Wird es so kommen, wie im Frühjahr 2020 nach dem ersten Lockdown der Schulen? Damals kamen zum Gymnasium Selm ganze Jahrgänge zu unterschiedlichen Zeiten. © Ulrich Walter
Schulunterricht

Gymnasium Selm bereitet sich auf mehrere Varianten des Unterrichts vor

Bund und Länder wollen am Mittwoch, 10. Februar, beschließen, ob Schulen ab nächster Woche wieder geöffnet werden. Wie viel Druck liegt dabei zum Beispiel auf dem Selmer Gymnasium?

Ulrich Walter, Leiter des Städtischen Gymnasiums Selm, blickt am Mittwochvormittag recht gelassen auf das, was an diesem Tag aus Berlin an Ergebnissen zu erwarten ist. „Ergebnisse werden wahrscheinlich erst heute Abend verkündet“, sagt er auf Anfrage der Redaktion. „Was daraus für Nordrhein-Westfalen wird, steht ja in den Sternen. Denn am morgigen Donnerstag muss das Landeskabinett die Dinge auf Nordrhein-Westfalen runterbrechen. Wir können davon ausgehen, dass wir vor Donnerstagabend gar nichts Aktuelles haben, vielleicht erst am Freitag.“

Das dürfte den Druck auf Schulleitung und Lehrer doch erheblich erhöhen, was die Umsetzung dessen betrifft, was in Sachen Schulöffnung beschlossen wird, oder? „Wir haben am Rosenmontag und Nelkendienstag Organisationstage, weil wir die beweglichen Ferientage auf diesen beiden Tagen gelassen haben.“ Und eben diesen Montag und diesen Dienstag benötigen Schulleitung und Kollegium des Gymnasiums laut Ulrich Walter für die Detailplanung.

Aber auf welche denkbaren Szenarien muss sich das Gymnasium Selm denn überhaupt vorbereiten? „Wir haben unterschiedliche Varianten, die man denken könnte“, sagt Walter.

Präsenzunterricht für alle eher nicht

Variante 1: „Die Variante, dass das Gymnasium als weiterführende Schule grundsätzlich geöffnet wird, die schließe ich aus.“ Präsenzunterricht für alle Schüler sei nicht denkbar. „Das ist zumindest meine Erwartung.“

Variante 2: „Was ich mir vorstellen kann, ist, die digitale Ausstattung der Schule zu nutzen. Alle Lehrer werden ab Freitag im Besitz eines iPads sein.“ Dann könnten sie gegebenenfalls diese iPads nutzen, um über die Schul-Kommunikationsplattform IServ ihren Unterricht mit einem Teil der Klasse vor Ort an den Standort der Schüler zuhause zu übertragen. Das wäre also die Variante des gleichzeitigen Unterrichts einer Klasse, geteilt in Präsenz- und Distanzunterricht.

Für diese Variante führt Ulrich Walter datenschutzrechtliche Gesichtspunkte an, die zu bedenken und noch zu klären seien: „Der Unterricht ist ja zunächst einmal als geschlossene Einheit zu sehen. Es wird rechtlich problematisch, wenn es Schülerbeiträge im Präsenzformat gibt und diese Schülerbeiträge aus dem geschützten Raum der Klasse oder des Kurses digital in ungeschützte Räume in die Wohnungen der Schüler weitergeleitet werden.“ Das rechtliche Problem sei, dass das geistige Eigentum des Schülers im Klassenraum den geschützten Raum, verlasse. Es gehe aber nicht darum, dass man den Eltern in den Wohnungen der Schüler nicht trauen könne.

Hybridunterricht im Wechsel

Wegen der derzeit noch ungeklärten rechtlichen Lage würde Walter dafür plädieren, dass ein Teil der Schüler, wenn es zu der Hybridform Präsenz- und Distanzunterricht komme, im Klassen- oder Kursraum im Gymnasium unterrichtet werde und die andere Hälfte, die zuhause sei, werde über Aufgaben, die über IServ den Schülern zur Verfügung gestellt werden, nachversorgt. So dass also kein zeitgleicher Unterricht laufe. Aber im Wechsel der Gruppen nach einer Woche.

Was aber auch denkbar sei, sei eine Form von Unterricht, wie sie im Frühjahr 2020 praktiziert worden sei: Unterschiedliche Jahrgänge sind zu unterschiedlichen Zeiten zur Schule gekommen. Das waren ganze Klassen, die laut Ulrich Walter räumlich getrennt worden seien. Die Fortführung des Distanzunterrichts wäre eine weitere Variante, die in der kommenden Woche denkbar sei.

Was er zudem speziell nicht aus dem Blick nehme, seien die Abiturienten. „Wenn Teilöffnung möglich sein sollte, dann möchte ich auch versuchen, diesen Abschlussjahrgang nach Möglichkeit und möglichst schnell wieder in die Schule zu holen.“ Zumal die Abitur-Vorklausuren Anfang März beginnen.

Für alle Szenarien gebe es Pläne, die die Schulleitung und die Stufenleitungen am Freitag, 12. Februar, besprechen werden, wenn die Ausführungsbeschlüsse für NRW da seien. Kommunizieren werde die Schulleitung die weitere Vorgehensweise in der kommenden Woche auf der Homepage des Gymnasiums und über IServ.

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Arndt Brede

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