Gefährliche Eichenprozessionsspinner: Wie Tiere unter den giftigen Raupenhaaren leiden

dzEichenprozessionsspinner

Schmerzhafte allergische Reaktionen: Nicht nur Menschen haben damit zu kämpfen nach dem Kontakt mit den giftigen Härchen des Eichenprozessionsspinners. Auch Tiere leiden. Das ist zu tun.

Selm

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Über ihre Pfoten kommen Hund und Katze in diesen Tagen in Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner - sogar, wenn die Katzen keine Freigänger sind. Denn der Mensch trägt die Borsten des Eichenprozessionsspinners über seine Schuhe mit in die Wohnung.

Beim Gassigehen oder Durchstreifen der Natur kommen die Haustiere von selbst mit den giftigen Raupen in Berührung. Putzen sich die Tiere, geraten die Härchen an Zunge und Maul. Der Leidensweg der Tiere beginnt. Die Wartezimmer der Tierärzte sind voll.

Wie gefährdet sind die Wildtiere?

Doch wer kümmert sich um die Wildtiere? Auch Reh, Hase, Kaninchen, Igel und Co. müssten mit den Raupen und ihren Hinterlassenschaften in Kontakt kommen. Leiden auch sie an verätzten Mäulern, verquollenen Augen oder geschwollenen Atemwegen? Den Mitgliedern des Hegerings Selm ist in den vergangenen Wochen nichts diesbezüglich aufgefallen.

Absaugen der Raupen ist nicht möglich

„Natürlich ist der Eichenprozessionsspinner auch für Wildtiere gefährlich“, sagt Andrea Wiewel vom Hegering. „Aber die Waldflächen sind viel zu weitläufig, als dass man verlangen könnte, dass die Bäume dort ebenfalls abgesaugt werden“, erklärt sie - zumal viele Flächen im Selmer Umkreis auch in Privatbesitz wären.

Daher bleibt den Jägern nur, ein wachsames Auge auf den Wildbestand zu haben und zu reagieren, wenn ein Tier gefunden wird, das unter einer erschwerten Atmung oder entzündeten Augen leidet. „Entweder bringen wir es dann zum Tierarzt, wie erst neulich ein Kitz, oder erlösen es von seinen Qualen“, erklärt Wiewel.

Das Wild scheint sich zurückzuziehen

Konkret auf den Eichenprozessionsspinner lässt sich derzeit aber keine Entdeckung zurückführen. „Das Kitz litt unter einer ganz gewöhnlichen Infektion. Es gibt also keine Auffälligkeiten“, sagt Wiewel - und das bestätigt auch Heiko Möller, Schatzmeister des Hegerings. Allerdings machte der, genau wie viele seiner Bekannten, eine andere Beobachtung: „Dort, wo der Eichenprozessionsspinner seine Nester gesponnen hat, sieht man schon seit Wochen kein Wild.“

Instinktiv richtig verhalten

Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, ob es da einen Zusammenhang gibt. „Aber die Tiere sind ja nicht dumm“, sagt Möller. „Die wissen instinktiv, was ihnen guttut und was nicht.“ Und weil auch nirgends im Revier verendete Tiere gefunden wurden, geht Möller davon aus, dass sich die Wildtiere selbst zu schützen wissen.

Jäger gibt Tipp zum eigenen Verhalten im Wald

Müller appelliert daher eher an alle klassischen Spaziergänger, vorsichtig zu sein. „Wir Jäger tragen immer langärmlige Kleidung, auch im Sommer. Und wir schauen immer nach oben und wissen, ob wir uns beispielsweise in einem Eichenwald befinden. Da würde unser Hund vielleicht Probleme bekommen. Also meiden wir ihn.“ Waldbesucher ohne genaueren Blick für die Umgebung würden die Gefahr für Mensch und Hund vielleicht nicht erkennen. Das gilt auch für Totholz oder Sturmschäden. „Wir Jäger gucken daher im Wald immer nach oben.“ Und noch einen Tipp hat der passionierte Jäger parat: „Stauben sie sich und ihre Kleidung ab, bevor sie nach Hause gehen.“

Bei Auffälligkeiten Forstbehörde einschalten

Hinsichtlich des Eichenprozessionsspinner und einer möglichen Gefahr für die Wildtiere sieht der Hegering Selm allerdings keinen Grund, ein Alarmsignal zu geben. Dennoch sollte jeder ein Auge auf seine Umwelt haben: „Und wenn dem Waldbesucher etwas auffällt, soll er keine Scheu haben, die Forstbehörden zu informieren.“ Denn nur wenn die Bescheid wüssten, könnten sie entsprechend handeln und bestimmte Bereiche des Waldes sperren - zur Sicherheit aller, egal, ob Mensch oder Tier.

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