Barscheck-Betrug: Urlauber versuchten bei den Müllers am Ternscher See eine dreiste Masche

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Drei Engländer wollen Urlaub am Ternscher See machen. Ehepaar Müller aus Selm hat dazu die passende Ferienwohnung. Fast wäre der Deal perfekt gewesen - und mit ihm ein gemeiner Betrug.

Selm

, 16.10.2019, 19:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nur 60 Meter vom Wasser entfernt steht das rote Ferienhaus am Strandweg in Selm: ein Zuhause auf Zeit für Ruhrgebiets- und Münsterland-Touristen, für Monteure und Gäste von Familienfeiern, für Reisende aller Art aus dem In- und Ausland. Daher ist die Buchungsanfrage eines gewissen Tom Hayer aus England auch nichts Ungewöhnliches - zumindest anfangs nicht.

Tom sucht für drei Bekannte eine Unterkunft: neun Tage am Ternscher See Anfang November. Karin Müller, die Vermieterin, antwortet prompt auf die Mail - mit einer Absage. Es tue ihr leid, aber zu dem gewünschten Zeitraum sei nichts mehr zu machen. Sie könne nur etwas zwischen Ende November und Anfang Januar anbieten. Falls das in Frage komme, solle sich Tom noch einmal melden - aber bitte schnell.

Barscheck-Betrug: Urlauber versuchten bei den Müllers am Ternscher See eine dreiste Masche

Das ist das Urlaubsdomizil, in dem die Betrüger im Erdgeschoss Urlaub machen wollten. © Sylvia vom Hofe

Der Mann aus Watford bei London antwortet und bucht vom 28. November bis zum 6. Dezember. Man ist sich einig. Jetzt kommt die Sache mit der Bezahlung.

Die Selmer Vermieter bevorzugen Buchungen über Booking-com

„Wir arbeiten immer gerne mit Booking.com zusammen“, sagt Karin Müller. Kunden buchen online. Vermieter bekommen Bescheid. Die Bezahlung erfolgt bargeldlos. Und beide Seiten können sich später bewerten.

Emmanuel aus Luxemburg schreibt etwa: „Die Lage ist wunderschön, das Haus gut ausgestattet, sehr sauber, die Vermieter sehr lieb. Alles perfekt, kommen gerne wieder. Vielen Dank.“ Und Hansjürgen aus Deutschland: „Alles war schön, besonders der gegenüber liegende See war schön, zu dem man jederzeit Zugang hat.“ Von Tom aus der Grafschaft Hertfordshire wird es auf der Seite keinen Post geben.

Er wolle nicht auf dem Online-Portal buchen. Seine Auftraggeber - ein britisches Unternehmen - arbeite lieber mit Barschecks: Karin Müller solle mit dem Scheck zu ihrer Bank gehen und könne danach über das Geld verfügen. Eine Falle? Heinz Dieter Müller, der mit seiner Ehefrau die Vermietung betreibt, hat da eine Idee.

„Wenn das Geld gutgeschrieben ist, ist doch alles in Ordnung. Oder?“

Er fordert Vorkasse, im Reisegeschäft nicht unüblich. Der Scheck solle vier Wochen vor Reiseantritt vorliegen. Eine Forderung, auf die Tom gerne eingeht. „Wenn die Bank das Geld auf dem Konto gutgeschrieben hat, sollte mit einem Scheck doch alles in Ordnung sein“, meint Heinz Dieter Müller.

Barscheck-Betrug: Urlauber versuchten bei den Müllers am Ternscher See eine dreiste Masche

Auf den zweiten Blick fällt auf: Dieser Brief ist nicht abgestempelt und daher wohl nicht per Post geschickt worden. Die Müllers vermuten, dass er direkt eingeworfen wurde - ein mulmiges Gefühl. © Sylvia vom Hofe

Das Selmer Ehepaar bekommt umgehend Post. Dass die Briefmarke mit dem Konterfei der Queen nie abgestempelt wurde, fällt den beiden erst später auf. Zunächst bindet der Scheck ihre ganze Aufmerksamkeit. Denn der ist viel höher ausgestellt als verlangt.

Die Wohnung am See kostet 85 Euro am Tag. Auf dem Scheckformular der Lloyds Bank - keine Fälschung, wie sich später herausstellen wird - stehen aber stolze 3180 Pfund - fast 3700 Euro.

