Dirk Unger und seinem Unternehmen macht die Corona-Krise schwer zu schaffen. © Sylvia vom Hofe (A)
Fahrdienste

Corona macht den Taxi-Unternehmen in Selm schwer zu schaffen

Es war ohnehin nicht gut bestellt um die Taxi-Unternehmen in Selm. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft. Ein Unternehmen entschied sich für drastische Maßnahmen.

In Selm ein Taxi zu bekommen, ist nicht einfach. Zuletzt entbrannte eine Diskussion darüber, warum die Taxi-Unternehmen nicht auch unter der Woche nachts Fahrten anbieten würden. Das Ergebnis zeigte: Der Bedarf ist nicht vorhanden. Ein Test unserer Redaktion zeigte aber auch: Nicht immer stimmte das Angebot, gerade was kurzfristige Abhol- und Bringwünsche anging.

Dass sich die Situation knapp zwei Jahre später derart dramatisch verschlechtern würde, hätte 2018 wohl niemand vorausgesagt. Doch die Corona-Pandemie mit mittlerweile zwei Lockdowns sowie der Absage diverser Feste und Großveranstaltungen hat die Selmer Taxi-Unternehmen an den Rand der Existenz gebracht. Selbst Silvester, an sich ein Garant für viele Fahrten, brachte keine Linderung, im Gegenteil.

„Wir sind Silvester gar nicht gefahren“, heißt es beispielsweise bei „Easy Car“. Die drei Fahrzeuge des Unternehmens seien allerdings generell im Einsatz – auch zu Pandemie-Zeiten. „Dann natürlich mit den entsprechenden Einschränkungen.“

Gleiches gilt für die Firma „Selmer Taxen e.K.“. Deren Inhaber Norbert Simdon hat eine seiner Taxi-Konzessionen im Dezember wieder abgegeben: „Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt.“ An Silvester habe es kaum Vorbestellungen gegeben, generell sei die Nachfrage um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. „Wir gehen sehr schweren Zeiten entgegen“, sagt Simdon, der seine vier Fahrer derzeit hauptsächlich mit Krankenfahrten über Wasser hält.

Taxi Unger trennte sich von 16 Mitarbeitern

Eine Lösung, die auch Taxi Unger mehr schlecht als recht die Existenz rettet: „Kranken- und Schülerfahrten sichern uns derzeit das Überleben.“ Und das auch nur, weil Geschäftsführer Dirk Unger bereits nach dem ersten Lockdown zu einer drastischen Maßnahme greifen musste: 16 Mitarbeiter, sechs Festangestellte und zehn Aushilfen, wurden entlassen. Von rund 30 Fahrzeugen sind noch acht übrig geblieben. „Natürlich war das eine harte Entscheidung. Aber mit Blick auf die Situation gab es da keine Alternative.“

Denn auch Dirk Unger hat den Einbruch bei der Nachfrage beobachtet: „Es gibt keine Veranstaltungen mehr, die Risikogruppen bleiben zu Hause. Keine Seniorin lässt sich mehr zum Friseur fahren.“ Auch an Silvester blieben die Fahrzeuge in der Garage: „Die zwei, drei Leute, die bei uns vorbestellen wollten, konnten uns nicht einmal eine Uhrzeit nennen, wann sie wo abgeholt werden wollten.“

Dieser Aufwand hätte sich nicht gerechnet – und ob er sich in Zukunft noch rechnen wird, weiß Dirk Unger nicht. „Natürlich hofft man, dass irgendwann alles wieder normal wird.“ Aber ob sein Unternehmen in dieser neuen Normalität noch genauso groß ist wie vor der Pandemie, bezweifelt er.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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