Das Architekturbüro Danne.Linnemannstöns aus Münster hat den Bau in Bork entworfen. So ungefähr soll er sich in den Ort einfügen. © Grafik: Danne.Linnemannstöns
Altenwohnhaus

„Fassungslos“: Neubau-Pläne der Caritas kommen nicht gut an in Bork

Die Caritas will in Bork auf dem Marktplatz bauen: ein Altenwohnheim mit 52 stationären Plätzen. Die Pläne wurden jetzt den Bürgern vorstellt - und stießen nicht auf Begeisterung.

Die Stimmung war hitzig am Mittwochabend (10. Juni) im Bürgerhaus. Und das hatte eher weniger mit den sommerlichen Temperaturen zu tun. Thema der Bürger-Infoveranstaltung waren die Pläne für den Neubau eines Altenwohnhauses der Caritas auf dem ehemaligen Marktplatz in Bork. „Ich bin fassungslos“, kommentierte eine Anwohnerin. „Schlechter Scherz“, „unpassend“, „abgeriegelt“, „bombastisch“, „Klotz“: Das waren andere Worte, die die Bürger für das geplante Gebäude fanden.

Auf der Fläche im Ortskern von Bork plant die Caritas ein Altenwohnhaus mit 52 Pflegeplätzen und einer Kurzzeitpflege mit zehn solitären Plätzen und 14 altengerechte Wohnungen. Ursprünglich waren vor Ort nur 39 stationäre Pflegeplätze, dafür aber noch Wohngruppen und eine Tagespflege geplant gewesen. Dass die Caritas etwas anders bauen möchte, als nach dem Verkauf 2016 ursprünglich geplant, hatte der Rat der Stadt Selm schon im Mai erfahren. Die eindringliche Bitte der Politik war damals gewesen: Bitte stellen Sie das auch der Borker Bürgerschaft vor. Man ahnte wohl, dass es nicht nur Zustimmung für den geplanten Bau geben würde.

Rund 30 Besucher kamen dann am Mittwoch zu der Info-Veranstaltung – darunter auch viele, die aus der Lokalpolitik bekannt sind. Vor allem direkte oder indirekte Anwohner des ehemaligen Marktplatzes aber trugen an dem Abend ihre Bedenken vor. Die Stelle sei unpassend für so einen großen Baukörper, sagte eine Borkerin. „Bork und die Lage drumherum ist eher kleinteilig. Dieser Block hat aber eher städtischen Charakter.“ Dass die Caritas größer baut als ursprünglich geplant und die Grenzen des Grundstückes voll ausnutzt, kam auch nicht so gut an. Dabei ging es den meisten Anwohnerinnen und Anwohnern weniger um das Vorhaben, einen Ort für alte Menschen zu schaffen. Sondern mehr um den gewählten Standort.

In Zukunft noch weniger öffentliche Parkplätze

„Denken Sie doch mal an die Menschen, die dort bereits wohnen“, sagte eine Borkerin. Problematisch sei der Standort aus mehreren Gründen: Durch das Haus würde noch mehr los sein im Ortskern. Und: Die Parkplätze würden zum Problem werden. Bislang gibt es etwa 30 öffentlich nutzbare Parkplätze am alten Marktplatz. Nach Realisierung des Baus der Caritas werden zwar auch noch Parkplätze da sein – 26 sind geplant. 16 sollen dann aber auch für die Caritas sein und nur noch zehn öffentlich nutzbar. Das wird die sowieso schon angespannte Situation im Ortskern natürlich nicht entspannen, fürchten die Anwohner.

Warum man überhaupt auf die Idee gekommen sei, den Marktplatz zu verkaufen, fragte so eine Anwohnerin den Bürgermeister. In Bork gebe es doch eindeutig Bedarf für einen solchen Platz, an dem Begegnungen möglich sind. An dem Kinder spielen können oder man vielleicht auch mal schön einen Kaffee trinken kann.

