Was war das für ein Wahltag. Einzigartig in der Geschichte der Kommunalwahlen in Selm. Mit Ergebnissen, die man so hätte erwarten können. Mit anderen Ergebnissen, die überraschend sind.

Selm

, 13.09.2020, 22:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sonntag, 13. September: 20.21 Uhr: Die ersten Ergebnisse der Kommunalwahl in Selm sind da: Als erstes trudelt das der Landratswahl in Selm ein. Die hat ja mit dem SPD-Kandidaten Mario Löhr einen Selmer Beteiligten. Der hat an diesem Abend Grund zu strahlen. Mit 58,8 Prozent der abgegebenen Stimmen ist der noch amtierende Selmer Bürgermeister in Selm auf Platz 1.

Im Bürgerhaus Selm, wo eine kleine Wahlparty unter Coronabedingungen läuft, ist ein Raunen und ist Beifall zu vernehmen. Parteien, Gemeinschaften und Vereinigungen, die ihre Kandidaten für den Selmer Stadtrat ins Rennen geschickt hatten, sind nahezu vollständig vertreten.

Rat wird bunter

Sie erleben, wie auf der Leinwand im Saal des Bürgerhauses die Ergebnisse der Kommunalwahl aufleuchten. Mit erstaunlichen Ergebnissen bei den Ratswahlen. Zehn Sitze jeweils für SPD und CDU. Und dahinter wird der Rat bunter. Drei Sitze für die Grünen, vier für die UWG, jeweils zwei für FDP und Familienpartei sowie einen Sitz für Wir für Selm.

Und dann natürlich die spannende Bürgermeisterwahl. Thomas Orlowski (SPD) gewinnt zwar die Wahl mit 38,90 Prozent der Stimmen. Aber er hat nicht die absolute Mehrheit. Er geht mit Michael Zolda (CDU), der 30,98 Prozent erreicht hat, am 27. September in die Stichwahl.

Die Wahlvorstände arbeiten hinter Plexiglasscheiben, durften insofern ihre Masken abnehmen.

Die Wahlvorstände arbeiten hinter Plexiglasscheiben, durften insofern ihre Masken abnehmen. © Arndt Brede

Der lange Wahltag hatte für die Wahlhelfer – allein acht pro Wahllokal waren jeweils im Einsatz – schon vor 8 Uhr begonnen. Denn um 8 Uhr machten die 14 Selmer Wahllokale auf. Da galt es nochmal zu kontrollieren, ob alles da ist. Und in Coronazeiten hatte diese Kontrolle eine ganz besondere Bedeutung. Ist Desinfektionsmittel mit entsprechenden Tüchern da? Stehen die Schilder, auf denen die Corona-Verhaltens- und Hygieneregeln zu stehen haben, da, wo sie sollen? Es galt auch, an vermeintliche Kleinigkeiten zu achten: Sind genügend Kugelschreiber in den Wahllokalen. „Die Wähler sollen zwar eigene Kugelschreiber mitbringen, aber wir haben 40 Kugelschreiber pro Wahl lokal vorrätig“, sagt Georg Hillmeister, der die Wahl organisiert.

Und auch Mund-Nase-Schutze hatte die Stadt für die Wahllokale organisiert. „Falls mal jemand seine Maske vergisst“, erklärt Hillmeister.

Die Wähler machten in Einzelkabinen ihre Kreuzchen.

Die Wähler machten in Einzelkabinen ihre Kreuzchen. © Arndt Brede

Für den Fall, dass sich jemand weigert, während des Wahlvorgangs eine Maske zu tragen, hatte sich die Stadt folgendes Vorgehen überlegt: Der Wähler wird aufgefordert, eine Mund-Nase-Schutz anzulegen. Weigert er sich, darf er trotzdem wählen. Dann wird das Wahllokal geräumt und neben den Wahlvorständen ist dann nur noch dieser Wähler im Raum. Seine Daten werden notiert und an das Ordnugngsamt weitergeleitet. Die Behörde entscheidet dann, ob der Verweigerer ein Bußgeld von 50 Euro auferlegt bekommt oder nicht.

Wahlbeteiligung bei 52,01 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 52,01 Prozent. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2014 ist das Gleichstand.

Rund 22.000 Selmer wären wahlberechtigt gewesen. Unter ihnen waren rund 300 Erstwähler.

Was auffiel: Viele der Wähler kamen mit dem Fahrrad, nutzten offenbar das schöne Wetter, um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Auffallend auch: die vielen Familien, die sich auf den Weg zu den Wahllokalen machten. Die Eltern wählten im Wahllokal, die Kinder warteten draußen. Die Selmer scheinen diese Kommunalwahl in ihren Sonntagsrhythmus integriert zu haben. Gut so.

Das wird sich auch Elisabeth Völkner denken. Wir haben sie vor einem der beiden Wahllokale in der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule getroffen. Warum sie wählen geht? Diese Frage des Reporters überrascht sie doch sehr. Ihre Antwort ist aber klar: „Weil das für mich wie Fleisch und Blut ist. Ich gehe selbstverständlich wählen als verantwortungsbewusste Selmerin.“

Und was haben die sechs Bürgermeisterkandidaten Selms den Wahltag über so gemacht? Haben wir abgefragt. Robin Zimmermann (FDP) war unter anderem mit seiner Familien essen und hat Formel 1 im Fernsehen geschaut. Marion Küpper (Bündnis 90/Die Grünen) hat vormittags viele Telefonate mit Freunden geführt. Wilhelm Gryczan-Wiese (parteilos) sagt lachend: „Ich habe gefrühstückt … in der Badewanne.“ Nachmittags habe er Zeit mit seiner Familie verbracht. „Ich bin sicher ein wenig angespannt“, sagt der CDU-Kandidat Michael Zolda. „Aber ich habe versucht, meinen Tagesablauf heute so hintereinander zu bekommen wie sonst auch.“ SPD-Kandidat Thomas Orlowski gibt der Redaktion über zu, er habe nicht viel, aber dafür gut geschlafen. „Die Vorfreude auf die heutige Wahl ist groß.“ Diese fünf Kandidaten haben den Wahltag in Selm verbracht. Was man von Ralf Piekenbrock (Familienpartei) nicht sagen kann. Der Redaktion hat er im Vorfeld des Wahlwochenendes verraten: „Ich bin mit meiner Familie außerhalb Selms zusammen. Das war lange geplant.“

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