Schüler sind in Selm zwar mit iPads ausgestattet worden, doch es gibt auch andere Gründe als fehlende Endgeräte, warum Schüler nicht von zuhause aus am Distanzunterricht teilnehmen können. Sie könnten jetzt in der Schule beim Distanzunterricht mitmachen. © Vanessa Trinkwald (Archiv)
Corona und Schule

Distanzunterricht in der Schule: Die Eltern dürfen nicht entscheiden

Kinder, die zuhause nicht zielführend am Distanzlernen teilnehmen können, sollen künftig in der Schule sitzen. Welche Kinder Anspruch haben, entscheiden nicht die Eltern, sondern die Schule.

Der Vater staubsaugt, die Mutter sitzt im Homeoffice, der kleine Bruder schreit und der Hund flitzt durch die Gegend. So oder so ähnlich sehen für manche Selmer Kinder die Unterrichtsstunden im Homeschooling aus. Zu einem chaotischen Umfeld kommen dann noch Internetprobleme oder veraltete Endgeräte. Kindern, die so kaum dem Unterricht folgen können, soll mit einer neuen Regel geholfen werden.

Ab dem 1.2. dürfen Kinder, die zuhause „ohne Begleitung nicht zielgerichtet“ arbeiten können, das Angebot gemacht werden, dem Unterricht in der Schule beizuwohnen. Dabei geht es nicht darum, in der Schule Präsenzunterricht zu veranstalten, sondern dem Distanzunterricht in einem guten Lernumfeld zu folgen. Das Schulministerium NRW begründet die Entscheidung mit der „Wahrung der Chancengerechtigkeit“.

Ulrich Walter, Schulleiter des städtischen Gymnasiums Selm, ist enttäuscht von der Kommunikation des Ministeriums. Im Gespräch mit der Redaktion am 28.1. erklärt er: „Das Ganze ist seit zwei Tagen in einer Pressekonferenz bekannt und wir wissen das seit vier Stunden. Daran erkennt man, wie wenig konsequent die Informationspolitik ist.“ Das Fehlen von technischen Endgeräten sollte an dem Selmer Gymnasium kein Problem sein: „Alle Schüler, die noch Bedarf hatten, wurden mit Geräten ausgestattet.“

Schwerwiegender sind für ihn die Probleme von Kindern, die in einem Umfeld arbeiten müssen, in dem Konzentration nicht möglich ist: „Ich denke da an Großfamilien, die räumlich auf wenigen Quadratmetern leben müssen.“ Jetzt gehe es am Städtischen Gymnasium Selm daran, in Gesprächen mit Stufen- und Klassenleitern herauszufinden, welche Kinder wirklich bedürftig sind.

Probleme mit dem Internet

An der Overbergschule in Selm steht bereits fest, wie das Distanzlernen in der Schule funktionieren wird. Das Schulleitungsteam Stefan Vogel und Christine Jücker auf Anfrage der Redaktion: „Die Schüler werden getrennt nach Jahrgängen in der Overbergschule betreut. Die Integrationskräfte und das sonstige schulische Personal betreuen die Kinder.“ Beim Thema Videokonferenzen gebe es allerdings noch Probleme: „Mehrere Videokonferenzen in einem Raum führen zu Rückkoppelungen, daher bearbeiten die Kinder ihren Wochenplan in der Schule analog.“ Auch an der Ludgerischule kämpft man immer wieder mit Internetproblemen: „Mehrere Videokonferenzen in einem Raum führen zu Rückkoppelungen und es ist auch kein stabiles und ausreichend ausgebautes Netz vorhanden.“ Die Schüler werden deswegen nicht online arbeiten, sondern sich analog mit ihren Wochenplänen beschäftigen.

In der Grundschule „Auf den Äckern“ kennt man das Konzept bereits. Schulleiterin Anja Knipping: „Da wir dieses Problem bereits in unserer letzten Lehrerkonferenz gesehen haben, bestehen bereits bei uns Gruppen, die bei Ihren Aufgaben, die sie im Distanzlernen lösen müssen, begleitet werden.“ Das Angebot werde an die Bedürfnisse der Eltern angepasst. Einige Kinder kämen jeden Tag, andere nur zwei bis drei Mal. Auch „Auf den Äckern“ ist das Internet eine Herausforderung: „Und je mehr Kinder an einer Konferenz teilnehmen wollen oder ins Internet, um die Aufgaben zu lösen, umso schlechter wird es. Da warten wir noch auf den Breitbandausbau.“

Alle Selmer Schulen, mit denen wir sprechen konnten, gehen nicht davon aus, dass es einen großen Ansturm von Eltern gibt, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen. Über die Kinder, die am Ende in der Schule ins Distanzlernen gehen, entscheidet ohnehin jede Schule selbst. Das Land schließt dies eindeutig aus: „Das erweiterte schulische Unterstützungsangebot kann nicht von den Eltern initiiert werden.“ Die Selma-Lagerlöf-Sekundarschule hat sich bis Redaktionsschluss nicht zu der Neuregelung geäußert.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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