Gleich mehrere Anwohner und auch Ratsmitglied Hubert Seier, der für die UWG von Anfang an gegen das Projekt gewesen war, schlugen vor, das Projekt doch einfach an anderer Stelle zu realisieren. Sie brachten dabei das entstehende Neubaugebiet am Lidl in Bork ins Spiel.

Eine „Alternative, aber keine Lösung“, nannte Bürgermeister Thomas Orlowski diesen Vorschlag. Auch der Selmer Baudezernent Stephan Schwager sah sich angesichts der Diskussion noch mal berufen, die rechtliche Lage darzustellen. „Die Caritas ist Eigentümerin dieses Grundstückes. Punkt. Die Änderung des Bebauungsplanes ist politisch beschlossen worden. Punkt. Der Eigentümer erstellt ein Bebauungskonzept und wenn das den Vorschriften des Bebauungsplanes entspricht, dann hat er auch Baurecht“, sagte er.

Eine Fläche am Lidl, so Orlowski, müsste die Caritas erst erwerben – und da dort schon der Großteil der Flächen vergeben wäre, wäre da nicht so ganz einfach.

Sätze wie „Das ist doch alles schon beschlossen“ von Bürgermeister Thomas Orlowski trugen dann auch nicht dazu bei, die anwesenden Bürgerinnen und Bürger zu besänftigen. Eine Info-Veranstaltung zu einem früheren Zeitpunkt sei aufgrund der Pandemie nicht möglich gewesen – das hatte Orlowski schon im Mai gesagt. Die Veranstaltung am Mittwoch war zudem recht kurzfristig nur zwei Tage vorher angekündigt worden war. Auch das habe mit der Coronakrise zusammengehangen: Man habe erst wissen müssen, ob die Inzidenz eine Veranstaltung mit 50 Besuchern erlaube, hatte der Bürgermeister am Dienstag in einem Ausschuss erklärt.

Werden die Pläne noch mal geändert?

Die Frage, ob denn jetzt tatsächlich alles schon so entschieden ist und der sprichwörtliche Drops gelutscht ist, stand ziemlich deutlich im Raum. Zumindest bei der Standortfrage scheint das so zu sein: Zumindest signalisierte Bürgermeister Thomas Orlowski nichts anderes. Aber: Für die Gestaltung des Gebäudes und vor allem des Platzes davor nahm die Caritas für die weitere Planung etwas von der Veranstaltung mit. So zumindest drückte es Caritas-Vorstand Hans-Peter Benstein aus.

Die circa 250 bis 300 Quadratmeter große Fläche, die dem Gebäude vorgelagert ist und die ein öffentlich nutzbarer Raum sein soll, soll noch mal etwas überarbeitet und einladender gestaltet werden. Einen Spielplatz oder ein Restaurant wird die Caritas dort aber in keinen Fall planen. „Das ist nicht das Thema, um das wir uns dort kümmern wollen“, sagte Benstein deutlich. Ziel sei es für seinen Verband, einen Ort zu schaffen, an dem alte Menschen gut leben können. Und das in unmittelbarer Nähe zur Kirche, zur Apotheke und zum Arzt.

„Die Anwohner wurden komplett vergessen“

„Lassen Sie uns doch auch mal an diese Menschen denken“, sagte auch Thomas Orlowski – und erinnerte daran, dass gerade diese alten Menschen nun mal nicht unbedingt in der Lage seien, auf eine Bürgerveranstaltung zu kommen und entsprechend auch am Mittwoch nicht mitdiskutierten. Der Neubau sei für sie etwas Gutes – gerade mitten im Ortskern.

Die Weiterentwicklung der Pläne wird im September noch mal im Ausschuss für Stadtentwicklung vorgestellt, im Oktober plant die Caritas, den Bauantrag zu stellen. Der Bürgermeister rief die Bürger und Bürgerinnen auf, an der öffentlichen Ausschusssitzung teilzunehmen. An der Kritik vieler Borker, dass es keine Beteiligung der Bevölkerung an diesem Projekt gegeben habe, änderte das nicht wirklich etwas. Eine Besucherin sagte: „Die Anwohner wurden komplett vergessen.“

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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