Der Scheck ist höher als erwartet

Dass Tom etwas mehr überweisen wollte, hatte er schon angekündigt. Die Müllers sollten so nett sein und den drei Urlaubern die Differenz zum Preis für die Unterkunft auszahlen: ein sicherer und bequemer Weg, den Reisenden Taschengeld für Mietwagen, Verpflegung und andere Ausgaben zukommen zu lassen, meint Tom. Die Sparkasse an der Lippe sieht das ganz anders.

Die Mitarbeiter der Filiale an der Kreisstraße raten Karin Müller dringend davon ab, den Scheck einzahlen. So mancher habe das schon eine böse Überraschung erlebt. Denn platzen könne der Scheck auch noch lange Zeit später.

„Je nachdem, ob es sich um einen inländischen oder europäischen Scheck handelt, gelten Einlösungsfristen von bis zu 20 Tagen. Bei Schecks aus dem außereuropäischen Ausland gilt sogar eine Frist von 70 Tagen“, sagt Nils Klausen von der Sparkasse an der Lippe.

Das böse Erwachen ist wahrscheinlich

Die Müllers könnten noch im Nachhinein geprellt werden: zum einen, weil der Reiseaufenthalt der drei Engländer - sofern sie überhaupt gekommen wären - unbezahlt bliebe, zum anderen, weil das vermeintliche Taschengeld dann längst weg wäre.

Nicht nur die Sparkassenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter kennen die Masche, auch das Team der Kreispolizei Unna, an das sich die Müllers gewandt haben. „Diese Masche tritt in Wellen immer wieder auf“, sagt Kriminalhauptkommissar Volker Timmerhoff. Gerade aus England versuchten es Betrüger immer wieder.

Verbraucherzentrale und Polizei kennen die Masche

Ob auch Tom die Müllers eiskalt abgezogen hätte? Das kann niemand sagen, denn Karin Müller hat den Scheck nie eingelöst und die Reisebuchung storniert. Timmerhoff tippt aber darauf: „Hier besteht ganz klar der Verdacht einer Straftat.“

Jutta Gülzow von der Verbraucherzentrale NRW in Lünen, Kirchstraße 12, hat die gleiche Vermutung wie der Polizeibeamte. Ihre Kollegen aus Düsseldorf bestärken sie darin. Sie kennen die Masche aus einem anderen Zusammenhang.

Augen auf beim Autoverkauf

Beim privaten Autoverkauf gingen Betrüger gerne so vor: Jemand mit einer ausländischen E-Mail-Adresse interessiert sich für das Auto. Man wird sich schnell einig. Der Interessent schickt einen Barscheck - allerdings über eine deutlich höhere Summe: ein dummer Fehler, wie der Käufer kleinlaut zugibt. Sein Geschäftspartner möge ihm doch die Differenz zurückerstatten. Später platzt der Scheck.

„Wir wären darauf nicht gekommen“, sagen die Müllers, die noch einmal Glück hatten. Sie möchten auch andere vor der Masche mit dem Barscheck warnen.

Das ist bei Schecks zubeachten

  • Ein Barscheck ist ein Formular, mit dem der Aussteller seine Bank anweist, auf seine Rechnung eine bestimmte Geldsumme zu zahlen. Der Scheckempfänger kann das Geld bar bei der Ausstellerbank abholen oder den Scheck bei seiner eigenen Bank zur Gutschrift auf sein Konto einreichen, wie die Stiftung Warentest erklärt.
  • Ein Verrechnungsscheck ist ein Formular, das den Vermerk „Nur zur Verrechnung“ trägt. Der Besitzer bekommt kein Bargeld in die Hand, sondern kann die Summe nur auf sein Girokonto gutschreiben lassen.
  • Eine Garantie zur Einlösung gibt es laut der Verbraucherstiftung in beiden Fällen nicht. Ist der Scheck gefälscht, wurde er gesperrt oder ist das Konto des Ausstellers nicht gedeckt, steht der Scheckbesitzer mit leeren Händen da.
  • „Der Gebrauch von Barschecks ist im privaten Zahlungsverkehr mittlerweile unüblich“, sagt Nils Klausen von der Sparkasse an der Lippe. Lediglich bei geschäftlichen Aktivitäten könne es noch zum Gebrauch von Schecks kommen, zum Beispiel bei der Auszahlung von Versicherungsleistungen.
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