Jürgen Steinfelder hat dieses Foto aus dem verschneiten Bork in seinem alten Fotoalben gefunden. © Jürgen Steinfelder
Winter

Gab es früher mehr Schnee? Ein Blick auf das Winterwetter in Selm

Eine Woche lang schon hatte der Schnee die Stadt Selm fest im Griff. Anlass für einen Blick zurück in die Winter der Vergangenheit - als Schnee vielleicht noch ein bisschen normaler war.

Jürgen Steinfelder sieht das alles recht entspannt. Auf Facebook hat er, als in der vergangenen Woche das „Schnee-Chaos“ in Selm hereinbrach, ein Foto gepostet, das er in einem seiner alten Fotoalben gefunden hat. Es zeigt die verschneite Kettelerstraße in Bork, zwei Jungs (einer davon Jürgen Steinfelder selbst), die einen Schneemann gebaut haben. Im Dezember 1960 wurde das Foto aufgenommen.

Ob es damals ein großes Schnee-Unwetter gab? Jürgen Steinfelder, der mittlerweile in Dortmund wohnt, kann sich nicht so ganz erinnern. Vermutlich, so sagt er, war es einfach ein ganz normaler Winter – und zu dem gehörte früher halt: Schnee. Manche Borker erinnern sich noch, wie die Kinder auf der Kettelerstraße Ski gefahren sind – oder sich der Weiher in Pastors Garten in eine Schlittschuhfläche verwandelt hat.

Gab es früher wirklich mehr Schnee im Winter?

Ist es wirklich so, dass es „früher“ viel mehr Schnee gegeben hat als heute? Mit dieser Frage haben sich auch die Experten des Wetterkanals kachelmannwetter.de auseinandergesetzt und die Daten zu Schneedecken und Schneehöhen in den vergangenen Jahrzehnten ausgewertet.

Das Fazit: „Es ist was dran an der heutigen Aussage, dass es früher mehr Schnee gab. Das liegt vor allem an den schneereichen 60er- und 80er-Jahren und an häufig nur Jahren mit wenig Schnee seit 2000. Das Jahr 2010 hat uns aber gezeigt, dass es auch heute noch sehr schneereiche Jahre geben kann“, heißt es dort in dem Beitrag von 2019.

Das Bild zeigt den Selmer Bach am Tag nach Tief
Das Bild zeigt den Selmer Bach am Tag nach Tief „Petra“ im Dezember 2010. © Christa Zigann © Christa Zigann

2021 ist ähnlich schneereich wie 2010 – damals war es das Tief Petra gewesen, dass im Dezember für eine dichte Schneedecke in Selm – und im ganzen Ruhrgebiet – gesorgt hatte. Der Winter 2010/2011 ist mit dem vielen Schnee und den Temperaturen als Rekord-Winter in die Geschichte eingegangen: Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel war das Land mehr oder weniger eingeschneit. Mit allen positiven und auch negativen Folgen: So ließ sich wunderbar Schlittenfahren und weiße Weihnacht feiern. Gleichzeitig kam die Post verspätet an, die Straßen waren glatt.

Nichts war das allerdings gegen den Winter der Jahre 1978/1979: den sogenannten Jahrhundertwinter. Ein gewaltiges arktisches Unwetter zog da über das Land – eine der schlimmsten Schneekatastrophen, die Deutschland je erlebt hat. „Besonders betroffen ist Norddeutschland, aber auch das Münsterland und das Ruhrgebiet spüren, was es heißt, von einem Schneesturm getroffen zu werden. Am Ende haben in West- und Ostdeutschland 22 Menschen ihr Leben verloren, der Schaden wird allein in der damaligen Bundesrepublik mehr als 140 Millionen Mark betragen“, schrieben die Ruhr Nachrichten 2018 – zum 40. Jahrestag des Schneesturms.

Das aktuelle Winterwetter soll schon bald wieder ein Ende haben: Für die ganze Woche ist Tauwetter angesagt. Und am Wochenende wird es sogar geradezu frühlingshaft: Der Deutsche Wetterdienst sagt für Selm 14 bis 15 Grad und viel Sonne voraus.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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