Traditionelle Fronleichnamsprozession verlässt erstmals Cappenberg

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2016 ging die katholische Kirchengemeinde zu Fronleichnam erstmals neue Wege: nicht mehr durch den Schlosspark, sondern durchs Dorf. Jetzt geht sie noch deutlich weiter.

Cappenberg

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum Feiertag Fronleichnam machen Katholiken allerorts Prozessionen. Die Gemeinde St. Johannes Evangelist ebenso. Sie hatte in der Vergangenheit ihren feierlichen Umzug zum Hochfest immer durch den idyllischen, für die Öffentlichkeit aber geschlossenen Wildpark des Grafen von Kanitz unternommen – bis 2016.

Von da an nahm die Prozession neue Wege, immer quer durch die bewohnte Ortslage – 1,5 Kilometer von Schloss und Stiftskirche entfernt: ein Traditionsbruch, der anfangs nicht allen gepasst hat, der aber der Veranstaltung deutlich mehr Teilnehmer beschert hat. In diesem Jahr geht der Pfarreirat erneut neue Wege – und die führen dieses Mal über die Selmer Stadtgrenze hinaus.

Start ist um 9.30 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus Langern

Am Donnerstag, 20. Juni, startet die Fronleichnamsprozession um 9.30 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus in Langern, Ecke Langerstraße/Osticker Berg. Das ist zwar schon eine Bauerschaft der Nachbarstadt Werne, aber zugleich Teil der Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist.

  • Das Fest hat wohl den merkwürdigsten Namen aller kirchlichen Festtage: Fronleichnam kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie „Fest des Leibes Christi“.
  • Gefeiert wird das Geheimnis des „heiligen Brotes“.
  • Nach der Prozession lädt die Gemeinde zu Bratwurst und Getränken am Dorfgemeinschaftshaus Langern ein

Fast auf den Tag genau vor 187 Jahren – genau am 14. Juni 1832 - wurde die „Pfarre zu Cappenberg“ errichtet vom bischöflichen Deputierten, dem Domherrn Reckfort. Ein Teil davon: die Bauerschaft Langern, die damals noch Ostick hieß.

Das waren damals „86 Seelen“, wie es in der Chronik der Stadt Werne von den Vikaren Overhage und Brüggemann nachzulesen ist: zehn Familien „mit allen Mietlingen und Dienstpersonal“.

Weite Wanderung war vor 187 Jahren vorbei

Statt weiterhin an Sonn- und Feiertagen eineinhalb Stunden zu Fuß zur Werner Kirche St. Christophorus gehen zu müssen und eineinhalb Stunden wieder zurück, brauchten sie nur noch 20 Minuten einzurechnen für den Fußmarsch zur Stiftskirche. Jetzt sind es nicht die Langerner, die sich auf den Weg machen, sondern ihre Cappenberger Mitchristen – und das längst nicht nur zu Fronleichnam.

Traditionelle Fronleichnamsprozession verlässt erstmals Cappenberg

Die Langerner Kapelle war zuletzt am Pfingstmontag Treffpunkt. Im Bild (v. l.) Königspaar Michael Gillmann und Karin Kreienbaum, Pater Gregor Pahl, Andrea Bispinghoff vom Kirchenvorstand und Egbert Ortmann, Schützenvorsitzender. © Sylvia vom Hofe

„Wenn die Stiftskirche 2020 wegen der Sanierungsarbeiten gesperrt sein wird, werden wir regelmäßig hier sein“, sagte Pater Gregor Pahl an Pfingstmontag nach der Festmesse in der kleinen, fast 700 Jahre alten Langerner Antonius-Kapelle. Zurzeit finden Gottesdienste meist nur an den zweiten Feiertagen in Langern statt: zu Ostermontag, Pfingstmontag und am zweiter Weihnachtstag. Es soll daher Cappenberger Kirchgänger geben, die noch nie in Langern waren, zu Fronleichnam sowieso nicht. Holger Langer vom Pfarreirat findet, dass es höchste Zeit ist für mehr Begegnung. Dafür gibt es wichtige Mitstreiter.

Schützen aus beiden Gemeindeteilen sind dabei

Beispielhaft seien das die Schützenvereine Cappenberg und Langern, die das Tragen des Baldachins übernehmen. Er hofft, dass zahlreiche andere Vereine und Gruppen mit Fahnen und Vereinskleidung teilnehmen. Mit dabei sind in jedem Fall die Kommunionkinder und die Mädchen und Jungen der Kita St. Johannes Cappenberg. Sie gestalten die Andacht an einem der beiden Altäre, an denen die Prozession auf ihrem Weg halt machen wird.

Die abgelegene Langerner Antonius-Kapelle liegt nicht auf dem Weg. Denn genauso wie schon 2016, als die Prozession den Schlosspark verließ, will die Gemeinde auch dieses Mal, „da sein, wo die Menschen leben“, so Langer.

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