Café Bück‘ dich in Cappenberg: Der Umbau läuft innen und außen

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Das Haus gehört zu den ältesten im Selmer Ortsteil Cappenberg: Es steht am Cappenberger Damm und wurde früher im Volksmund „Café Bück‘ dich“ genannt. Jetzt wird es umgebaut.

Cappenberg

, 14.07.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Häuschen am Cappenberger Damm 16 macht äußerlich einen traurigen Eindruck. In ihm wurde vor fast 100 Jahren das „Café Bück’ dich“ eingerichtet und über ein paar Jahrzehnte betrieben. Das Café gibt es längst nicht mehr. Aber das kleine, recht alte Fachwerkhaus, das seinen ganz eigenen Charme hat, steht noch. Zugegeben: Es vermittelt nicht gerade den Eindruck, eine architektonische Perle zu sein. Aber seine Besitzerin Petra Nordt hat sich vorgenommen, ihr Geburtshaus herzurichten um dort wieder einzuziehen.

Nach dem „Entkleiden“ der Fassade wurde in den vergangen Wochen das Innenleben entkernt. Und dabei kamen die alten Strukturen des „Café Bück’ dich“ wieder zum Vorschein.

Original-Urkunde erhalten

Sehr gut nachzuvollziehen war alles auch durch die original Urkunden und Papiere aus den 1930er-Jahren. Da reichte der Bergmann Friedrich König seine Umbaupläne für das Wohnhaus zu einer Schankwirtschaft (alkoholfrei) bei der Behörde ein. Die Genehmigungsurkunde wurde ihm am 20. Mai 1922 ausgehändigt, der Umbau konnte beginnen.

Der Gastraum des ehemaligen Cafés sieht heute so aus: Das Haus wird gerade umgebaut.

Der Gastraum des ehemaligen Cafés sieht heute so aus: Das Haus wird gerade umgebaut. © Günther Goldstein

Eigentlich hieß das Café „Kaffee König“. Im Volksmund etablierte sich allerdings der Name: Café Bück‘ dich, bei dem sich natürlich jeder sofort fragt: Wie kommt es zu diesem Namen? Das ist schnell erklärt: Die Tür zum Eingang des Cafés war so niedrig, dass sich jeder bücken musste, bevor er eintreten konnte.

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Heute kann man die alte Kaffeestube wieder gut erkennen, nachdem alles beseitigt wurde, was im Laufe der Jahre verändert wurde. Sie hatte eine Fläche von gut 24 Quadratmetern und war über den kleinen Laden, durch den die Gäste das Haus betraten, zu erreichen.

An der Innenwand war ein Kachelofen eingelassen, der Gaststube und Küche wärmte, von der Küche aus wurde er befeuert. Daneben befand sich eine Durchreiche, wo die Bedienung die Bestellungen der Gäste aus der Küche entgegen nahmen.

Gerüst außen am Haus

An der Stirnwand der Gaststube gab es eine Tür, über die die Besucher zu den Toiletten für Herren und Damen gelangten. In dieser Wand befand sich auch ein kleiner Backofen, der über den dahinter liegenden Raum zu erreichen war. Dort war auch der Niedergang in den Keller, der in Zukunft nicht mehr benutzt werden soll und verfüllt wird.

Der Kellerzugang

Der Kellerzugang © Günther Goldstein

Aus der jetzt freigelegten alten Raumsituation soll nun ein der heutigen Zeit angepassten Wohnstätte werden. Dazu geben sich nun die Handwerker die Klinke in die Hand, um die Ideen der Besitzerin in die Realität umzusetzen. Das wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagt Petra Nordt im Gespräch mit der Redaktion.

Als Zeichen, dass es weitergeht, wird in den nächsten Wochen ein Gerüst das Haus umgeben, um Fassade und Dach instand zu setzen. Parallel dazu läuft der Innenausbau.

Der Backofen von damals ist noch gut zu erkennen.

Der Backofen von damals ist noch gut zu erkennen. © Günther Goldstein

Übrigens: Es gibt auch noch ein anderes Café Bück‘ dich. Und das hat sogar noch geöffnet. In der Stadt Sangerhausen hat ein Café-Betreiber sein Lokal so genannt. „Wir waren auf der Suche nach etwas Kurzem, Knackigem und Witzigem. Irgendjemand in der Runde ist dann auf Café „Bück‘ dich“ gekommen und dementsprechend wurde der Eingang zum Gastraum so dekoriert, dass man sich als größerer Mensch erst mal bücken muss, um das Café zu betreten“, heißt es dazu auf der Homepage des Cafés.

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