Auch am städtischen Gymnasium in Selm soll der 18. Dezember der letzte Schultag in diesem Jahr sein. Für Vorfreude sorgt das nicht unbedingt. © Brede
Coronavirus

Harter Lockdown kommt – Selmer Schulen werden von Nachricht überrumpelt

Die Präsenzpflicht an Schulen ist ab Montag aufgehoben: Das Land bereitet sich auf einen zweiten kompletten Lockdown vor. Allerdings fehlen den Schulen dazu wichtige Informationen.

Keine Präsenzpflicht mehr an den Schulen in Nordrhein-Westfalen – diese Maßnahme steht nach der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten Armin Laschet nun fest. Weitere Maßnahmen wie die Schließung aller Geschäfte – außer denen, die Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen – und die Rücknahme der geplanten Lockerungen an Weihnachten sollen folgen.

Am Gymnasium in Selm wurde man von der Ankündigung des Ministerpräsidenten überrascht. „Bis jetzt liegt mir nichts Offizielles vor“, erklärt Schulleiter Ulrich Walter in einer ersten Reaktion. Armin Laschet verkündete die neue Maßnahme gegen 11.30 Uhr – die Schulen indes wurden vom Ministerium erst gegen 13.30 Uhr benachrichtigt.

Wie problematisch die Entscheidung aus Düsseldorf ist, macht Walter vor dem Eintreffen der Ministeriums-Mail an einem Beispiel deutlich: „Ein Kollege von mir hat in seinem Deutschkurs für Montag in den ersten beiden Stunden eine Klausur angesetzt. Er muss den Schülerinnen und Schülern sagen, dass die Klausur stattfindet und sie sich am Wochenende darauf vorbereiten sollten.“

Das könne sich aber jederzeit ändern – so steht es auch in der Information, die Walter auf die Homepage der Schule gestellt hat. „Natürlich rufen jetzt viele Eltern an, die die Pressekonferenz auch zur Kenntnis genommen haben.“ Walter persönlich findet die Art und Weise, wie Landesregierung und Schulministerium mit dem Schulpersonal umgehen, gelinde gesagt unglücklich: „Das passiert ja nicht zum ersten Mal. Wenn ich alles der Situation um das Virus unterordne, ist das in Ordnung – aber das weiß man auch vier Tage eher.“

Nun, da konkrete Vorgaben vorliegen, steht fest, dass Oberstufen-Klausuren wie geplant stattfinden. Klassenarbeiten in der Unter- und Mittelstufe entfallen in der Woche vom 14. bis 18. Dezember. Diese Regelung gilt auch für den 19. und 20. Dezember. „Ob die Klassenarbeiten nach den Weihnachtsferien nachgeholt werden können/müssen, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht fest“, heißt es auf der Homepage der Schule.

Verpflichtender Distanzunterricht ab Klasse 8

Fest steht aber nun mit der Mitteilung des Ministeriums, dass der Distanzunterricht für die Klassen 8 bis 13 verpflichtend ist. Für Schüler bis zur siebten Klasse können die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder von Zuhause aus lernen lassen. „Die Befreiung vom Präsenzunterricht in den Klassen 1 bis 7 und der obligatorische Distanzunterricht sind nicht mit einem Aussetzen der Schulpflicht gleichzusetzen“, wird im Brief des Ministeriums betont.

Auch für die Grundschulen kamen die Nachrichten plötzlich, doch Anja Knipping, Schulleiterin der Schule Auf den Äckern, findet die Entscheidung der Regierung richtig: „An den Corona-Zahlen sieht man, dass etwas getan werden muss. Dass den Eltern freigestellt wird, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken, finde ich richtig. Einige Eltern haben beruflich nicht die Möglichkeit, ihr Kind so spontan Zuhause zu betreuen.“

Eltern sollen möglichst online melden, ob die Kinder daheim bleiben

An der Grundschule Auf den Äckern ist vorerst normaler Unterricht geplant – das hängt jedoch von der Resonanz der Eltern ab. Die Eltern, die ihre Kinder Zuhause betreuen, bekommen das Material für den Distanzunterricht – einen Live-Stream, also die direkte Übertragung des Unterrichts für die Daheimgebliebenen, wird es nicht geben. Knipping hofft, dass die Eltern über das Portal iServ melden, ob die Kinder in die Schule kommen oder nicht: „Ansonsten wird das Telefon am Montag wohl heiß laufen.“

Gewünscht hätte sich Knipping, dass die Info etwas früher gekommen wäre – als die Mail der Regierung um 13.30 Uhr eintrudelte, waren Schüler und Lehrer bereits daheim und mussten nur per Mail informiert werden. An der Overbergschule fühlt man sich gut vorbereitet: Der Wochenplan für die nächste Woche war bereits geschrieben, als die Nachricht eintraf. Die Kinder haben alle Unterlagen daheim, die sie brauchen.

Hybridunterricht per Videochat und Lehrmaterial liefernde Lehrer

Geplant ist, den Unterricht live per Videokonferenz zu übertragen – Schulleiterin Jücker spricht von „Hybridunterricht“. Wie viele Schüler nun nächste Woche im Klassenraum und wie viele am Rechner sitzen werden, sei nun noch gar nicht abzusehen. „Die Eltern müssen verbindlich melden, wann ihr Kind in die Schule kommt. Sie können auch sagen, dass das Kind erst ab Mittwoch daheim bleibt – dann aber bis zum Ende der Woche. Ein tageweiser Wechsel ist nicht möglich“, betont die Schulleiterin. Grundsätzlich hält sie das Herunterfahren des Schulbetriebs für eine gute Idee: „Die Lehrer tragen fast alle eine FFP2-Maske und die Schüler halten sich gut an die Regeln, aber die Aerosole sind ja dennoch in der Luft.“

Andrea Dabrowski, Konrektorin der Ludgerischule, sieht die Lage entspannt. „Wir sind gut vorbereitet. Für die Kinder, die Zuhause bleiben, gibt es Unterricht per Videochat. Da, wo es die technischen Mittel nicht gibt, bringen die Lehrer das Material vorbei – so war es nun auch mit den Kindern, die in Quarantäne mussten.“ Die Entscheidung des Ministeriums kann auch sie nachvollziehen. „Die Zahlen steigen gewaltig und ich kann die Eltern verstehen, die ihre Kinder lieber Zuhause lassen möchten.“ Wie viele es letztendlich sein werden, zeigt sich am Montag.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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