Flugzeugabsturz über Bork: Das Wrack trifft ein Auto. Das war nur ein Szenario, mit dem sich der Löschzug II Bork und Hassel bei seiner großen Herbstübung befasste. © Stephanie Tatenhorst
Freiwillige Feuerwehr Selm

Flugzeugabsturz über Bork: Feuerwehr übt für den Ernstfall

Ein Flugzeug stürzt ab, Trümmerteile lösen Brände in Wohnungen aus, der Rumpf trifft ein Auto, Verletzte überall: Menschenrettung hat bei der Übung der Feuerwehr Bork oberstes Gebot.

Kurz ist es mucksmäuschen still, als Martin Bramkamp, Brandinspektor beim Löschzug II Bork der Freiwilligen Feuerwehr Selm, seinen Kameraden schildert, was sie gleich vorfinden werden. Dann das Aufatmen. Es ist zum Glück nur eine Übung. Im Ernstfall wäre es ein Großeinsatz sondergleichen. Doch auch bei der Übung warten etliche Herausforderungen auf die Kameraden.

Antreten zur Übung am Feuerwehrhaus in Bork. Da erfuhren die Feuerwehrleute, was sie auf dem Gelände des LAFP erwarten würde. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Das Szenario: Ein Kleinflugzeug ist über Bork abgestürzt. Beim Absturz trafen Trümmerteile, vor allem der Motor und die Flügel, eine zur Wohnanlage ausgebaute Industriehalle. In deren Inneren befanden sich mehrere Menschen. Ihre Zahl: unbekannt. Die Art ihrer Verletzungen: ebenfalls unbekannt. Doch sicher ist: In der Wohnanlage gibt es mehrere Brände. Der giftige Rauch zieht in einen Großteil der Wohnungen. Eile ist geboten.

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Szenario Flugzeugabsturz: Spannende Übung des Feuerwehrlöschzugs II Selm und Hassel

Feuerwehrmitglieder machen Kameraden die Arbeit nicht leicht

Doch das ist längst nicht alles: Beim Aufschlag hat der Rumpf ein Auto getroffen, in dem eine Frau mit ihren Kindern unterwegs war. Die Fahrerin ist eingeklemmt, die Kinder auf der Rückbank rufen laut um Hilfe. Die Mitglieder aus Ehrenabteilung, Jugendfeuerwehr und die Feuerwehrfamilie im Fahrzeug geben schauspielerisch ihr Bestes, um die Szenerie noch dramatischer zu gestalten.

Die Einsatzleitung unterstellt, dass Rettungskräfte und Sicherheitsreserven durch fiktiv berei stehende Einheiten gestellt werden. Die rund 60 Übungsteilnehmer vom Löschzug II Bork und Hassel können sich somit direkt der Abarbeitung der Einsatzlage widmen.

Zwei Abschnitte werden gebildet: Die einen kümmern sich um die Wohnanlage, die anderen um Flugzeug und Fahrzeug. Die Unglücksstelle muss vor einem Abrutschen gesichert werden, das Gepäck wird aus der Cessna entladen, um sich Zugang zum Kabinenraum verschaffen zu können. Wie viele Personen neben dem Piloten im Flugzeug waren, ist unbekannt. Die Möglichkeit, das Wrack einer echten Cessna nutzen zu können, ist bei der Übung ein echtes Pfund.

Es war ein Trümmerfeld, das das Szenario für die Feuerwehrleute bereit hielt. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Das geliehene Objekt wird sonst aber geschont. Vom Auto hingegen bleibt am Ende nicht viel übrig. Mit Schere, Spreizer und anderem technischen Gerät, das auf einer Matte stets griffparat liegt, wird eine patientenschonende Rettung durch die Heckklappe des Autos vorbereitet. Doch zunächst müssen die Kinder von der Rückbank geholt, betreut und – wie im Ernstfall – beruhigt werden. Tatsächlich aber verfolgt der Feuerwehr-Nachwuchs das Geschehen total gelassen und lediglich neugierig, von Angst keine Spur.

„Patientenbetreuung“ auf dem Vorplatz: Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr hatten großen Spaß daran, bei der Übung als Statisten mitzuwirken. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Nichtsdestotrotz agieren die Einsatzkräfte, wie es sein sollte. Und so wird auch die Fahrerin des Fahrzeugs nicht allein gelassen. Eine knappe Stunde dauert es, bis sie über das Spine-Board aus dem Fahrzeug geholt wird. Zunächst wird die Heckklappe entfernt, dann Rückbank und Rückenlehne. Mit dem Kunststoffbrett kann die Fahrerin schließlich rückwärts hinausgetragen werden.

Während der gesamten Rettungsmaßnahmen kümmerten sich die Feuerwehrleute um die vermeintlich eingeklemmte Frau und erklärten ihr jeden Schritt der Arbeiten, die gerade ausgeführt wurden. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Seltsames Gefühl für die „Geretteten“

Das sei schon ein seltsames Gefühl gewesen, gibt Ina Haschke später zu. „Aber ich hatte die ganze Zeit nette Männer an meiner Seite, die mir jeden Schritt genau erklärt haben und so wusste ich immer, was um mich herum passiert.“ Dennoch sei es eine gefühlte Ewigkeit gewesen, die sie in dem Fahrzeug gesessen habe. „Man hat zwischendurch auch das Gefühl, dass gerade gar nichts passiert“, schildert sie. Dabei weiß sie als aktive Feuerwehrfrau nur zu gut, wie die Abläufe in solch einem Ernstfall sind.

Verletztenrettung aus dem brennenden Gebäude: Sich dicht am Boden haltend holten die Feuerwehrleute einen Mann aus dem Gebäude, bei dem es zu einem Oberschenkelbruch gekommen sein sollte. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Dramatik bei der Wohnanlage

Dramatisch ist es da währenddessen an der anderen Einsatzstelle: Ein Passant, gespielt von Theo Wallmeyer, will in die brennende Halle stürmen. „Mein Enkel ist da drin, mein Enkel ist da drin“, schreit er – und versucht sich immer wieder aus den Griffen der Feuerwehrleute zu befreien, die ihn zurückhalten. Gründlich wird die Halle abgesucht, unter Atemschutz schauen die Feuerwehrleute hinter jede Tür und beleuchten jeden Winkel.

Verletzte mit Knochenbrüchen werden gefunden und müssen über Tragen aus der Halle gebracht werden. Nicht nur die Türschwellen sind da ein Hindernis, auch Gitter im Boden müssen umkurvt werden. Und all das auf allen vieren, wie das Vorgehen in dichtem, giftigem Rauch üblich wäre.

Schließlich war es vollbracht: Über die Heckklappe konnte die Fahrerin des Fahrzeugs gerettet werden. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Am Ende sind auch hier alle gerettet – und Martin Bramkamp ist zufrieden mit dem Verlauf der Übung. Sein Fazit: „Wir hatten durch die Herbstferien etwas weniger Personal als bei der Anlage der Übung erwartet, das war eine Herausforderung für die verbleibenden Kräfte. Aber alles wurde gut abgewickelt.“

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