Der MGV „Union“ Bork wusste schon immer, wie man Jubilare feiert

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Zum 70-jährigen Jubiläum gab es ein dreitägiges Jubelfest, nach 100 Jahren wurde im ausverkauften Hilpert-Theater gesungen. Jetzt wird der MGV „Union“ Bork 140 Jahre und plant einiges dazu.

Bork

, 19.02.2019, 14:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor fast genau 140 Jahren fing alles an: Damals trafen sich die damaligen Gründungsmitglieder im Privathaus Cortner in der Hauptstraße 30 in Bork. Dort beschlossen sie, den Männergesangverein MGV „Union“ Bork zu gründen. 1879 mit dabei waren unter anderem Theodor Cortner und Hugo Reygers, Gründer der damaligen Ziegelei Reygers.

„Vorher hat es in Bork gar keinen Chor gegeben“, erzählt Ernst-Jörgen Seiler, der seit 1997 Vorsitzender des MGV ist. „Die Gründung des MGV war für Bork ein großes Ereignis.“ Deswegen habe man im Nachhinein als Erinnerung auch eine Bronzetafel an das Haus der Familie Cortner angebracht.

In der ersten Satzung von 1880 steht zudem: „Zweck des Vereins ist die Hebung und Förderung des Kirchengesangs.“ Das Singen in der Kirche stand für den MGV also anfangs noch im Fokus. Auch eine Theatergruppe, die bis in die 1970er-Jahre plattdeutsche Theaterstücke aufführte, wurde mit dem Männergesangverein gegründet. Der Verein „Union“ Bork wurde zu einer Gesellschaft.

MGV schafft sich ein eigenes Klavier an

Zusätzlich sangen die Borker Sänger aber auch weltliche Lieder. Offiziell änderte sich das vermutlich 1904 mit der Gründung des Kirchenchores in Bork. Der MGV schaffte sich sein eigenes Klavier an und widmete sich von nun an der „Pflege und Ausbreitung des deutschen Chorgesangs“, wie es in der Satzung umgeschrieben wurde.

Auch das Wort „Union“ im Chornamen wurde bei den Borkern immer groß geschrieben, alles nach dem Motto von 1897: „Wir wollen gemütliche Freunde sein. Das Wort Union hat man sich damals ausgesucht, um den Zusammenschluss und Einigkeit zu symbolisieren“, so Seiler. Zwischen den Kriegen habe der Chor laut Seiler immer wieder Wohltätigkeitskonzerte für Bedürftige in Bork und in der Umgebung gegeben.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach war der MGV gerade mitten in den Festvorbereitungen zum 60-jährigen Bestehen. Das Fest musste abgesagt werden. Über die Hälfte der Sänger waren als Soldaten im Krieg im Einsatz. Erst 1946 konnte der Männergesangverein sich wieder regelmäßig treffen und singen. Vorher war jegliche Vereinsarbeit von den Besatzungsmächten verboten gewesen.

Der MGV „Union“ Bork wusste schon immer, wie man Jubilare feiert

Zum 100-jährigen Jubiläum gaben die Sänger des MGV "Union" Bork ein großes Jubiläumskonzert im ausverkauften Heinz-Hilpert Theater in Selm. © MGV "Union" Bork

„Es lohnt sich wieder, zu feiern!“

Da das 60-jährige Jubiläum ausfallen musste, wurde das 70-jährige im Jahr 1949 mit einem dreitägigen Jubelfest umso größer gefeiert. „Schon nach dem Krieg hat man sich gedacht, es lohnt sich wieder zu feiern“, erklärt Ernst-Jörgen Seiler. 60 aktive und über 60 passive Sänger habe der Chor damals gehabt.

Zum 100-Jährigen 1979 legten die Borker Sänger aber noch einmal eine Schippe drauf: Bei ihrem Jubiläumskonzert sangen sie vor einem ausverkauften Heinz-Hilpert-Theater in Lünen und brachte Ende des Jahres ihre zweite Schallplatte raus. „Wenn man daran zurückdenkt, ist das schon toll“, erinnert sich Ernst-Jörgen Seiler. „Heute freuen wir uns, wenn 200 bis 300 Menschen zu unseren Konzerten kommen.“

„Bässe gegen Tenöre“ wurde ein legendäres Fußballspiel

Doch es waren nicht immer nur die großen Jubilare, die gefeiert wurden. Auch der Kinderchor der Union, die Borker Dorfspatzen, haben viel mit dem MGV gesungen. „Mit denen hat das Singen immer Spaß gemacht“, so Seiler. Auch das legendäre Fußballspiel von 1985, bei dem die Bässe gegen die Tenöre spielten, wird vielen Borkern noch in Erinnerung sein. „Wir als Tenöre haben leider 2:1 verloren und mussten den Bässen ein Fässchen Bier ausgeben“, weiß Seiler.

Der MGV „Union“ Bork wusste schon immer, wie man Jubilare feiert

1985 gab es das große Fußballspiel beim MGV "Union" Bork - Bässe gegen Tenöre. Die Bässe (rot) gewannen mit 2:1 gegen die Tenöre. © MGV "Union" Bork

Über die Jahre hinweg nahmen die Borker auch insgesamt drei Schallplatten und eine CD im Jahre 2008 auf. Erst in den vergangenen Jahren vertonte Scott Lawton mit dem MGV zwei plattdeutsche Texte von Augustin Wibbelt: „Dat Pöggsen“ und „De Sniggel“. „Sonst singt kein Chor diese Lieder“, sagt Ernst-Jörgen Seiler.

Heute hat der Männergesangverein „Union“ Bork noch 40 aktive Sänger. Die ältesten von ihnen sind 84 Jahre alt, der jüngste wird in diesem Jahr 30. Ein Ende des Chors ist nach Ernst-Jörgen Seiler noch nicht Sicht: „Ein Chor der 40 aktive Sänger hat ist nicht akut gefährdet. Bei einem Durchschnittsalter von 66 Jahren wäre es aber natürlich schon schön, wenn wir mehr jüngere Sänger dabei hätten.“

Ein neues Heimatlied wird präsentiert

Denn mittlerweile singt der Chor auch neben Opernchören und klassischer Kirchenmusik auch viele aktuelle Lieder. „Von Santiano über Westernhagen und Reinhard Mey ist eigentlich alles dabei - nur englische Lieder singen wir lieber nicht“, erklärt Seiler lachend.

Die 140 Jahre MGV „Union“ Bork werden in diesem Jahr ordentlich gefeiert: Am 31. März findet in der Kantine des LAFP ein großer Festakt statt, bei dem rund 170 Mitglieder und Ehrengäste zusammenkommen. „Wir sind stolz, dass Regina van Dinther, die Präsidentin des Chorverbandes NRW, dazu kommt und die Ehrungen und Festrede übernehmen wird“, erzählt MGV-Vorsitzender Ernst-Jörgen Seiler.

Doch das große Highlight des Jahres ist die Präsentation des neuen Borker Heimatliedes, das am 29. Juni beim großen Freundschaftssingen mit zwölf verschiedenen Chören aus der Region vorgestellt wird. „Für das Lied haben wir insgesamt sieben Texte eingereicht bekommen“, so Seiler. Doch die Jury konnte sich zunächst zwischen zwei Liedtexten nicht entscheiden. „Also haben wir aus beiden Texten ein Borker Heimatlied gemacht“, erklärt Ernst-Jörgen Seiler stolz.

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