Distanzunterricht mit digitalen Hilfsmitteln gehört mittlerweile zum Alltag für Schüler. Eltern loben die Schulen, weil sie für guten digitalen Unterricht sorgen. © Redaktion
Umfrage

Digitalisierung an Selmer Schulen: Eltern loben Schulen und rügen Politik

Digitalisierung ist gerade an Schulen eines der wichtigsten Themen für die Zukunft. Hinkt Selm hinterher? Oder ist die Stadt gerüstet? Wir haben in einer Umfrage nachgefragt. Und nicht nur da.

Wie digital sind die Schulen in Selm? Diese Fragen haben wir unseren Usern in einer Online-Umfrage gestellt. Schüler, Eltern Lehrer – sie alle konnten antworten und Einschätzungen geben. 41 User haben mitgemacht. 87 Prozent sind Eltern eines schulpflichtigen Kindes. 7,3 Prozent sind Schüler, 4,88 Prozent sind Lehrer.

Eine Erkenntnis: Apps und Lernplattformen für Schüler hat es auch schon vor der Coronapandemie an Schulen in Selm gegeben. Zu den digitalen Hilfsmitteln zählten aber auch E-Mails und digitale Arbeitsblätter. In der Coronakrise sind Videokonferenz-Tools zusätzlich ins Programm genommen worden. Und um die Wartung von Geräten kümmert sich der eine oder andere Lehrer in seiner Freizeit oder während der Arbeitszeit.

Noten für die Schulen

Den digitalen Unterricht während der Coronakrise beurteilen die Eltern in der Umfrage auf einer Skala von 1 bis 10 mit 5,5, die technische Ausstattung und allgemein den Stand der Digitalisierung beurteilen die Eltern ebenfalls mit 5,5. 32 Prozent halten das W-Lan an der Schule für mittelmäßig schnell und stabil. 20 Prozent urteilen, das Netz sei instabil und schlecht. Die meisten Eltern bescheinigen ihrer jeweiligen Schule, genug zu tun, um einen guten digitalen Unterricht zu ermöglichen. Die Politik dagegen tue nicht genug dafür, meint die Mehrheit der Umfrageteilnehmer.

Entsprechend sieht die Wunschliste der Eltern an die Politik aus: Eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten, schnelleres Internet an der Schule, Endgeräte für alle Schüler beziehungsweise Subventionen für finanziell schwächere Schüler, neue Konzepte für den digitalen Unterricht, digitale Schwerpunkte in der Lehrerausbildung (Studium) und verpflichtende Fortbildungen für Lehrer – Wünsche, die wir in der Umfrage vorgegeben hatten – fanden einen großen Anklang bei den Eltern.

Umfrageergebnisse sind das eine, der alltägliche Umgang mit der Digitalisierung das andere. Wir haben uns mit Tim Seiler unterhalten. Er ist Lehrer einer zweiten Klasse an der Overbergschule in Selm. Er hat die Digitalisierung und wie man mit ihr umgeht, in verschiedenen Situationen erlebt. Vor der Coronakrise, in der Coronakrise, als seine Klasse plötzlich in Quarantäne musste und Distanzunterricht plötzlich aus dem Boden gestampft worden ist, und in der Zeit, als Distanzunterricht digital zum normalen Coronaalltag an seiner Schule gehörte.

Lehrer: Stadt und Schule gut ausgestattet

Sein Urteil: „Die Stadt Selm und unsere Schule sind gut ausgestattet, was Digitalisierung betrifft.“ Seiler macht das an der Praxis vor allem in der Coronakrise, aber auch schon vorher fest: „Wir haben im Präsenzunterricht mit Beamern und mit Leinwänden gearbeitet. So dass wir den Kindern direkt Arbeitsergebnisse spiegeln konnten.“ Als es dann ins Homeschooling ging, hatte die Schule den Vorteil guter Breitbandanbindung, führt der Lehrer aus. Was den Unterricht auf Distanz für die meisten erleichtert habe.

Lehrer Tim Seiler geht mittlerweile ganz entspannt mit dem digitalen Distanzunterricht um. Auch, weil die technische Ausstattung so gut ist.
Lehrer Tim Seiler geht mittlerweile ganz entspannt mit dem digitalen Distanzunterricht um. Auch, weil die technische Ausstattung so gut ist. © Redaktion © Redaktion

Später kamen die iPads für Kinder und Lehrer. „Wir sind große Schritte weiter gekommen“, erklärt Tim Seiler. Das ist also das Handwerkszeug, auf das Schüler und Lehrer bauen. Wie sieht es aber aus Sicht des Pädagogen mit der tatsächlichen Umsetzung von Unterricht auf Distanz aus? „Das kann ich mittlerweile ganz entspannt angehen, weil die Schüler und die Eltern kennen das Ganze ja jetzt schon.“ So seien auch die Rückmeldungen von Eltern positiv gewesen. „Aus dem Kinderparlament übrigens auch“, erzählt Seiler.

Sport am Tablet

Neben den Fächern wie Mathematik oder Sachunterricht seien sogar Kunst und Sport möglich. Sport am Tablet? „Ja“, sagt Seiler. Koordinationsübungen, wie, mit den Füßen Klopapierrollen zu stapeln, habe Kindern und dem Lehrer viel Spaß gemacht. Und alles zu sehen auf dem Tabletbildschirm. Das sei ein Weg, um das Beste aus der Coronakrise zu machen und die Kinder mitzunehmen. Auch dank der digitalen Ausstattung. Kinder, die bis dato im Präsenzunterricht eher zurückhaltend gewesen seien, hätten sich im digitalen Distanzunterricht getraut, etwas beizutragen.

Gab es auch Kritik? „Sie ist nicht direkt an mich gerichtet gewesen“, sagt Seiler. „Aber nicht überall ist es wohl reibungslos gelaufen. Kinder sind auch schon mal wegen technische Probleme aus Videokonferenzen rausgeflogen. Wie zum Beispiel wegen schwachen Internets.“

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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