„Das war‘s mit meinem Urlaub“: Das sagen Selmer und Nordkirchener zum Thomas-Cook-Aus

dzAirline-Insolvenz

Der älteste Reiseveranstalter der Welt, Thomas Cook, hat am Montag Insolvenz angemeldet. Viele Kunden, auch aus Selm und Nordkirchen, sind verunsichert. Was müssen Reisende jetzt beachten?

Selm, Nordkirchen

, 23.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Anja Schier und ihren Mann soll es im November nach Kuba gehen. Der einzig große Urlaub in diesem Jahr, mit Vorfreude geplant. Eine Pauschalreise, gebucht im Internet, mit einem Sicherungsschein ausgestellt von Thomas Cook. Nun ist Anja Schier aus Capelle aber nicht mehr so sicher, ob alles klappt.

„Ich habe mir heute die Finger wund geschrieben“, sagt sie. Das Hotel auf Kuba informiert, die Buchungsplattform angeschrieben, überlegt, ob sie die Reise noch stornieren soll oder die Restzahlung von ihrer Kreditkarte stoppen soll. So ganz genau weiß sie es nicht. Die Stornogebühren jedenfalls würden 1800 Euro betragen.

Britischer Veranstalter meldete Insolvenz an

So wie Anja Schier ging es am Montag vielen Urlaubern, nachdem der britische Reiseveranstalter Thomas Cook am Montag die Insolvenz angemeldet hatte. Das ganze ist auch deshalb so kompliziert, weil die deutsche Tochter, die Thomas Cook GmbH mit Sitz in Oberursel, bislang noch nicht insolvent ist.

Zu ihr gehören die Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen. Sie haben zunächst den Verkauf von Reisen gestoppt und Urlauber, die am Montag oder Dienstag reisen wollten, gebeten nicht zum Flughafen gekommen. Thomas Cook schreibt auf seiner Seite, dass für diese Veranstalter letzte Optionen ausgehandelt werden. Den Kunden wird davon abgeraten, in den Call Centern anzurufen. Aktuell haben Kunden von Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin keine Möglichkeit, ihre Reisen zu ändern und zu stornieren, wie der Konzern am Montagabend bekannt gab. Für alle abreisenden Gäste ab Mittwoch werde die Vorgehensweise am Dienstag entschieden.

Geld im Hotel bezahlen

Manche Urlauber, die mit diesen Anbietern unterwegs waren, spürten auch schon erste Konsequenzen: „Mein Bruder ist heute Nacht in die Türkei geflogen und musste im Hotel die Zimmer noch einmal bezahlen, weil Öger Tours nicht das Hotel bezahlt hat, somit wäre er nicht in das Hotel gekommen“, schreibt zum Beispiel Beate Rumphorst aus Nordkirchen. Ihr Bruder hätte sonst zum Flughafen zurück gemusst „ohne gesicherten Rückflug“, wie sie sagt. Auch Tim Speicher aus Selm ärgert sich, er hatte erst am Freitag seine Reise über Neckermann gebucht, „jetzt stehen wir da“, meint er. „Das war’s mit meinem Urlaub“, schreibt Jessica Enßen.

Joachim Horn vom gleichnamigen Reisebüro in Selm rät erstmal dazu, Ruhe zu bewahren. „Ich kann erstmal nur raten, die ersten zwei bis drei Tage abzuwarten“, sagt Horn. Er rät aber in jedem Fall davon ab, die geplante Reise zu stornieren, da der Reiseveranstalter dann auch noch Anspruch auf die Stornogebühren hat. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, befinde sich ohnehin erstmal auf der sicheren Seite, denn in Deutschland gibt es für Pauschalreisen die gesetzliche Insolvenzabsicherung. Das bedeutet, der Kunde wird zum Beispiel aus dem Ausland nach Hause geholt oder er erhält sein Geld zurück. Für noch nicht durchgeführte Flüge erhält er ebenfalls sein Geld zurück.

Thomas Hofmann vom City Reisebüro in der Selmer Altstadt rät dazu, erstmal die Buchungsstellen, also das Reisebüro aufzusuchen, über das gebucht wurde. „Wir kümmern uns und stehen im ständigen Kontakt mit den Veranstaltern“, sagt Hofmann. Bei Ersatzflügen sei aber zu beachten, dass diese dann auch zeitversetzt angeboten werden könnten. Ärgerlich, wenn die Kunden das anders eingeplant hätten. „Gerade für Familien in den Herbstferien“, sagt Hofmann. „Ich hoffe, dass nicht alles in den Herbstferien zusammenbricht“, so Hofmann.

Lesen Sie jetzt