Digitale Kieferorthopädie - wenn der Scanner den Gipsabdruck ersetzt

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Wer eine Zahnspange braucht, muss die unangenehme Prozedur des Abdruck-Nehmens über sich ergehen lassen. In einer Selmer Praxis gibt es eine Alternative zur „Schüppe“ mit der Abdruckmasse.

Selm

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die klassischen Gipsabdrücke gibt es in der kieferorthopädischen Praxis von Dr. Gabriele Brockhaus zwar immer noch. Doch die Fachzahnärztin glaubt, dass diese Form des Arbeitens bald überholt sein wird. In ihrer Selmer Praxis stehen ein komplettes digitales Röntgengerät, ein Scanner und ein 3-D-Drucker.

Ein Computer berechnet die Fehlstellungen

„Noch nicht einmal ein Abdruck ist dazu nötig“, erklärt die 48-Jährige. Gerade tastet sie mit dem Scanner die Zähne einer Mitarbeiterin ab - um zu zeigen, wie das Gerät funktioniert. „Die Kiefer mit ihren Zähnen werden mittels eines Scanners abgetastet und digitalisiert. Ein Computerprogramm berechnet dann die Zahnfehlstellungen und korrigiert sie digital“, erläutert Brockhaus.

Digitale Kieferorthopädie - wenn der Scanner den Gipsabdruck ersetzt

Anstatt der unangenehmen Abdruck-Masse kann man die Zähne auch scannen. © Martina Niehaus

Anschließend werden mittels eines 3-D-Druckers die Modelle hergestellt. Auch diese schimmern weiß wie die herkömmlichen Gipsabdrücke, bestehen aber aus einem ganz anderen Material. „Das ist Resin, ein Kunstharz“, sagt die Fachärztin.

Auf den Resin-Modellen werden dann durchsichtige Schienen für die Zahnstellungskorrektur gefertigt. Auch innenliegende unsichtbare Zahnspangen können mittels Scanübertragung zum Labor angefertigt werden.

Digitale Kieferorthopädie - wenn der Scanner den Gipsabdruck ersetzt

Gebissabdrücke aus dem Kunstharz Resin haben in der Praxis von Dr. Gabriele Brockhaus (r.) den Gipsabdruck ersetzt. © Martina Niehaus

Eine Herausforderung auch für die Techniker: „Sie müssen sich auch erst an diese Arbeitsweise gewöhnen“, sagt die Zahnärztin.

Digitale Kieferorthopädie ist für Kinder einfacher

Doch die neue Methode habe viele Vorteile: „Gerade Kinder haben oft Schwierigkeiten mit den Zahnabdrücken. Sie bekommen schnell einen Würgereiz“, erklärt Gabriele Brockhaus. „Der Scanner fühlt sich dagegen an, als würde man mit einer großen Zahnbürste durch den Mund gehen.“

Die Bilder, die am Computer entstehen, seien darüber hinaus auch noch genauer als der herkömmliche Zahnabdruck. „Wenn man beide Methoden miteinander vergleicht, muss man schon sagen: Die Methode mit den Abdrücken ist altmodisch“, glaubt die Kieferorthopädin.

Doch die Behandlung ist teuer - je nachdem, welche Fehlstellungen behandelt werden müssen, kann sie bis zu 1500 Euro kosten. Pro Kiefer. Doch mit Zahlen hält sich die Zahnärztin lieber zurück. „Man muss ganz individuell sehen, was gemacht werden muss. Und jeder sollte mit seiner Versicherung klären, welcher Tarif in Frage kommt.“ Die Beratung in ihrer Praxis sei aber auf jeden Fall kostenlos.

Digitale Kieferorthopädie - wenn der Scanner den Gipsabdruck ersetzt

Dr. Gabriele Brockhaus und Dr. Michaela Rinneburger zeigen den neuen 3-D-Drucker. © Martina Niehaus

Klar ist: Gesetzliche Krankenkassen zahlen nichts dazu. Das findet die Fachzahnärztin schade: „Die digitalen Abdrücke sind schneller, präziser, einfacher für den Patienten. Das ist die Zukunft. In einigen Jahren werden die Praxen nur noch abdruckfrei arbeiten.“

Bis es soweit ist, muss man also privat dazuzahlen - oder, wenn die kleine Schüppe mit dem Abdruckmaterial auftaucht, brav die Zähne zusammenbeißen.

In der ersten Textfassung hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Nicht ein 3-D-Modell des Kiefers kostet bis zu 1500 Euro, sondern eine komplette Behandlung pro Kiefer kann bis zu 1500 Euro kosten. Die Preise für die Zahnbehandlung variieren, wie bereits berichtet.

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