Fleisch bestellt: Gastro-Großhändler aus Selm muss ins Gefängnis

dzUrteil in Dortmund

Ein Gastro-Unternehmer aus Selm muss wegen Betruges ins Gefängnis. Im Urteil findet der Richter deutliche Worte.

Selm

, 03.10.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem mehrere Monate dauernden Prozess hat das Dortmunder Landgericht den Selmer Chef eines Gastro-Großhandels verurteilt. Vier Jahre und fünf Monate Haft verhängten die Richter - wegen Betruges in 61 besonders schweren Fällen. Davon gelten neun Monate als bereits verbüßt, weil der Angeklagte übermäßig lange auf die Verhandlung warten musste.

Taten in 2014 und 2015

Die Vorwürfe gegen den 41-Jährigen reichen zurück bis in die Jahre 2014 und 2015. Damals hatte der Mann in seinem Unternehmen, das in Bergkamen betrieben wurde, einen Strohmann als Geschäftsführer installiert, um anschließend aus dem Hintergrund kriminelle Fäden ziehen zu können.

Regelmäßig bestellte der Selmer laut Urteil große Mengen Fleisch und andere Lebensmittel, um sie unter der Hand sofort weiterzuverkaufen. Die Rechnungen der Lieferanten ließ er dagegen bei dem von ihm installierten Strohmann auflaufen, der lange Zeit gar nicht wusste, wie ihm geschah und natürlich keine einzige Forderung jemals begleichen konnte.

Strohmann wusste von nichts

Die Richter der 43. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts haben ausgerechnet, dass auf diese Weise bei diversen Lieferanten ein Gesamtschaden von mehr als 600.000 Euro entstanden ist. Dass der 41-Jährige dieses Geld jemals aufbringen kann, um es zurückzuzahlen, gilt als ausgeschlossen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Beumer lobte den Angeklagten in der Urteilsbegründung dafür, dass der sich nach anfänglichem Bestreiten schließlich doch noch zu einem Geständnis durchgerungen hatte. „Davor hatten Sie jedoch zwei entscheidende Fehler gemacht“, sagte Beumer. „Zum einen haben Sie sich für einen ganz besonders schlauen Typen gehalten. Und zum anderen haben Sie die Justiz unterschätzt.“

Auch sechs Jahre waren möglich

Der Vorsitzende Richter ist sicher: „Wir hätten ihnen den Betrug am Ende auch ohne Geständnis nachgewiesen. Aber das wäre deutlich mühsamer gewesen.“ Daher habe sich das veränderte Verteidigungsverhalten am Ende auch deutlich strafmildernd ausgewirkt. „Sie hätten hier leicht auch bei sechseinhalb Jahren Haft landen können“, so Beumer.

Verzicht auf Revision

Den Angeklagten hatte er am Ende überzeugt. Der 41-Jährige nahm das Urteil nach kurzer Rücksprache mit seinem Verteidiger an und verzichtete darauf, noch Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen zu können.

Was mit einer alten zweijährigen Bewährungsstrafe geschieht, zu der der Unternehmer schon vor den jetzt abgeurteilten Taten verurteilt worden war, steht noch nicht fest. Möglicherweise wird er auch die noch absitzen müssen. Diese Strafe hatte er übrigens auch wegen Betruges und Steuerhinterziehung bekommen.

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