Die giftigen Früchte des Baumes des Jahres 2021 überlassen Menschen besser den Vögeln. Andere Beeren von Wildsträuchern können dagegen auch in der Küche Verwendung finden.

Cappenberg

, 15.11.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es dauert nicht mehr lange, dann sind auch die letzten Herbstblätter von den Bäumen gefallen. Für Farbakzente im Wald sorgen dann andere: die Beeren der Wildsträucher: ein zurzeit noch reich gedecktes Buffet für die heimischen Vögel. Aber auch Menschen wussten sich von Alters her an den Beeren zu bedienen. Das wissen, was gesund ist, und wovon man besser die Finger lässt, ist aber zunehmend verschwunden. Wir klären auf über fünf häufige Arten und liefern zwei Rezepte.

1. Die Stechpalme: Baum des Jahres 2021

Den Anfang macht der Baum des Jahres 2021: die Stechpalme, im Münsterland auch Hülskrabbe genannt. Immergrüne, pieksige Blätter – daher der Name – und knallrote Beeren lassen es zu Füßen von Buchen, Eichen und anderen Bäume in den heimischen Mischwäldern geradezu leuchten in diesen Tagen. Handelt es sich bei der eher in die Breite als in die Höhe wachsenden Pflanze dann überhaupt um einen Baum? Ja, sagen die Mitglieder der Baum-des-Jahres-Stiftung. Lässt der Standort es zu, wächst der Ilex - so der botanische Name der Stechpalme - auch nach oben: 10 bis 15 Meter.

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Der Name Stechpalme weist auf einen alten Mangel hin. Palmen gab es in diesen Breiten nicht, wohl aber das Bedürfnis, mit Palmblättern zur christlichen Palmsonntagsprozession zu gehen. Die immergrünen Ilex-Zweige halfen da aus.

Trotz des exotischen Aussehens ist die Stechplame eine waschechte Europäerin: ein anpassungsfähiges Überbleibsel aus einer Zeit von vor mehr als zwei Millionen Jahren, als das Klima noch subtropisch war. Sowohl die zackigen Blätter als auch die roten Beeren sind für Menschen giftig. Vögeln dienen die Beeren aber als Nahrung.

Schlehen sind die Früchte des Schwarzdorns. Wer sie pflücken möchte, wartet Besser den Frost ab.

Schlehen sind die Früchte des Schwarzdorns. Wer sie pflücken möchte, wartet Besser den Frost ab. © Sylvia vom Hofe

2. Guter Geist im Likör: die Schlehe

Tief blau hängen sie an dornigen, inzwischen fast laublosen Zweigen wie vergessene Mini-Pflaumen: die Schlehen. Dabei handelt es sich um die Früchte des Schwarzdorns: einem im Sommer eher unscheinbaren, dornigen Gehölz mit kleinen Blättern und niedrigem Wuchs am Waldrand. Zweimal im Jahr verwandelt es sich zu einem Blickfang: Im Frühjahr blüht es strahlend weiß und duftend. Und im Herbst ziehen die blauen Beeren, die Schlehen, die Aufmerksamkeit auf sich - von Vögeln und Pflanzenkundigen.

Manche stellen Gelee her aus den Früchten. Andere setzen die Früchte an mit Zucker, Zimt und Korn und gewinnen so Likör. Eigentlich ist beides erstaunlich: Denn wer zurzeit in die Frucht beißt, spuckt sie garantiert sofort wieder aus.

Das hat mit dem hohen Gehalt an Gerbstoffen zu tun. Erst wenn der erste Frost gekommen ist, verwandeln sich die Bitterstoffe in eine leichte Süße. Vögel sind da nicht so empfindlich. Sie mögen den Schwarzdorn immer - nicht nur wegen der Beeren, sondern auch als sicheren Rückzugsort.

Vogelbeeren sind die Früchte der Eberesche. Sie sind leicht zu verwechseln mit den Sanddorn-Beeren.

Vogelbeeren sind die Früchte der Eberesche. Sie sind leicht zu verwechseln mit den Sanddorn-Beeren. © Sylvia vom Hofe

3. Besser nur etwas für Vögel: die Vogelbeere

Die leuchtend orange-rote Vogelbeere ist die Frucht der Eberesche. Wie der Name schon sagt: Menschen Überlassen sie besser den Vögeln. Denn ihr Verzehr sorgt für Erbrechen. Gekocht sieht das allerdings anders aus. Dann verwandelt sich die Parasorbinsäure, die die Beeren für Menschen ungenießbar macht, in verträgliche Sorbinsäure. So vorbereitet eignen sich Vogelbeeren zur Herstellung von Gelee oder Marmelade.

Finger weg! Das Pfaffenhütchen ist sehr giftig. Sein Holz war aber einst gefragt.

Finger weg! Das Pfaffenhütchen ist sehr giftig. Sein Holz war aber einst gefragt. © Sylvia vom Hofe

4. Achtung, hoch giftig: das Pfaffenhütchen

In lichten Wäldern, aber auch oft auf Böschungen finden sich Sträucher mit besonders hübschen Beeren: Pfaffenhütchen. Wer die Früchte genau anschaut, versteht, woher der Name kommt. Die kleinen Früchte in Rosa, Pink und Orange haben die Form eines Biretts: einer traditionellen Kopfbedeckung für Geistliche. Was harmlos aussieht, kann den Tod bringen: Weidetieren genauso wie Menschen. Ab 20 Früchten gilt der Verzehr der rundum giftigen Pflanze als tödlich: eine Gefahr, die auch schon bei den alten Griechen berüchtigt war. Nützlich war dagegen lange das gelbliche Holz der Pflanze, die auch Spindelstrauch genannt wird. Es fand Verwertung als Orgelpfeife, Stricknadel oder eben als Spindel.

Lecker und vitaminreich: die Hagebutte.

Lecker und vitaminreich: die Hagebutte. © Sylvia vom Hofe

5. Gesunder Vitamin-C-Lieferant: die Hagebutte

Hagebutten sehen nicht nur schön aus, sondern sind auch gesund. Sie sind die Vitamin-C-reichsten Früchte unserer Breiten und lecker - nicht nur als Tee. Der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) Niedersachsen hat zwei Rezepte zusammengestellt, die sich leicht ausprobieren lassen. Die größte Herausforderung bei der Zubereitung ist es, die Kerne herauszufischen, die eigentlichen Früchte der roten Hagebutte.

  • Hagebuttenmarmelade
    Zutaten: 2 Kilogramm Hagebutten, 1 Kilogramm Gelierzucker.
    Zubereitung: Die Hagebutten waschen, in einen Topf geben und mit Wasser bedeckt weich kochen. Jetzt kommt es: Die Fruchtmasse durch einen Wolf drehen und so von den Kernen trennen. Von dem gewonnen Fruchtmark 1 Kilogramm abwiegen, mit dem Gelierzucker vermischen und 4 Minuten sprudelnd kochen lassen.
  • Süße Hagebutten-Suppe
    Zutaten: 500 Gramm Hagebutten, ein Viertel Liter Weißwein, 1 Esslöffel Zucker oder Ahornsirup, 1 Esslöffel Mehl.
    Zubereitung: Die Hagebutten halbieren, Kerne und Härchen sauber entfernen und die Früchte in ein wenig Wasser weich kochen. Durch ein Sieb passieren. Mit 3 Tassen Wasser zur Suppendicke strecken. Mehl und Wein zusammenrühren und in die Suppe geben. Kurz aufkochen und den Zucker oder Ahornsirup zugeben.
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