarztpraxen schon zusätzlich leisten, nämlich zum Beispiel die Testungen, weil es die Testzentren nicht mehr gibt, geschieht mit einem riesigen Aufwand. Das wird als selbstverständlich angesehen, obwohl es eigentlich nicht selbstverständlich ist. Da sollte man von Seiten der Politik den Bogen nicht überspannen.“ Und dennoch sagt er: Das Impfen gehört in die Hand des Arztes. „Wenn es gescheit organisiert ist, ist es bis zu einem gewissen Grad leistbar.“

Bürgermeister: Ich begrüße die Initiative

Die Redaktion hat Selms Bürgermeister Thomas Orlowski zum Impfvorstoß des Borker Arztes Matthias Schröder befragt. Was hält er von der Initiative von Dr. Schröder auf lokaler Ebene, Impfungen durch Hausärzte anzubieten? Sieht er auf politischer Ebene eine Möglichkeit, diese Initiative zu unterstützen?

Die Antwort des Bürgermeisters: „Ich begrüße sämtliche Initiativen, die in Selm darauf abzielen, so schnell und so einfach wie möglich Risikogruppen gegen Covid 19 zu impfen. So natürlich auch diese von Herrn Dr. Schröder. Leider besteht jedoch wohl aktuell wegen der Impfstoffknappheit nicht die Möglichkeit, dies so, wie von Herrn Dr. Schröder gewünscht, vor Ort umzusetzen. Sollte die Knappheit hoffentlich bald überwunden sein, werde ich mich beim Kreis Unna und anderen Stellen dafür einsetzen, dass wohnortnahe Angebote auch durch Hausärzte geschaffen werden, um insbesondere älteren Menschen eine Impfmöglichkeit vor Ort anzubieten.“

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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