„Keinen Zollstock drangehalten“: Selmer wegen Corona-Bußgeld vor Gericht

dzOrdnungswidrigkeit

Vor dem Supermarkt traf ein Selmer Bekannte und verstieß damit gegen das Versammlungsverbot in Corona-Zeiten. Mit seinem Einspruch befasste sich nun das Lüner Amtsgericht.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 02.07.2020, 10:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am späten Nachmittag des 27. März machte sich der 36-jährige Familienvater aus Selm auf den Weg, um sich etwas alkoholischen Nachschub zu beschaffen. Als er sein Ziel erreichte, begegneten ihm vor dem Geschäft zwei Bekannte. Er kaufte seinen Flachmann, kam aus dem Laden und stellte sich dazu. Und das trotz der damals geltenden Corona-Abstandsregeln in der Öffentlichkeit.

Die verbotene Nähe fiel Mitarbeitern des Ordnungsamtes auf. Es kam offenbar zum Disput und der endete für den Selmer mit 200 Euro Ordnungsgeld plus Gebühren. Ganz davon zu schweigen, dass er sich in dem Kontext demnächst vermutlich in einem gesonderten Strafverfahren auch noch wegen Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten muss. Doch zunächst ging es um das verhängte Ordnungsgeld, das er so nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Dem Einspruch folgte nun die Verhandlung und dort zeigte sich der 36-Jährige überraschend einsichtig. Den Verstoß stellte er gar nicht in Abrede. In der Situation habe er um eine Zigarette gebeten, habe Tabak und Blättchen erhalten und begonnen, zu drehen. Vielleicht sei er etwas näher dran gewesen. „Ich habe keinen Zollstock drangehalten“, gab er zu.

Seine Rechtsanwältin offenbarte, worum es ihrem Mandanten tatsächlich ging. Zum einen störe es ihn, dass nur er Ordnungsgeld zahlen solle, zum anderen hoffe der Selmer darauf, dass der Betrag vielleicht halbiert werden könne. Schließlich sei das Ganze doch kein „bewusstes und gewolltes Zusammenkommen“ gewesen. Der Richter konterte trocken: Bei bewusst und gewollt stünde aber auch ein Bußgeld in ganz anderer Höhe im Raum.

Betrag wird halbiert

Allerdings merkte er nahezu im selben Atemzug an, dass auf den Betroffenen mit dem Strafverfahren noch deutlich Unerfreulicheres zukomme. Auch wertete er die Einlassung des 36-Jährigen als Geständnis. Aus diesen Gründen kam er dem Antrag der Anwältin, das Bußgeld auf 100 Euro zu reduzieren, nach und verkündete einen entsprechenden Beschluss.

Auch erhält der Selmer, der gerade arbeitslos ist und deshalb jeden Cent mehrfach umdrehen muss, die Möglichkeit, den Betrag in Raten zu bezahlen. Der bedankte sich höflich, wünschte den Beteiligten noch einen schönen Tag und verschwand. Wohlwissend, dass ihn der Vorfall bald vermutlich noch einmal ins Amtsgericht Lünen führen wird. Dann, im Falle einer Verurteilung, dürfte das Ganze nicht mehr mit 100 Euro plus Gebühren und Verfahrenskosten enden.

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