Corona-Gastronomiepause bereitet Getränkehändlern Sorgen - erste Folgen

dzGetränkehändler

Die Coronakrise und der zweite Lockdown trifft die Gastronomie hart. Wie geht es da im Moment Getränkehändlern? Die haben ja keinen Absatz in Richtung Kneipen. Oder gibt es einen Ausgleich?

Selm

, 02.11.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christoph Krevert ist ein erfahrener Mann, wenn es um Getränke geht. Getränke Krevert ist seit 25 Jahren in Selm und beliefert viele Gastronomen. Im Moment aber nicht. Der zweite Lockdown hat den Gastronomiebetrieben eine Schließung im November beschert. Gar nicht gut für Wirte. Auch nicht gut für einen Getränkegroßhändler wie Christoph Krevert.

„Wir beliefern ja hauptsächlich Gastronomie, und wenn die geschlossen hat, liegt der Bereich bei uns natürlich brach“, sagt Krevert, dessen Geschäft seit 2017 unter dem Dach der Firma B&G Getränke arbeitet. Eine Folge des Lockdowns in der Gastronomie sei jetzt schon spürbar: „Ein Großteil der Fahrer ist in Kurzarbeit; anders geht es gar nicht.“ Das Unternehmen habe zwar einen Heimdienst mit regelmäßigen Liefertouren auch in Selm. Oder es müsse noch Leergut bei Gastronomen abgeholt werden. Aber das war es dann auch mit Beschäftigung für die Fahrer.

Gefühlt mehr Konsum privat

Wenn die Menschen derzeit aber ihr Bierchen oder Weinchen nicht in der Kneipe oder im Restaurant trinken können - kommen sie dann verstärkt zum Getränkemarkt und holen sich ihre Getränke nach Hause? „Die Absätze beim letzten Corona-Lockdown waren auf jeden Fall ordentlich“, sagt Christoph Krevert. „Mindestens genau so gut wie sonst auch.“ Er könne es zwar nicht prozentual beziffern, gehe aber davon aus, dass es mehr Privatkonsum geben werde.

Ein wichtiger Punkt dabei sei der sogenannte Heimdienst. „Wer sich gerade in Coronazeiten nicht selber etwas holen möchten, denen liefern wir Getränke nach Hause“, so Krevert. Zweimal in der Woche liefere sein Unternehmen auch nach Selm. Die Bestellung funktioniere online über www.getraenkeexpress.com.

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Vier Wochen muss die Gastronomie jetzt zunächst einmal schließen. Kann eine solche Zeit auch ein Getränkegroßhändler stemmen? „Man muss sehen, welchen Ausgleich es dafür gibt“, antwortet Christoph Krevert. „Das prüfen wir gerade.“ Prüfen also, unter welchen Voraussetzungen eventuell auch ein Getränkegroßhändler an Ausgleichszahlungen beteiligt werden kann. Auch in der Gastronomie werde gerade geprüft, was man beantragen könne. „Das ist ja von der Politik sehr allgemein und manchmal auch sehr verwirrend formuliert.“

Harte Zeiten für viele

Vielleicht ist das auch ein Grund für den Frust, den er bei Gesprächen mit Gastronomen höre. „Aber ganz ohne Unterstützung ist das ja gar nicht machbar. Es sind harte Zeiten für viele.“ Es sei schade, dass die Gastronomie von den aktuellen coronabedingten Schließungen betroffen sei. „Viele haben hervorragende Hygienekonzepte.“

Im Frühjahr hatten Gastronomie-Betriebe wie Restaurants, Cafés und Kneipen schon zwei Monate schließen müssen. „Auch danach war fast kein Betrieb bei 100 Prozent Umsatz normaler Jahre“, sagt Thorsten Lachmann, Geschäftsführung Gastronomie bei Getränke Gefromm, der Redaktion.

Wie er von seinen Geschäftspartnern aus der Gastronomie wisse, habe nach der Wiedereröffnung der Umsatz bei den Restaurants in der Region bei durchschnittlich 70 bis 80 Prozent der Vorjahre gelegen.

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Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein-Westfalen hat die Lage so gekennzeichnet: „Wir haben alles und mehr gemacht, als wir mussten. Jetzt müssen wir schließen, obwohl wir kein relevanter Faktor im Infektionsgeschehen sind. Wir sind frustriert“, sagt Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen. Die angekündigten Ausgleichszahlungen, die der Dehoga für alle betroffenen Betriebe aus Gastronomie und Hotellerie gefordert hatte, müssten schnell, umfassend und unbürokratisch ausbezahlt werden, sagt Niemeier.

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