Mit den besten Freunden unterwegs sein, Gemeinschaft erleben, Partys feiern, Spaß haben. Ferienfreizeiten sind für Kinder und Jugendliche ganz besondere Zeiten - aber nicht in diesem Jahr.

Selm

, 10.06.2020, 13:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viele Wochen kein Schulbesuch, über Monate kein Vereinssport, keine Treffen im Jugendzentrum, kein fester Tagesrhythmus - und in wenigen Wochen beginnen die Sommerferien, die ganz anders als geplant verlaufen werden. Kinder und Jugendliche in Selm werden in Coronazeiten auf eine harte Probe gestellt. Die Eltern haben das nächste (Betreuungs-)Problem.

Die Schreiben unterscheiden sich nur in Facetten: Die örtlich bekannten ehrenamtlichen Organisatoren von Ferienfreizeiten sind mindestens so traurig und enttäuscht wie die potenziellen Teilnehmer, dass die Gruppenreisen in diesem Sommer ausfallen (müssen).

„Liebe Pfadfinder des Stammes Selm, leider müssen wir euch mitteilen, dass unser geplantes Sommerlager vom 27. Juni bis 17. Juli nicht stattfinden kann. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, mussten aber feststellen, dass eine Durchführung aufgrund des Corona-Virus in diesem Jahr nicht möglich ist“, schreibt die Leiterrunde auf Facebook.

Pfadfinder wollten spannende Tage in Bayern erleben

Die Weichen waren gestellt. Mit Pegnitz in Bayern hatten sich die Pfadfinder ein spannendes Ziel ausgesucht. Der Ort ist Teil eines einzigartigen Naturparks. Die Landschaft mit ihren Felsformationen, Flusstälern und Tropfsteinhöhlen bietet eine außergewöhnliche Flora und Fauna. Sie gilt zudem als Paradies für Wanderer, Kletterer, Radler oder Kanuten. „Wir selbst sind alles andere als glücklich über diese Maßnahme, halten Sie jedoch trotzdem für richtig und angemessen“, schreiben die Pfadfinder.

Sie kündigen zudem an, den Rhythmus zu ändern. Statt erst in zwei Jahren wieder gemeinsam auf Reise zu gehen, planen die Selmer Pfadfinder ein Sommerlager in den ersten drei Sommerferienwochen in 2021. Nicht die einzige Absage der Pfadfinder. Auch das für dieses Jahr geplante Bezirkslager findet nicht statt, es soll jetzt vom 3. bis 6. Juni 2021 (Fronleichnam) stattfinden.

Kirchengmeinden hatten verschiedenste Ferienfreizeiten geplant

Ähnlich die Situation bei den Kirchengemeinden in Selm: Die Pfarrgemeinde St. Ludger hatte wieder verschiedene Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche geplant. Vom 25. Juli bis 9. August sollte es wie seit vielen Jahren wieder nach Aurigeno gehen. Angeboten war die Fahrt für Kinder von 9 bis 15 Jahren.

Die gleiche Altersgruppe war angesprochen für das Sommerlager von St. Josef auf Ameland. Hier sollte die zweiwöchige Reise am 11. Juli starten. St. Stephanus hatte sich erneut für ein Sommerlager im Juli/August in Erlach entschieden. Doch mittlerweile sind alle Lager abgesagt. Ebenso die Stadtranderholung.

Leicht ist das den Verantwortlichen nicht gefallen. Stephan Schröer sagt dazu: „Nach dem Gesetz wären Freizeiten wieder möglich - allerdings nur in Kleingruppen.“ Aus seiner Sicht sei das aber keine richtige Ferienfreizeit. Ein wesentliches Merkmal dieser Freizeiten sei halt die große Gemeinschaft.

Leiterrunde trifft wichtigen Beschluss für das Jahr 2021

Schröer ist sich dabei bewusst, dass das für die Eltern keine leichte Situation ist. „Viele arbeiten, wenn die Kinder mit der Freizeit unterwegs sind, um dann davor oder danach als Familie Urlaub zu machen.“ Jetzt müssen einmal mehr viele Eltern in Selm umplanen, denn Jahr für Jahr nehmen rund 200 Kinder und Jugendliche an den Ferienfreizeiten und weitere 200 Mädchen und Jungen an den Stadtranderholungen teil.

Zumindest für die Kinder und Jungendlichen hat er eine gute Nachricht. Nach einem Leitertreffen am Montagabend (8. Juni) steht fest, dass „alle für die diesjährigen Freizeiten und Stadtranderholung angemeldeten Teilnehmer in 2021 mitfahren können - auch wenn sie eigentlich die Altersgrenze überschritten haben.“ Mit diesem Beschluss hoffen die Verantwortlichen die Enttäuschung der Teilnehmer etwas mildern zu können.

Die ersten Verträge für das Jahr 2021 sind bereits unterschrieben

Wie wichtig den Organisatoren die Fortführung der Ferienfreizeiten ist, zeigt auch ein anderer Punkt. „Wir haben die ersten Hausmieten für 2021 bereits unterschrieben“, sagt Schröer. Zu den Zielen werden dann natürlich auch wieder Aurigeno und Ameland gehören.

Nähere Details zu den in 2021 geplanten Freizeiten wird es bei Info-Abenden im (Spät-)Herbst geben. „Dann sind auch direkt Anmeldungen für die Freizeiten im Sommer 2021 möglich“, sagt Schröer. Wie bei der katholischen Kirchengemeinde hat sich auch die evangelische Kirchengemeinde mit dem Thema beschäftigt. Und die Entscheidung ist - wenig überraschend - ähnlich ausgefallen.

Für Kinderfreizeit auf einem Ponyhof gab es bereits eine Warteliste

Schnell ausgebucht war dabei eine Kinderfreizeit auf dem Ponyhof Hilbeck bei Werl für Kinder von 8 bis 12 Jahren, die die evangelische Kirchengemeinde vom 27. Juni bis 3. Juli geplant hatte. „Wir hatten sogar schon eine Warteliste“, sagt Pfarrerin Antje Wischmeyer. Aus ihrer Sicht ist es für „Kinder und Jugendliche eine ganz schwierige Zeit“. Dazu gehöre auch, dass die Sommerferien „nicht so werden wie erträumt.“

Aber die Gemeinde sehe keine Alternative zur Absage. „Wir Kirchengemeinden schützen das Leben und sind deshalb ganz besonders vorsichtig.“ Mit der Folge, dass auch die von der evangelischen Kirchengemeinde geplante Spanien-Freizeit in Katalonien für Jugendliche von 13 bis 16 Jahren abgesagt wurde. „Wir hoffen auf unbeschwerte Reisen in 2021“, sagt Pfarrerin Antje Wischmeyer.

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