Birgit Schemmel von der Marktbuchhandlung in Selm freut sich, dass die Buchhandlung bald wieder öffnen darf, wenn auch nur unter besonderen Coronaregeln. © Arndt Brede
Buchhandlung

Coronakrise: Einzige reine Buchhandlung in Selm hat wieder eine Perspektive

Der Lockdown hat den Einzelhandel hart getroffen. Nach und nach sind Lockerungen und Öffnungen im Gespräch. Die Marktbuchhandlung gehört zu den Geschäften in Selm, die in Kürze wieder öffnen dürfen.

Es werden 83 Tage vergangen sein, wenn Birgit Schemmel und Christian Kokesch ihre Marktbuchhandlung am Willy-Brandt-Platz in Selm wieder öffnen dürfen. 83 Tage seit dem Lockdown kurz vor Weihnachten 2020. Damals hatte es noch keine konkrete Perspektive gegeben, wann die Buchhandlung wieder öffnen dürfen würde. Zu unsicher war das Infektionsgeschehen.

Nun, das Infektionsgeschehen ist immer noch unsicher und die Coronavirusmutationen tragen auch nicht zur Stabilität bei den Zahlen, geschweige denn zu drastischen Rückgängen der Inzidenzwerte (Infektionsgeschehen der letzten sieben Tage gemessen auf 100.000 Einwohner) bei. Und doch gilt der Buchhandel plötzlich wieder als Branche des täglichen Bedarfs. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, hatte an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert: „Unsere Gesellschaft braucht jetzt geöffnete Buchhandlungen als Orte des kulturellen Austauschs.“ Und: „Die Menschen haben das Bedürfnis nach Perspektivwechsel, Inspiration und gesicherter Information. Wir können daher nicht länger auf unsere geistigen Tankstellen verzichten.“ In Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hätten Kunden dank konsequenter Hygienekonzepte der Buchhändler die letzten Monate über sicher einkaufen können.

Worte, die Christian Kokesch, Inhaber der Marktbuchhandlung Selm, gut gefallen dürften. Zumal eben jener Börsenverein seine Mitglieder über Details aus der Beschlussvorlage für die aktuelle Konferenz zwischen den Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin informiert habe, wie eine Öffnung der Buchhandlungen ablaufen könnte: „Trotz des Lockdowns dürfen Buchhandlungen bundesweit wieder öffnen – es ist Montag, 8. März, im Gespräch. Unter den entsprechenden Coronaschutzmaßnahmen wie Abstand und Mund-Nase-Schutz. Und mit der Auflage ein Kunde pro 20 Quadratmeter.“

Zwei Kunden gleichzeitig im Geschäft

Konkret für die Marktbuchhandlung werde das bedeuten, dass es bei einer Verkaufsfläche von rund 70 Quadratmetern abzüglich der Bücher-Präsentationstische und -Regale auf zwei Kunden hinauslaufen werde, die gleichzeitig ins Geschäft dürfen. In den nächsten Tagen werden Kokesch und seine Partnerin Birgit Schemmel Details planen, wie zum Beispiel, Pfeile für die Laufwege auf den Boden zu bringen, damit eine Art Einbahnstraßensystem Begegnungen zwischen Kunden ausschließen hilft. Um die Coronaschutzmaßnahmen einzuhalten, „werden wir auch größte Sorgfalt bei der Desinfektion der Bücher walten lassen“, sagt Christian Kokesch.

Die neue Öffnungsperspektive „ist extrem wichtig für uns“, sagt der Selmer Buchhändler. Aus seinen Worten ist die große Erleichterung herauszuhören. Das letzte Jahr seit Beginn der Coronapandemie habe seiner Branche und damit auch seinem Geschäft in Selm arg zugesetzt. Der aktuelle Lockdown, der am 16. Dezember 2020 begann, also zu einer Zeit, die wegen des Weihnachtsgeschäftes zu den umsatzstärksten des Buchhandels zählt, habe den Betreibern der Marktbuchhandlung „im vollen Sprint die Beine weggerissen“.

„Rückhalt der Bevölkerung hat uns gerührt“

Gleichwohl: „Wir haben im ersten Lockdown im Frühjahr 2020, als das für alle neu war, positive Rückmeldungen unserer Kunden bekommen. Der Rückhalt für uns war und ist in der Selmer Bevölkerung sehr groß. Da waren wir sehr erstaunt und manchmal auch gerührt.“ Im Rest des Jahres habe die Marktbuchhandlung wegen der immer wieder neuen Maßnahmen wie dem Lockdown light, als nach der Schließung wieder Kunden ins Geschäft durften, ein Auf und Ab erlebt.

Merkwürdigerweise habe es im zweiten Lockdown eine Entwicklung gegeben, mit der er nicht gerechnet hätte: „War im ersten Lockdown den Leuten klar, dass wir da sind und liefern können, war das im zweiten Lockdown oftmals nicht so. Viele Kunden waren überrascht, dass wir im Geschäft erreichbar sind und nicht zuhause sitzen, weil wir staatliche Hilfen beziehen.“ Das sei nämlich nicht so, sagt Kokesch: „Diese Hilfen haben wir wegen zu hoher bürokratischer Hürden erst gar nicht beantragt.“ Und doch habe es viel größerer Mühe bedurft, die Kunden zu motivieren, in der Selmer Buchhandlung einzukaufen.

Vertrauen in den lokalen Handel ist gestiegen

Das Positive in der Coronapandemie sei: „Wir haben immer schon Online-Geschäft und Lieferservice gehabt. Das ist den Kunden in der Coronakrise bewusster geworden. Wir haben sogar Neukunden gewinnen können, sind also bisher mit einem blauen Auge durch die Coronakrise gekommen.“ Überhaupt habe diese Krise auch zu einem Umdenken bei den Kunden geführt: „Sie sehen, dass sie auch lokal einkaufen können, sogar online und wegen der Buchpreisbindung nicht teurer als bei großen Versandhändlern. Und wenn sie am Nachmittag bestellen, ist das Buch am nächsten Morgen bei uns im Geschäft.“ Er hoffe, dass diese Entwicklung, dass das Vertrauen in den lokalen Handel gestiegen ist, nach der Coronakrise bleiben werde.

Aber zunächst einmal gilt es jetzt, das Geschäft wieder zu öffnen. „Und darüber freuen wir uns sehr“, sagt Christian Kokesch. „Denn ich habe den Beruf unter anderem auch ergriffen, weil ich Kontakt zu Leuten habe. Das hat mir total gefehlt.“

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Arndt Brede

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