Freie Fahrt für Radler: Die erste Selmer Fahrradstraße ist in Bork eröffnet worden

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Auf der Waltroper Straße dürfen Radfahrer jetzt nebeneinander fahren. Sie bestimmen das Tempo, Autofahrer müssen Rücksicht nehmen. Und beim Abbiegen auf die Hauptstraße besonders aufpassen.

Bork

, 26.04.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen der Einmündung Rauher Busch und der Hauptstraße verläuft ab sofort offiziell Selms erste Fahrradstraße. Nicht nur Verkehrsschilder markieren Beginn und Ende der Strecke; auch rote Fahrbahnmarkierungen sind aufgebracht worden. Bürgermeister Mario Löhr steigt an diesem Freitagvormittag selbst auf die Leiter, um das Straßenschild offiziell freizugeben.

Freie Fahrt für Radler: Die erste Selmer Fahrradstraße ist in Bork eröffnet worden

Bürgermeister Mario Löhr eröffnet offiziell die Fahrradstraße. © Martina Niehaus

„Ich freue mich, dass wir erstmalig eine Fahrradstraße haben. Man kann es glauben oder nicht“, sagt Löhr. Auch Vertreter der Interessengemeinschaft Borker Bürger (IGBB) sind bei der Eröffnung dabei; sie hatten sich an der Planung und Umsetzung beteiligt. „Auf einem Infoabend hatte uns Christian Jänsch vom Selmer ADFC das Konzept einer Fahrradstraße vorgestellt“, erinnert sich zum Beispiel Gregor Franzen an die Anfänge. „Damals haben wir klipp und klar gesagt, dass wir das auch gerne wollen und dass die Stadtverwaltung da unsere Unterstützung hat.“

Radfahrer haben nicht immer Vorfahrt, aber Vorrang

Julia Schmidt, die bei der Stadt für den Bereich Umwelt und Mobilität zuständig ist, erklärt vor Ort die wichtigsten Regeln einer Fahrradstraße: „Grundsätzlich bleiben Verkehrsregeln wie die Vorfahrtsregelung bestehen. Aber die Waltroper Straße ist ja sowieso eine Vorfahrtsstraße, also haben die Radfahrer hier auch Vorfahrt“, sagt Schmidt. „Radfahrer dürfen hier nebeneinander fahren, und als Autofahrer darf man sie nur überholen, wenn ein ausreichender Sicherheitsabstand von 1,50 Metern gewährleistet ist. Sie haben hier Vorrang.“

Bei der Planung habe es kurzfristig auch Überlegungen gegeben, die Zonen für parkende Autos zu entfernen. „Aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Verkehrssituation mit 4,50 Metern Straßenbreite auch so einen ausreichenden Abstand hergibt“, erklärt Schmidt.

Anliegerstraße hätte man „nicht kontrollieren können“

„Die Straße führt genau an der Grundschule vorbei. Gerade für junge Leute, die das Radfahren lernen, ist das eine gute Sache“, freut sich auch Manfred Redder von der IGBB. Gerhard Werminghaus schließt sich an: „Ich freue mich über die Umsetzung. Hier ist ein Paradigmenwechsel geschehen: Die Straße hat nach wie vor Wichtigkeit für die Erschließung durch den Autoverkehr, aber die Autos haben keinen Vorrang mehr.“

Hätte man dann nicht die Waltroper Straße gleich zur Anliegerstraße erklären können, damit weniger Autofahrer die Fahrradstraße benutzen? Hauptkommissar Heinz-Willi Quante sagt dazu: „Eine reine Anliegerstraße macht keinen Sinn, das hätten wir niemals so kontrollieren können. Die meisten wären trotzdem weiter hier durchgefahren. Aber alles, was so eine Straße beruhigt, ist grundsätzlich gut“, erklärt er mit Blick auf die knallroten Fahrbahnmarkierungen.

