Corona zum Trotz dürfen Bordelle wieder öffnen - aber nicht in Bork

dzRotlicht in Selm

Mit Beginn der Corona-Pandemie mussten in NRW alle Bordelle schließen. Seit Dienstag (8. 9.) hat das Oberverwaltungsgericht dieses Verbot gekippt. Für den Hanky Panky Club kommt das zu spät.

Bork

, 12.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lichter sind irgendwann im Frühjahr ausgegangen, auch die roten. Seitdem ist der Club an der Gutenbergstraße in Bork geschlossen, und das nicht nur vorübergehend, sondern komplett. Mit Corona, sagt der Vermieter, habe das nur bedingt zu tun.

In diesem Jahr, sagt Horst Baumert, habe er von dem Clubbetreiber aus Oberhausen noch gar kein Geld gesehen. Auch Ende 2019 sei es nicht mehr gut gelaufen mit dem Gewerbe im Gewerbegebiet: einem von zuletzt sieben Bordellen im Kreis Unna.

Unter den sieben Bordellen im Kreis Unna fehlt Bork

„Es gibt aktuell sieben Betriebe“, bestätigt Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna. Der Club Hanky Panky sei da schon nicht mehr mitgerechnet. Doch nachdem er geschlossen hatte, habe ein neuer Betrieb in einer anderen Stadt des Kreises geöffnet. Wo der sich befindet und wo die anderen, will er nicht sagen. „Über den Kreis verteilt“, heißt es nur.

Die Club-Bar in Bork ist Geschichte.

Die Club-Bar in Bork ist Geschichte. © Sylvia vom Hofe

Ähnlich bedeckt hält sich der Kreissprecher, wenn es um die Prostituierten im Kreis Unna geht. 91 sind gemeldet. „Näher schlüsseln wir das aber nicht auf.“ Sonst seien gerade in den kleineren Kommunen Rückschlüsse möglich auf einzelne Sex-Arbeiterinnen und Sex-Arbeiter. Zum Vergleich: Laut IT.NRW waren Ende 2019 für Dortmund 552 Prostituierte gemeldet: ein landesweiter Spitzenwert. Andrea Hitzke, Leiterin der Mitternachtsmission, einer Anlaufstelle für Prostituierte, geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch deutlich höher liegen dürfte. Auch der Wert aus dem Kreis Unna bezieht sich ausschließlich auf die offiziell gemeldeten Prostituierten.

Oberverwaltungsgericht hat Coronabestimmungen widersprochen

Seit Juli 2017 ist das vom Bund beschlossene Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen – kurz Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) – in Kraft. Damit wurden erstmals Rechte und Pflichten für Prostituierte und Gewerbetreibende im Bereich der Prostitution eingeführt. Dazu gehören die Anmeldepflicht sowie die verpflichtende Gesundheitsberatung, die Erlaubnispflicht für den Betrieb eines Prostitutionsgewerbes und die Zuverlässigkeitsprüfung der Betreiberin beziehungsweise des Betreibers. Außerdem bestimmt das Gesetz, dass Prostituierte und ihre Kunden dafür sorgen, dass beim Geschlechtsverkehr Kondome getragen werden.

Selbst wenn alle offiziellen Bedingungen erfüllt waren: Mit der Corona-Pandemie kam das Aus für die Prostitution im Land. Zu groß sei die Ansteckungsgefahr: eine Haltung, der das Oberverwaltungsgericht jetzt widersprochen hat. Alle Bordelle wurden in NRW geschlossen, Prostituierte durften Nicht mehr arbeiten - bis zum 8. September, Seitdem ist die vom Land erlassene Coronaschutzverordnung in Bezug auf das Verbot von sexuellen Dienstleistungen außer Vollzug. Für den Hanky Panky Club hat das keine Konsequenz mehr.

Stadt hatte reine Wohnnutzung im Gewerbegebiet untersagt

Was aus dem 1987 errichteten Gebäude wird? Eigentümer Horst Baumert weiß es nicht. Er habe noch keine Eile damit, sagt er. Dass in seinem Haus in Bork seit rund 15 Jahren besondere Dienstleistungen zu bekommen waren, sei nicht von vorne herein geplant gewesen. Das sei eher eine Trotzreaktion gewesen.

„Wir hatten zwei Wohnungen in dem Haus“, sagt Baumert. Die Stadt Selm habe aber interveniert. Denn reine Wohnnutzung im Gewerbegebiet sei eben nicht erlaubt. Eine gewerbliche Nutzung dagegen schon. Über ein Inserat sei er dann auf jemanden gestoßen, der Räumlichkeiten nutzen wollte für etwas, das immer wieder als das älteste Gewerbe der Welt bezeichnet wird. Dabei gehen die ältesten überlieferten Erscheinungsformen der Prostitution in der Antike auf sakrale Riten zurück.

Genauso wie das Borker Bordell Club hieß, haben auch andere einschlägigen Adressen Namen, die nicht eindeutige Rückschlüsse zulassen. „Wir schauen nicht auf den Namen“, sagt Max Rolke vom Kreis Unna, „sondern auf das, was tatsächlich vor Ort passiert“.

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