Dass ein Teil der Immunantwort nach zwei Corona-Impfungen mit der Zeit nachlässt, ist klar. Doch brauchen wir bald Auffrischungsimpfungen? © Sven Hoppe/dpa
Meinung

Impfen, impfen, impfen – aber bitte ohne Pflicht und Zwang

Impfen ist der einzige Weg, um gegen die Pandemie anzukommen. Aber: Menschen zur Coronaimpfung zu verpflichten, wäre der falsche Weg. Und kontraproduktiv, meint unsere Autorin.

Frankreich und Großbritannien haben es vorgemacht, aus Deutschland aber kam bislang noch ein Nein zur Impfpflicht von Pflegepersonal. Die richtige Entscheidung, finde ich. Wir brauchen keine Impfpflicht. Zwang ist nicht der Weg aus dieser Pandemie. Aus zwei Gründen:

Erstens ist eine Pflicht, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen rechtlich heikel. Es gibt das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Eine Impfung ist ein medizinischer Eingriff. Einer, zu dem der deutsche Staat niemanden zwingen kann und sollte. Auch wenn ich die Argumente der grundsätzlichen Impfgegner gerade in dieser globalen Ausnahmesituation nicht verstehe: Freiheit bedeutet immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Das Rosa-Luxemburg-Zitat kenne ich seit Schulzeiten und sage es mir immer vor, wenn ich mit Menschen konfrontiert bin, die eine ganz andere Meinung haben als ich selbst.

Gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker

Womit ich dann auch beim zweiten Grund angekommen wäre: bei Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern. Eine Impfpflicht wäre für sie eine Bestätigung ihres Misstrauens. Ein gefundenes Fressen.

Nicht Zwang, sondern Aufklärung – das brauchen wir. Wichtig ist außerdem, den Menschen, die noch nicht geimpft sind, weiter unkomplizierte Angebote zu machen. Die Impfmobile zum Beispiel. In Nordkirchen gab es davor lange Schlangen am Freitag. Auch das zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, sich impfen zu lassen. Wir brauchen keine Pflicht.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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