Rund 20.000 Euro, sagt Thomas Wirth von der Stadtverwaltung, habe die Beschilderung und Markierung der Fahrradstraße gekostet. „Das ist hier erstmal ein Pilotprojekt. Wenn sich das gut entwickelt, haben wir noch weitere Straßen für mögliche Fahrradstraßen im Blick“, sagt Mario Löhr. In Betracht kämen dafür die Bahnhofstraße in Bork sowie der Sandforter Weg in Selm. Dort seien jetzt übrigens die Baken entfernt worden, sodass man die Radwege wieder ungehindert nutzen könne.

Vorfahrtsänderung: Die abknickende Vorfahrt ist Geschichte

Eine weitere Änderung, die vor allem für Autofahrer wichtig ist, hat sich an der ehemaligen abknickenden Vorfahrt von der Waltroper Straße auf die Hauptstraße ergeben. Dort hat jetzt der Verkehr auf der Hauptstraße Vorfahrt; wer von der Waltroper Straße kommt, muss an einem Stoppschild halten und die Vorfahrt achten.

Freie Fahrt für Radler: Die erste Selmer Fahrradstraße ist in Bork eröffnet worden

Achtung, alles ist anders: Die abknickende Vorfahrt existiert nicht mehr. © Martina Niehaus

„Ich musste hier heute morgen selber erstmal in die Bremsen steigen“, gibt Mario Löhr zu und lacht. Denn gerade für Ortskundige ist eine geänderte Vorfahrt eine besondere Herausforderung. Immer wieder sieht und hört man an diesem Vormittag plötzliche Bremsmanöver und ungeduldiges Hupen.

Polizist Heinz-Willi Quante sagt dazu: „Für Fremde ist das alles kein Problem, die achten ja auf die Schilder. Aber wer hier 40 Jahre anders gefahren ist, muss jetzt aufpassen.“

Die Beschilderung, die auf die geänderte Vorfahrt hinweist, ist jedenfalls klar erkennbar; und in dem Bereich zwischen der Kreuzung Kreisstraße bis zur Einmündung Rauher Busch gilt auf der gesamten Hauptstraße ab sofort Tempo 20. „Bei dem Tempo darf es eigentlich keine Zusammenstöße geben“, sagt Quante.

Freie Fahrt für Radler: Die erste Selmer Fahrradstraße ist in Bork eröffnet worden

Die abknickende Vorfahrt ist nach 40 Jahren Geschichte. Jetzt haben die Autofahrer auf der Hauptstraße Vorfahrt. © Martina Niehaus

Warum hat sich hier die Vorfahrt überhaupt geändert? Das habe, erklärt Julia Schmidt, mit einer gewünschten Verkehrsberuhigung zu tun. Denn das gerade im Bau befindliche Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße hat eine Einfahrt, die auf die Hauptstraße hinausführt. An dieser Stelle soll der Verkehr grundsätzlich langsamer fließen. „Früher sind die Autofahrer auf der Vorfahrtsstraße oft sehr schnell um die Ecke gebogen; jetzt müssen sie erst stoppen und dann abbiegen“, sagt Schmidt.

Was ist eine Fahrradstraße?
  • Eine Fahrradstraße ist eine für den Radverkehr vorbehaltene Straße, die die Funktion eines Radweges erhält. Der Radverkehr hat demnach Vorrang und bestimmt die Fahrgeschwindigkeit. Nebeneinanderfahren wird ausdrücklich erlaubt.
  • Kraftfahrzeuge dürfen die Straße nur dann weiterhin befahren, wenn dies ausdrücklich durch Zusatzzeichen erlaubt ist. Auf der Waltroper Straße ist das der Fall.
  • Für alle Verkehrsteilnehmer gilt die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern.
  • Kraftfahrzeuge dürfen Radfahrende nur überholen, wenn ein Sicherheitsabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann. Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden.
  • Die bestehenden Vorfahrtsregeln bleiben erhalten.
  • Gehwege sind den Fußgängern vorbehalten. Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen und Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen jedoch weiterhin die Gehwege mit Fahrrädern benutzen.
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