Bürgermeister von Selm? Hubert Seier (UWG) verfolgt andere Ziele

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Sechs Kandidaten bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Selm. Wer die Nachfolge von Mario Löhr antreten wird, entscheidet sich am 13. September. Wer es nicht tun wird, steht schon fest.

Selm

, 10.07.2020, 21:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aller guter Dinge sind drei. Vielleicht auch bei den Kommunalwahlen am 13. September? Hubert Seier, der Vorsitzende der UWG Selm, hatte sich diese Frage gestellt und mit Parteifreunden und auch Vertretern anderer politischer Gruppen in der Stadt immer wieder diskutiert. Jetzt ist seine Entscheidung gefallen - gegen eine dritte Kandidatur für das Amt als Chef der Stadtverwaltung und erster Bürger der Stadt. Ein anderes Ziel ist ihm wichtiger.

Ziel: „Nicht mehr als 50 Prozent für die Groko“

„Groko ablösen.“ Auf diese zwei Worte bringen der UWG Vorsitzende Hubert Seier und die UWG-Fraktionsvorsitzende Maria Lipke in einer Pressemitteilung ihr Hauptanliegen für die bevorstehende Wahl. Nach 16 Jahren gelte es, die Volksparteien abzuwählen - und die Rolle der UWG als stärkste Oppositionskraft auszubauen. SPD und CDU - die lokale Groko - dürften nicht mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen. Anders als 2014.

Bei der jüngsten Wahl hatte die SPD 32,82 Prozent der Stimmen erzielt und lag damit hauchdünn vor der CDU mit 32,38 Prozent. Die Unabhängige Wählergemeinschaft wurde mit 19,18 Prozent drittstärkste Kraft im Selmer Rat - aber zu schwach, um Entscheidungen zu verhindern, die Lipke und Seier als falsch bezeichnen: zum Beispiel den Bebauungsplan „Wohnen am Auenpark“, der hinter seinen ursprünglich hohen gestalterischen Ansprüchen zurückbleibe. Die Reihe der Kritikpunkte ist lang.

Die Liste der Fehler der Stadt

Die UWG-Spitze nennt noch die Entscheidung zum Abriss der acht alten Häuser an der Kreisstraße, den drohenden Abriss des Kirchringes in Bork, die als halbherzig gerügte Klimapolitik, die Erhöhung der Steuern und Elternbeiträge sowie den Abriss der Lutherschule trotz lauter Kritik aus der Bürgerschaft.

Wenn die UWG mit so vielem unzufrieden ist: Warum schickt sie dann keinen eigenen Kandidaten für das Spitzenamt ins Rennen? Dass Seier nach 2004 und 2009 kein drittes Mal antreten werde, begründet der 60-Jährige mit „politischen und privaten Gründen“. Nicht zuletzt die persönlichen Angriffe, die es in der Vergangenheit vermehrt im Selmer Rat und in den Ausschüssen gegeben habe, hätten ihn davon Abstand nehmen lassen. „Gegen leidenschaftliche Auseinandersetzungen in der Sache habe ich nichts, ganz im Gegenteil.“ Doch dabei sei es zuletzt selten geblieben.

Bürgermeister ist kein Traumjob

Und was ist mit anderen möglichen Kandidaten? „Die UWG will jünger und weiblicher werden“, sagt Seier. Er freue sich, dass es gelinge, junge Leute für die Ziele der Unabhängigen zu gewinnen - aber nicht für das Bürgermeisteramt, wie Maria Lipke ergänzt: „70-Stundenwoche und immer im öffentlichen Fokus: das ist kein Traumjob.“

Lipke selbst wird sich aus dem Rat verabschieden, „aber nicht aus dem Vorstand der UWG und aus der Kommunalpolitik“, sagt die 71-Jährige. Seier mit Listenplatz eins für die UWG wiIl die Politik weiter aus der ersten Reihe mitgestalten - nicht nur in Selm, sondern weiterhin auch im Kreistag. Die UWG werde im Kreis Unna in allen 30 Wahlbezirken antreten und versuchen, wieder in den Kreistag einzuziehen, sagt der promovierte Diplom-Agraringenieur und selbständiger Unternehmensberater.

Podiumsdiskussion der Ruhr Nachrichten am 12. August

Auch ohne eine Kandidatur der UWG in Selm ist die Auswahl größer als in den Vorjahren: Sechs Kandidaten wollen Bürgermeister werden. Thomas Orlowski (SPD), Michael Zolda (CDU), Marion Küpper (Grüne), Robin Zimmermann (FDP), Ralf Piekenbrock (Familienpartei) und der parteilose Willi Gryzcan-Wiese.

Die Ruhr Nachrichten haben alle Kandidaten für den 12. August, 18 Uhr, zur öffentlichen Podiumsdiskussion ins Bürgerhaus eingeladen. Die Veranstaltung wird auch im Internet zu sehen sein.

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