Die Stadt Selm will weiter daran arbeiten, Fahrradfahrern mehr Rechte einzuräumen. Und mehr Raum zum sichereren Fahren. Deshalb kommen noch zwei weitere Straßen dazu.

Selm

, 07.11.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Radfahrer, die gemütlich mitten auf der Straße und nebeneinander fahren. Autofahrer, die sich geduldig dahinter einreihen. Das waren Wunschvorstellungen der Verantwortlichen bei der Stadt Selm, als sie in Bork Selms erste Fahrradstraße eröffneten. Die Vorstellungen sind Realität. Auch wenn das Wort geduldig nicht auf jeden Autofahrer zutrifft. Dieses Beispiel einer Straße, die Radfahrer priorisiert, soll Nachfolger haben.

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Nach der Waltroper Straße in Bork, die auf einem mehrere hundert Meter langen Teilstück als Fahrradstraße ausgewiesen wurde, sollen zwei weitere Straßen in Selm Radfahrern Priorität im Verkehr bieten. Welche, das verriet Julia Schmidt, verantwortlich für den Bereich Umwelt und Mobilität bei der Stadtverwaltung Selm, am Dienstag, 5. November, in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Zivilschutz.

Fahrradstraßen: Darum hat Selm diese zwei Straßen dafür ausgewählt

Der Sandforter Weg soll als Fahrradstraße ausgewiesen werden. © Arndt Brede

Diese beiden Straßen, die die Stadt ausgewählt hat, um Fahrradstraßen zu werden, sind der Sandforter Weg und die Lange Straße. Beide sind wichtige Ost-West, beziehungsweise Nord-Süd-Verbindungen, die den Radverkehr aus den umliegenden Wohngebieten aufnehmen. Geschäfte, Gymnasium, Campus, Jugendzentrum Sunshine mit Skatepark: Wichtige Punkte, die laut Julia Schmidt mit dazu beitragen, dass dort viel Radverkehr zu erwarten ist.

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Beim Sandforter Weg, so erklärte es Julia Schmidt, sei die Situation für Radfahrer mit nur einem Radfahrstreifen unbefriedigend. Andererseits sei ein zweiter Radstreifen wegen der beengten Lage dort keine Option. Und in der Lange Straße gibt es gar keine Radfahrstreifen.

Fahrradstraßen: Darum hat Selm diese zwei Straßen dafür ausgewählt

Die Fahrradstraße muss deutlich markiert sein. © Sylvia vom Hofe (A)

Insofern habe die Stadt damit begonnen zu planen, um beide Straßen als Fahrradstraße auszuweisen. Beide Straßen brauchen „eine deutliche Kennzeichnung“, führte Julia Schmidt aus. Schilder und Markierungen wie an der Waltroper Straße seien vorgesehen.

So funktioniert eine Fahrradstraße Radfahrer dürfen auf einer Fahrradstraße zwar nebeneinander fahren. Es gilt aber weiter das Rechtsfahrgebot. Als Autofahrer darf man sie nur überholen, wenn ein ausreichender Sicherheitsabstand von 1,50 Metern gewährleistet ist.

An beiden Straßen gelten unterschiedliche Vorfahrtsregelungen. „Am Sandforter Weg muss die Vorfahrt nicht geändert werden“, sagt Julia Schmidt. Anders bei der lange Straße. Dort werde die Vorfahrtsregelung geprüft und eventuell geändert. Dort gilt „Rechts vor links“.

Fahrradstraßen: Parksituation sinnvoll ordnen

Ein wichtiger Aspekt sei auch der „ruhende Verkehr“, also die Parksituation. „In Tempo-30-Zonen darf ein Auto dort geparkt werden, wo es niemanden behindert“, so Julia Schmidt. „In einer Fahrradstraße würden wir dies sinnvoll ordnen.“ Für den Sandforter Weg würde das bedeuten, „dass wir schauen, ob wir den alten Parkstreifen wieder aktivieren können“. An der Lange Straße werde es zu einigen Veränderungen kommen. „Wir müssen schauen, wo die Autos demnächst stehen können und wo sie nicht stehen dürfen.“

Fahrradstraßen: Darum hat Selm diese zwei Straßen dafür ausgewählt

Die Waltroper Straße ist Selms erste Fahrradstraße. © Martina Niehaus (A)

Die Stadt bemüht sich um Fördermittel, um die beiden Straßen als Fahrradstraßen ausweisen zu können, berichtet Julia Schmidt.

Bereits im September hatte Bürgermeister Mario Löhr während der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung angekündigt, dass es 2020 Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs geben werde, für die auch Mittel im Nachtragshaushalt bereit gestellt werden.

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Dies soll ein erster Schritt sein auf dem Weg, dem Radverkehr noch mehr Vorrang einzuräumen. Nämlich durch die Ausweisung ganzer Fahrradzonen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer macht sich für eine entsprechende Novelle der Straßenverkehrsordnung stark. Sobald die Novelle beschlossen sei, werde sich die Stadtverwaltung näher mit dem Thema Fahrradzonen beschäftigen.

Fahrradstraßen: Darum hat Selm diese zwei Straßen dafür ausgewählt

Auf Fahrradstraßen wie in Bork haben Radfahrer absolute Priorität. Autos sind geduldet. © Sylvia vom Hofe (A)

Untätig ist die Stadt indessen nicht: Die Stadt Selm sei in Kontakt mit der Stadt Bremen, die als erste Kommune in Deutschland ein Fahrrad-Modell-Quartier errichtet. Selm könne sich von Bremen einiges abgucken, was Fahrradzonen betrifft.

Fahrradzone nach Bremer Vorbild

Eine Fahrradzone à la Bremen hat laut Homepage der Stadt Bremen folgende Vorteile für Radfahrer:

  • Holperige Kopfsteinpflasterstraßen erhalten einen asphaltierten Streifen oder werden vollständig saniert. Fahren wird leise, sicherer und bequemer für alle.
  • Ein Netz von Fahrradstraßen wird zur Fahrradzone. Hier darf auch nebeneinander geradelt werden. Parkplätze für Autos werden klar markiert.
  • Durch gut geführte Radverbindungen wird ein ganzes Quartier besser mit den umliegenden Stadtteilen vernetzt und öffnet sich auch zu Premium-Routen.
  • Gehwegerweiterungen an den Kreuzungen und Einmündungen machen das Überqueren für alle sicherer. Zugleich halten sie die Einmündungen für größere Fahrzeuge der Feuerwehr, Müllabfuhr und den Lieferverkehr frei.
  • Es werden bessere Überquerungsmöglichkeiten für den Fuß- und Radverkehr geschaffen.
  • In den Wohnstraßen sorgen neue Fahrradbügel für ein sicheres Abstellen der Räder.
  • Luftpump- und E-Bike-Lade-Stationen errichtet werden in überdachte Fahrradabstellanlagen integriert.
  • Es wird ein Fahrrad-Repair-Café gebaut. Weitere Bestandteile: eine Service-Werkstatt, ein Café, Selbsthilfe-Workshops und kleine Veranstaltungen.
  • Es soll Leihrad- und Leih-Lastenradstationen geben

    Weitere Infos: www.radquartier-bremen.de
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