Die Notunterkunft in Bork sollte 2015 bis zu 1000 Flüchtlinge aufnehmen. Der damalige Leiter steht im Verdacht, ein Betrüger zu sein. © Weckenbrock (A)
Gefälschte Urkunde

Falscher Arzt aus Hagener Impfzentrum war Leiter der Notunterkunft in Bork

Als das Deutsche Rote Kreuz im Jahr 2015 die Flüchtlingsunterkunft in Bork in Betrieb nahm, stellte man auch einen neuen Leiter vor. Der wurde nun an anderer Stelle als Betrüger entlarvt.

Im Sommer 2015 rollte die Flüchtlingswelle auf Deutschland zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach ihren berühmten Satz „Wir schaffen das“ – und in vielen Orten entstanden Notunterkünfte, so auch in Bork. 1000 Menschen sollten in der Zeltstadt untergebracht und dann auf andere Unterkünfte weiterverteilt werden.

Betreiber der Notunterkunft war das Deutsche Rote Kreuz Westfalen-Lippe, das Ende August 2015 auch den neuen Leiter vorstellte, einen 27 Jahre alten Dortmunder.

Er kam mit der Empfehlung aus einem Leitungsteam des DRK, das in der Westfalenmetropole für zwei Einrichtungen mit insgesamt 500 Menschen zuständig war. Knapp zwei Wochen später war der Mann in Bork aber schon wieder Geschichte – im Gegensatz zu seiner Vorstellung schwieg das DRK Westfalen-Lippe zunächst und erklärte in Person des damaligen Geschäftsführers Hans-Jürgen Hecker: „Ja, es gibt eine personelle Veränderung. Im Augenblick ist Thomas Kirschner unser kommissarischer Leiter der Einrichtung.“ Gründe für die Trennung „in beidseitigem Einvernehmen“ nannte Hecker nicht, sondern sagte nur: „Das ist jetzt ein ganz normaler Vorgang.“

DRK „über Monate einem dreisten Blender aufgesessen“

Dieser ganz normale Vorgang bekommt seit dem vergangenen Wochenende (10./11. Januar) eine neue Note. Denn das DRK Hagen hat bekannt gegeben, dass es sich vom Koordinator des dortigen Corona-Impfzentrums getrennt hat. Begründung: Gegen den Mann sollen polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Untersuchungen wegen der Fälschung einer Approbationsurkunde geben, wie die Westfalenpost aus Hagen berichtet. Die Redaktion zitiert den DRK-Kreisverbandsvorsitzenden Udo Stroh, der offensiv eingeräumt habe, „dass sein Haus über Monate einem dreisten Blender aufgesessen sei“.

Wie der WDR und später auch die „Bild-Zeitung“ berichteten, soll es sich dabei um den Mann handeln, der 2015 die Unterkunft in Bork geleitet hatte. Die Westfalenpost will außerdem erfahren, dass er in Bork „ohne entsprechende Ausbildung als Diplom-Psychologe auftrat“.

Falls das stimmt, wäre die Trennung damals wohl eher kein „normaler Vorgang“ gewesen. Zudem stellt sich dann die Frage, warum das DRK offenbar ein weiteres Mal auf einen Betrüger hereinfiel. Hatte der Landesverband Westfalen-Lippe die Kollegen in Hagen vor dem Mann, der von 2017 an für ein Jahr als Vorsitzender einen SPD-Ortsverband in Dortmund führte, nicht gewarnt?

Beim Landesverband Westfalen-Lippe gibt man sich verschlossen: „Hier wird ihnen niemand etwas dazu sagen“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Der damals verantwortliche Heinz-Jürgen Hecker ist mittlerweile nicht mehr Geschäftsführer, auch seine Prokura für den Landesverband ist seit 2018 erloschen.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
Zur Autorenseite
Daniel Claeßen

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.