„Ich bin ja nicht Greta“: Vier Selmer verraten, warum sie auf das Böllern nicht verzichten

dzSilvester in Selm

Wie überall in Deutschland ging auch in Selm am Samstag der Verkauf von Feuerwerkskörpern los. Vier Selmer haben uns erzählt, wieso ihnen Böllern wichtig ist - trotz der Umweltdiskussionen.

Selm

, 30.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Frage, ob ja oder nein zum Feuerwerk, ist keine neue. In Zeiten von Fridays for Future wird sie aber besonders kontrovers diskutiert. Die Einen sagen, Böllern sei zu teuer, zu laut für Mensch und Tier und schade nur der Umwelt. Die Anderen sagen, es gehöre zur Tradition und mache Spaß.

Manche Einzelhändler, zum Beispiel in Dortmund oder Lünen, haben sich beispielsweise entschieden, in diesem Jahr auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern ganz zu verzichten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), forderte sogar, dass in bundesweit 98 mit Feinstaub besonders belasteten Städten nicht mehr geknallt werden dürfe, stieß jedoch auf Ablehnung bei den Kommunen.

In Selm waren die Feuerwekskörper zum Verkaufsstart am Samstag, 28. Dezmber, an den bekannten Stellen zu haben. Verbotszonen gibt es hier nicht. Böllern die Selmer gerne? Und wenn ja, warum? Wir haben uns zum Verkaufsstart vor dem Lidl in Bork umgehört.

Silvester nur einmal im Jahr

„Silvester ist nur ein Tag im Jahr“, sagt zum Beispiel Tobias Hardrer. Sich über Verbote für Feuerwerkskörper so ausgiebig zu streiten, sei seiner Meinung nach Zeitverschwendung. Die Politik solle sich eher mit erneuerbaren Energien beschäftigen, als über Feuerwerksverbote zu diskutieren, findet er. Für ihn sei es ein schöner Zeitvertreib und es gehöhre einfach zur Tradition dazu.

Wenn es ein generelles Böllerverbot gebe, würde er sich auch daran halten: „Wenn die Stadt das verbieten würde, würde ich mir auch keine Raketen mehr kaufen. Aber die Entscheidung wäre schon sehr schade“, sagt Hardrer.

Der 25-Jährige gibt von Jahr zu Jahr mehr Geld für Feuerwerkskörper aus. In diesem Jahr sind es 50 Euro. Das ist übrigens auch der durchschnittliche Wert, den die Deutschen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YoGov in diesem Jahr für ihr Feuerwerk ausgeben wollen. Insgesamt rechnet der Verband der pyrotechnischen Industrie für den Jahreswechsel 2019/20 mit einem Umsatz von 133 Millionen Euro. Das ist - den Diskssionen zum Trotz - ungefähr so viel wie im Vorjahr.

„Ich bin ja nicht Greta“: Vier Selmer verraten, warum sie auf das Böllern nicht verzichten

Tobias Hardrer kaufte dieses Jahr Feuerwerkskörper im Wert von etwa 50 Euro. © Thorsten Faust

Viel Feinstaub in einer Nacht

Auch Manuel Kringer macht sich über den Umweltaspekt der Böllerei Gedanken, der 33-Jährige bezweifelt jedoch die Wirksamkeit eines Verbots. Er findet, die Städte müssten sich da schon etwas anderes einfallen lassen. Laut Umweltbundesamt werden durch das Abbrennen von Feuerwerk jährlich 4200 Tonnen Feinstaub freigesetzt, größtenteils in der Silvesternacht. Das sind 15,5 Prozent von dem, was der Straßenverkehr im Jahr an Feinstaub freisetzt.

Manuel Kringer guckt sich das Feuerwerk jedes Jahr trotzdem sehr gerne an, sagt er. Er selbst kaufe jedes Jahr dasselbe, weil es seine Kinder glücklich mache: „Für meine Kinder ist das schon was schönes“, sagt Kringer.

Der Hund hat keine Angst

Becca Bianca kaufte wie jedes Jahr für etwa 30 Euro Feuerwerkskörper. Umweltthemen seien für sie eher Nebensache. „Ich bin ja nicht Greta Thunberg. Mir ist das relativ egal. Ich rauche zwar nicht, aber fahre dafür Auto. Das ist schon in Ordnung so“, sagt die 36-Jährige.

Die Debatten über das wohl der Haustiere versteht sie nicht: „Mein Hund hat da keine Angst vor, dem geht es gut. Deswegen können wir an Silvester knallern“, so Bianca.

Der Sohn von Xingliang Zhu freut sich am meisten über das gekaufte Feuerwerk. Am besten gefielen seinem Sohn Liou die Raketen, sagt Zhu. Auch er kaufe die gleiche Menge wie jedes Jahr. Bei der Knallerei dieses Jahr stehen also vor allem die Kinder und der Spaß im Fokus.

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