Drohende Schließung trübt den Badespaß im Freibad

SELM Im Selmer Freibad ist an diesen sonnigen Tagen Hochbetrieb. Überall toben und spielen die Kinder im 24 Grad warmen Wasser, auf der großen blauen Rutsche herrscht großes Gedränge. Doch es herrscht eine gereizte Stimmung unter den Badegästen: die Mutter-Sparpläne sind Thema Nr. 1.

von Von Stephan Richter

, 31.07.2008, 12:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich hoffe, dass das jetzt auch so bleibt“. Dieter Weißmann, der schon seit Jahren als Schwimmmeister für die Sicherheit und die Pflege an der Badestraße sorgt, ist sichtlich entspannt und wacht über das Geschehen im Schwimmbecken.   „Bei so schönem Wetter wie heute ist hier richtig viel los. Es ist wichtig, dass die Politik das auch mal sieht“. Weißmann spricht damit das an, was im Moment Thema Nr. 1 im Freibad ist: die drohende Schließung nach den Mutter-Sparplänen. Selbst unter den kleinsten Schwimmern ist längst bekannt, dass sie sich nächstes Jahr vielleicht nicht mehr im Selmer Freibad treffen können. Geht es nach dem Willen des Schwimmmeisters und den Besuchern ist die Antwort eindeutig: Das Freibad wird nicht geschlossen. Auch Michael Walter, der es sich mit seinen drei Kindern auf einer Liegewiese gemütlich gemacht hat, äußert zu den Schließungsplänen eine ganz klare Meinung: „Auf gar keinen Fall dürfen die hier schließen, allein schon der Kinder wegen. Außerdem ist man ganz schnell vor Ort und viele Gäste sind sogar Auswärtige“. Damit spricht Walter das aus, was die meisten Gäste des Freibads denken. Walters kleine Tochter Nele gibt ihrem Papa sofort recht. „Ich will nicht, dass das Freibad zumacht“, und lächelt verlegen.

Auch Annegret Wecker, die mit ihrem Enkel gekommen ist, hat für die drohende Schließung kein Verständnis. „Denken die denn gar nicht an Familien mit Kindern“, fragt die Rentnerin, sichtlich erbost und redet sich in Rage: „Ich hab ‘ne Stinkwut, wo sollen die denn dann alle hin? Denken sie doch mal an die Spritpreise, soll ich dann bis nach Werne oder Olfen fahren? Und was ist mit sozial schwächeren Familien, die sich nicht so viel leisten können, die wollen ihren Kindern doch auch was bieten.“   Die Stimmung bei allen Betroffenen ist sehr gereizt. Um eine mögliche Schließung abwenden zu können, wurde eine Unterschriftenaktion gestartet. In die Listen, die im Freibad am Eingang ausliegen, kann sich jeder eintragen. Gleichzeitig versucht man auch an anderen Orten die Bevölkerung zu mobilisieren.

Mit Erfolg, ca. 1800 Menschen haben schon unterschrieben, täglich werden es mehr. Nicht nur Selmer, auch Nordkirchener, Olfener, Lüdinghausener und viele andere, beteiligen sich an der Aktion zur Rettung des Bads. Und Wilhelm Westermann bemängelt: „Hier kommt kein Politiker vorbei und schaut sich das an. Das ist denen viel zu laut. Die gehen lieber auf‘s Schützenfest und lassen sich da blicken“ 

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