Annegret Sengers Terminkalender im Friseur-Salon Creativ-Team Senger ist gut gefüllt. „Wir haben unsere Kunden und unsere Arbeit vermisst", sagt sie. © Arndt Brede
Friseure

Friseure in Selm haben wieder geöffnet: Freude, Schlangen und Tabubrüche

Der Montag ist für viele Friseure normalerweise der freie Tag. Doch am Montag, 1. März, gilt das nicht unbedingt. Es ist der Tag, an dem Friseure zurück aus dem Lockdown kommen dürfen.

Seit dem 1. März dürfen Friseurdienstleistungen wieder angeboten und in Anspruch genommen werden. In der aktuellen Coronaschutzverordnung NRW heißt es zur Begründung: „Vor dem Hintergrund der Bedeutung für die Körperhygiene sind gerade ältere Menschen auf diese Dienstleistungen nach so langer Zeit dringend angewiesen.“ Und so hatten auch die Selmer Friseure an diesem Montag nach wochenlanger Schließung gut zu tun. Aber es kamen beileibe nicht nur ältere Kunden.

Diesen Montag haben sich viele Menschen dick in ihrem Terminkalender angestrichen. „Friseurtermin“ dürfte das am meisten verwendete Stichwort in den persönlichen Kalendern sein. Und je nach Zustand der Frisur dürften auch zwischen einem und zehn Ausrufezeichen dahinter eingetragen sein. „Gott sei Dank ist wieder geöffnet“ sagte eine Frau, die im Sessel vor dem Spiegel im Salon „Creativ-Team Senger“ sitzt und sich von der Chefin, Annegret Senger, die Haare schneiden lässt. Mehrfach habe sie schon einen Termin gehabt, aber immer sei der Lockdown wieder verlängert worden. Jetzt sitzt sie an diesem Montag im Salon und ist sichtlich zufrieden. Jedenfalls drücken das ihre strahlenden Augen aus. Der Rest des Gesichts ist von einem Mund-Nase-Schutz bedeckt. Vorschrift.

Zukunftsangst

Das gilt auch für Annegret Senger. Seit 33 Jahren führt die den Salon an der Olfener Straße, den ihr Vater 1963 eröffnet hatte. Das, was sie in den letzten Wochen erlebt hat, ist in der Geschichte des Salons bisher noch nicht da gewesen: „Wir durften zehn Wochen lang nichts tun“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Was macht das mit einer Frau, die seit Jahrzehnten in diesem Beruf arbeitet? „Angst“, ist die Antwort. „Zukunftsangst. Man denkt doch schon drüber nach, was wird.“ Auch ihre Mitarbeiterinnen bestätigen das. „Wir haben unsere Kundschaft, unsere Arbeit vermisst. Das hat echt gefehlt.“ „Pause ist schön, aber Zwangspause geht gar nicht.“

Und jetzt, nachdem der Salon wieder geöffnet hat? „Wir freuen uns, die Kunden wiederzusehen“, sagt Annegret Senger. Das beruht auf Gegenseitigkeit. „Die Freude bei mir war sehr groß“, sagt die ältere Frau, der Annegret Senger die Haare schneidet.

Das Telefon hat in der letzten Zeit sehr häufig geklingelt, seit in den Medien berichtet worden sei, dass Friseure ab dem 1. März wieder öffnen dürfen, berichtet Annegret Senger. „Der Terminplan für diese Woche ist gut voll.“ Und die Öffnungszeiten habe der Salon auch verlängert. „Heute zum Beispiel bis 20 Uhr. Wir haben viel nachzuholen.“ Deshalb habe der Salon, der montags eigentlich geschlossen ist, geöffnet.

Hier und da Schlangen

Und nicht nur der. Vor den Friseursalons in Selm hier und da ein Bild, das es so lange nicht mehr gab: Angestellte, die in ihrer Pause eine Kaffee vor der Tür trinken. Ein Bild, das man normalerweise nicht so häufig sieht, ist, dass sich Schlangen vor den Salons bilden. Abstandsregeln gebieten es, dass die Friseurgeschäfte nicht so voll sind. Und so stehen Kunden vor dem einen oder anderen Geschäft und nehmen in Kauf, dass sie an diesem kalten Montagvormittag frieren.

Marc Schönfleisch war seit Oktober nicht mehr beim Friseur. Jetzt darf er wieder. Da nimmt er Wartezeit vor dem Geschäft in der Kälte gern in Kauf.
Marc Schönfleisch war seit Oktober nicht mehr beim Friseur. Jetzt darf er wieder. Da nimmt er Wartezeit vor dem Geschäft in der Kälte gern in Kauf. © Arndt Brede © Arndt Brede

So wie Marc Schönfleisch. Er steht gemeinsam mit anderen Männern vor dem Geschäft Hairstyle Istanbul. „Ich war seit Oktober nicht mehr beim Friseur“, erzählt er. Hat er sich anders beholfen? „Nein, ich habe einfach wachsen lassen.“ Jetzt wartet er geduldig, bis er dran ist. Auch er sei froh, dass er sich jetzt die Haare schneiden lassen könne. Aber wie lange das nun wieder möglich sei, da zuckt er mit den Schultern. Man wisse es ja angesichts steigender Infektionszahlen nicht, wie es sich entwickelt. Deshalb lasse er sich die Haare auf eine Länge von zwölf bis 15 Millimeter schneiden. „Ich lasse mir die Haare extra etwas kürzer als sonst schneiden, damit es eine Weile hält, falls die Friseure wieder zu machen.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Ich finde meine Themen auf der Straße und bin deshalb gerne unterwegs.
Zur Autorenseite
Arndt Brede

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.