Hausarzt Matthias Schröder kritisiert das NRW-Gesundheitsministerium für die Absage, dass Hausärzte nicht Menschen über 80 in Praxen impfen dürfen. © Thomas Aschwer (Archiv)
Hausarzt-Impfvorstoß

Borker Hausarzt kritisiert NRW-Ministerium für Absage von Hausarztimpfungen

Der Kampf von Ärzten und Bürgern darum, dass Hausärzte in Selm Menschen über 80 impfen sollen, hat auch das NRW-Gesundheitsministerium erreicht. Dessen Aussage ist ärgerlich, sagt ein Hausarzt.

Matthias Schröder ist Hausarzt in Bork. Dass Menschen über 80 bis nach Unna zum für Selm zuständigen Impfzentrum fahren sollen, um sich gegen Corona impfen zu lassen, hatte ihn in der jüngeren Vergangenheit bewogen, in Selm eine Initiative nach Lüner Vorbild zu starten: Selmer Hausärzte sollen diese Menschen impfen können, in den Praxen oder in geeigneten Räumen in Selm, also nahe bei den Patienten, fordert er.

Schröder hatte Zuspruch bekommen. Von Ärzten. Von der Selmerin Gerda Bauhaus, die an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann geschrieben hat, um unter anderem für den Schröder-Vorstoß zu kämpfen. Der Minister ließ sein Team antworten: „Ihr Vorschlag, die Impfung an die Hausärzte zu übertragen, ist mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen leider noch nicht möglich. Es handelt sich dabei um einen extrem kühlungsbedürftigen Impfstoff und eine korrekte Lagerung können Hausarztpraxen nicht gewährleisten, die Impfzentren hingegen schon.“

Arzt: Ministerium liefert Standardformulierung

Und diese Antwort bringt Matthias Schröder auf die Palme: „Das ist eine Standardformulierung.“ Vor allem, dass die Ärzte nicht in der Lage sein sollen, den Impfstoff zu handhaben, wie er es aus der ministeriellen Antwort lese, ärgere ihn, sagt Matthias Schröder gegenüber der Redaktion. „Das ist Quatsch.“ Was ihm klar sei, sei, dass er den Impfstoff, der minus 70 Grad benötige, in seiner Praxis nicht lagern könne. „Aber im Pflegeheim wird der Impfstoff ja auch um 7 Uhr morgens geliefert und wird dann – straff organisiert natürlich – mittags verimpft. Und wer impft den Impfstoff? Herr Laumann? Nein, das machen die Hausärzte. Und die Hausärzte sind laut Aussage des Gesundheitsministeriums nicht in der Lage, das zu handhaben?“ Wenn denn schon Hausärzte den Impfstoff in Pflegeheimen verimpfen, „wo ist das Problem, den Impfstoff in die Praxen zu schicken, wo er dann ja auch von den Hausärzten verimpft wird“.

Die Begründung des Ministeriums hält der Borker Mediziner für fadenscheinig. „Natürlich sind wir in der Lage, den Impfstoff zu handhaben. Natürlich können wir den nicht lagern, keine Frage. Aber das müssten wir auch nicht. Wenn er morgens geliefert wird, wird er an dem Tag geimpft.“ Das könne in den Praxen organisiert werden. „Wir gucken, wie viele Patienten wir haben und wie viel Impfstoff wir brauchen. Dann können wir bestellen. Und wenn der Impfstoff kommt, dann kann er natürlich von uns gehandhabt werden.“

Das gelte natürlich für den Fall, dass Impfstoff zur Verfügung stehe. Was derzeit ja nicht der Fall sei. Kopfschütteln löst in dem Zusammenhang ein weiterer Satz aus der ministeriellen Antwort an Gerda Bauhaus aus: „Sobald ein geeigneter Impfstoff zur Verfügung steht, werden auch die Arztpraxen anfangen zu impfen.“ Der Impfstoff von AstraZeneca zum Beispiel, den die Europäische Kommission zugelassen habe, sei jedoch nur für Menschen bis 65 Jahren zugelassen, gibt Schröder zu bedenken. Der nütze Menschen über 80 also gar nicht.

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Arndt Brede

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