Grippeimpfung in Selm - Ärzte und Apotheken kommen kaum hinterher

dzGrippeimpfung wegen Corona

Auch in Selm ist die Nachfrage nach Grippeimpfungen diesen Herbst besonders hoch. Bereits jetzt besteht Mangel. Wie am besten darauf reagiert wird und wie sinnvoll eine zu frühe Impfung ist.

Selm

, 15.10.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben nichts mehr übrig“, berichtet Daniela Wehmeyer, Apothekerin der Brüning Apotheke in Selm. Und das, obwohl sie mit 3.500 Vorbestellungen mehr als das Doppelte an Grippe-Impfstoff bestellt hätten, als im vergangenen Jahr. Der Großteil davon sei an Arztpraxen gegangen. Ein wenig hätte man auch für Privatpatienten gehabt, dies sei allerdings auch alles bereits weg.

Nun würden sogar schon Arztpraxen aus Nachbarstädten anrufen und nach dem Grippe-Impfstoff fragen.

Die Apotheken hoffen auf Nachschub, können aber nichts versprechen

Wann und ob allerdings Nachschub kommt, bleibt ungewiss. „Wir hoffen noch auf unsere bestellten 500 Nachlieferungen, aber versprechen kann ich nichts“, so Wehmeyer.

Francis Tsafack von der Bären Apotheke in Selm hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: „Die Nachfrage ist sehr hoch und wir sind momentan ausverkauft. Wann wir Nachschub bekommen, kann ich nicht sagen, unsere Zulieferer legen sich da nicht fest.“

Eine Arztpraxis in Selm bestätigt dieses Bild: „Die Nachfrage ist dieses Jahr größer als üblich. Wir sind seit letzter Woche ausverkauft und einige unserer Patienten warten momentan noch auf die Nachbestellung“, sagt eine Arzthelferin.

Anders in der Arztpraxis Hirschberg: „Der Anstieg in der Nachfrage für die Grippeimpfung macht sich auch bei uns bemerkbar. Für Privatpatienten haben wir keine Impfungen mehr, bei den Kassenpatienten besteht aber kein Mangel. Wir haben viel auf Vorrat bestellt“, informiert eine Mitarbeiterin.

Der Grippe-Impfstoff war schon in der Vorbestellung vergriffen

Der Liefer-Engpass dieses Jahr sei extrem. Für gewöhnlich seien Ärzte dazu angehalten, etwa die Hälfte ihrer erwarteten Impfungen vorzubestellen, damit die Zulieferer sich auf die Menge vorbereiten können. Die zweite Hälfte würde dann während die Impfungen schon laufen nachbestellt. „Dieses Jahr war allerdings bereits in der Vorbestell-Phase alles weg“, erklärt Wehmeyer.

Als Gründe sehe sie neben dem höheren Risiko, wenn man an zwei Infektionen leidet, auch die Angst der Menschen, die Grippe nicht von dem neuartigen Coronavirus unterscheiden zu können. Ein Tipp der Apothekerin: „Die normale Grippe kommt ganz plötzlich und es geht einem von einen Tag auf den nächsten schlecht, das Coronavirus wird hingegen nach und nach stärker.“

Hygienemaßnahmen einhalten und Risikogruppen den Vortritt lassen

Aber was nun tun, wenn man aufgrund des Mangels keine Grippe-Impfung bekommt? Wehmeyer appelliert an Nachsicht und Rücksichtnahme: „Vor allem die Risikogruppen, sprich unsere Senioren, Vorerkrankten und medizinischen Angestellten brauchen diese Impfung. Auch Kinder sollten geimpft werden, da sie das Virus meist unbemerkt verbreiten.

Alle anderen würde ich bitten, erst einmal den besonders Gefährdeten den Vortritt zu lassen.“ Ansonsten helfen natürlich auch weiterhin die üblichen Regeln, wie Abstand halten, regelmäßiges Hände waschen und desinfizieren.

Zu frühe Impfungen seien wenig sinnvoll

Ein weitere Problem dieses Jahr sei auch der zu frühe Beginn der Impfungen gewesen, da sind sich die beiden Apotheker einig. „Wenn man sich Anfang Oktober impfen lässt, hält der Schutz ein halbes Jahr, also bis Ende März“, informiert Wehmeyer. Deshalb gilt auch laut Francis Tsafack: „Eine frühere Impfung ist nicht sinnvoll.“

Der Apotheker rät deshalb, Geduld zu bewahren: „Wenn man noch keine Impfung bekommen hat, muss man nicht gleich in Panik verfallen. Einfach warten bis der Impfstoff wieder vorrätig ist. Für gewöhnlich wird eh erst ab Mitte Oktober geimpft, also ist es definitiv noch nicht zu spät.“

Auch von Gesundheitsminister Jens Spahn kommt am Mittwoch Entwarnung. Der Politiker hält zwar Engpässe auf lokaler Ebene für möglich, allerdings seien diese nicht überdauernd. Grund zur Sorge vor anhaltenden Versorgungsengpässe gäbe es keine, sagt er bei einer Pressekonferenz in Berlin.

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