Seit fast sieben Jahren sind sie ein Paar: Bald wollen Jan-Philipp (l.) und Björn (r.) heiraten. © privat
Tag gegen Homophobie

Homosexuelles Paar aus Olfen: „Eigentlich sind wir richtig spießig“

Am 17. Mai wehen jährlich die Regenbogenflaggen zum Zeichen gegen die Diskriminierung von Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuellen. Ein Olfener erzählt, was dieser Tag für ihn bedeutet.

Jan-Philipp Schlichtmann lacht im Telefongespräch. „Wir sind spektakulär unspektakulär“, sagt der 29-jährige Olfener. „Das trifft es wohl am ehesten. Eigentlich sind wir richtig spießig.“ Anlass des Gesprächs mit unserer Redaktion ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (kurz: IDAHOBIT nach der Englischen Bezeichnung) am 17. Mai.

Das Datum wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Was bedeutet dieser Internationale Tag für Jan-Philipp und seinen Verlobten Björn?

Queeres Leben in der Gesellschaft angekommen?

“Für uns spielt dieses Datum eine eher untergeordnete Rolle“, sagt er. „Zum Glück“. Er führt das aus: „Wir erleben keine Homophobie. Wir wurden noch nie verbal oder physisch angegriffen.“ Wenn nicht für ihn oder seinen Partner persönlich wichtig, sei der Erinnerungstag das für die Community aber sehr wohl, so Jan-Philipp. Ohne Frage leiden viele Menschen unter Ablehnung, Abneigung und Aggression wegen ihrer Sexualität. Er und sein Partner gehören aber nicht dazu.

Ein Tag wie dieser sorge dafür, dass die Gesellschaft offener werde, meint der 29-Jährige. „Viele vor uns haben dafür gekämpft, dass wir [Jan-Philipp und sein Partner, Anm.d.R.] heute kein Problem mit Homophobie haben“, sagt er.

Dass es jetzt eine Serie über eine homosexuelle Clique in der ARD-Mediathek zu sehen gibt, findet der 29-Jährige toll: Wenn die Thematik im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen angekommen ist, dann sei das queere Leben wohl auch mitten in der Gesellschaft angekommen, meint der Olfener. Queer steht für eine Selbstbezeichnung nicht-heterosexueller Menschen.

Ob es eine queere Community in Olfen gibt? Wieder muss Jan-Philipp in den Hörer lachen. Dieser fühlen sich all diejenigen zugehörig, die nicht heterosexuell leben, also zum Beispiel schwul, lesbisch, oder auch bi- oder transsexuell sind. „Ohne Frage gibt es andere Homosexuelle in Olfen, aber die kennen wir nicht. Wir sind nicht so super vernetzt.“ Das vermisse er auch nicht. Seine Sexualität sei schließlich nur ein Merkmal, das ihn ausmache.

Kirchlich heiraten steht leider nicht zur Debatte

Am 23. Mai dieses Jahr ist Jan-Philipp sieben Jahre mit Björn zusammen. Seit 2017 leben sie gemeinsam in Björns Heimatstadt Olfen – seit 2020 in einer Doppelhaushälfte. Bald wollen sie heiraten. „Wir sind so langweilig wie alle anderen auch“, scherzt er.

Was Jan-Philipp aber doch beschäftigt, ist die Tatsache, dass „kirchlich heiraten ja leider nicht zur Debatte steht“. Der Wunsch nach einer Segnungsfeier, zusätzlich zum bürokratischen Akt beim Standesamt, sei groß, sagt der 29-Jährige, der sich in der katholischen Kirche engagiert.

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Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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