Das Bestattungshaus Medding in Selm hat den Generationenwechsel geschafft. Annika Medding hat sich langsam an den Beruf der Bestatterin herangetastet - und ihre persönliche Berufung gefunden.

Selm

, 05.09.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Beruf, für den sich Annika Medding (33) entschieden hat, ist nicht wie jeder andere. Vor rund einem Jahr stieg sie in das Bestattungshaus der Familie ihres Mannes Christian Medding (40) ein. Die 33-Jährige hat zuvor als IT-Beraterin gearbeitet. Zweifel an ihrer Entscheidung hatte Annika Medding zu keiner Zeit. Im Gegenteil: Die Arbeit als Bestatterin gibt ihr genau das, was sie in ihrem alten Beruf vermisst hat.

Dass sich Annika Medding in ihrer neuen Arbeit so wohlfühlt, liege zu großen Teilen auch daran, dass sie behutsam habe einsteigen können, erklärt sie. Seit fünf Jahren sind sie und Christian Medding ein Paar, seit zwei verheiratet - kennen würden sich die beiden aber schon seit Jugendzeiten, sagt der 40-Jährige. Nach und nach hat sie in den vergangenen Jahren das Familienunternehmen ihrer Schwiegereltern und ihres Mannes und damit die Arbeit im Bestattungshaus Medding kennengelernt.

„Jede Beisetzung ist individuell.“
Annika Medding

Der behutsame Einstieg spätestens seit 2019 sei gerade ihrem Schwiegervater sehr wichtig gewesen, macht Annika Medding deutlich. Auch er selbst sei nach und nach an die Arbeit in dem Unternehmen seiner Eltern herangeführt worden, erinnert sich Christian Medding. Ungefähr seit seinem 14. Lebensjahr arbeite er in dem Bestattungshaus mit, sagt er. Im Bestattungshaus helfe er nach wie vor - vor allem abends und am Wochenende. Der 40-Jährige arbeitet im Hauptberuf in seinem Ingenieurbüro in Lüdinghausen. Ohne den Familienbetrieb in Selm gehe es aber einfach nicht, sagt er.

Die Arbeit im Bestattungshaus bedeutet, täglich mit dem Tod konfrontiert zu sein. Mit der Trauer der Angehörigen und der großen Aufgabe, einen geliebten Menschen angemessen und im Sinne der Familie zu verabschieden.

„Jede Beisetzung ist individuell“, erklärt Annika Medding. Das beginne mit den Umständen, unter denen ein Mensch gestorben ist. „Ist es ein junger oder ein alter Mensch? Ist er plötzlich und unerwartet gestorben, oder nicht?“ Das und vieles andere seien Faktoren, die bei der Begleitung der Angehörigen eine Rolle spielten, sagt die 33-Jährige.

Christian (v.l.), Annika und Herbert Medding

Christian (v.l.), Annika und Herbert Medding © Bestattungshaus Medding

Für Annika und Christian Medding stehe bei all dem im Mittelpunkt, für die Angehörigen da zu sein. „Wir sind jeden Tag mit dem Tod konfrontiert, die Angehörigen nicht“, erklärt Annika Medding. Die Unterstützung beginne schon beim ersten Anruf der Angehörigen im Bestattungshaus. Der kann durchaus auch mitten in der Nacht passieren, sagt Christian Medding. „Man ist im Grunde 24 Stunden lang im Einsatz, sieben Tage die Woche“, ergänzt er.

Ab dem ersten Gespräch mit den Hinterbliebenen bestehe die Aufgabe auch zu einem großen Teil aus Trauerbegleitung. „Wir versuchen, eine Balance zwischen emotionaler Nähe und professioneller Distanz zu halten“, beschreibt es Annika Medding. „Aber am Ende sind wir auch einfach Menschen“, fügt sie hinzu.

„Wir versuchen, eine Balance zwischen emotionaler Nähe und professioneller Distanz zu halten.“
Annika Medding

„Teilweise sitzt man dann auch da und hat einen Kloß im Hals, oder Tränen in den Augen“, sagt Christian Medding. Nicht alle Gespräche müssten aber automatisch von Trauer bestimmt sein. Häufig würden Angehörige auch einfach lustige Anekdoten und schöne Erinnerungen an die Verstorbenen erzählen.

Denn im Vergleich zu früher seien Beerdigungen mittlerweile viel individueller auf den Charakter und Vorlieben des Verstorbenen zugeschnitten. Statt des Eichensargs, der früher häufig genommen wurde, werden jetzt immer häufiger Särge und auch Urnen so gestaltet, wie es dem Verstorbenen aus Sicht der Angehörigen am besten gefallen hätte. Das setze sich fort bei den Trauerkarten, der Musikauswahl bei den Bestattungen und dem Redner, beziehungsweise der Rednerin.

Annika Medding hat diese Nachfrage zum Anlass genommen, um eine Ausbildung zur Trauerrednerin zu absolvieren. Ziel dabei sei es, den Verstorbenen selbst, sein Leben und die gemeinsame Zeit mit den Angehörigen in den Mittelpunkt zu stellen, erklärt Annika Medding.

Corona-Pandemie bedeutete neue Herausforderungen

Auch, wenn die Corona-Pandemie den gewohnten Ablauf für die Bestatter und die Angehörigen noch einmal durcheinander geworfen hat, ist sich Annika Medding mittlerweile sicher: „Für mich ist der Beruf eine Berufung.“ Anders als in ihrem früheren Beruf als IT-Beraterin sei sie nicht mehr an Abgabetermine, Budgets oder Vorgaben eines Managements gebunden, erklärt die 33-Jährige. In ihrem neuen Beruf gehe es einzig und allein um die Menschen. „Man kann helfen und den Angehörigen in einer für sie ungewohnten und kaum zu bewältigenden Situation beistehen“, erklärt Medding weiter.

Daran hat sich auch in der Corona-Krise nichts geändert. Obwohl es für die Meddings auch nicht gerade einfach war, Trauerfeiern vorzubereiten, wenn sich die gesetzlichen Vorgaben teilweise innerhalb weniger Tage geändert haben. Mittlerweile seien Trauerfeiern wieder - unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln - ohne Beschränkung der Gäste-Anzahl möglich.

Generationenwechsel ist abgeschlossen

Das Wichtigste für das Familienunternehmen: Mit dem Einstieg seiner Frau Annika sei der Generationenwechsel im Bestattungshaus Medding jetzt gesichert, macht Christian Medding deutlich. Zurzeit liegt ein großes Augenmerk der Familie auf den Abschiedsräumen in Bork. Nachdem 2010 die Trauerhallen in Selm, Bork und Cappenberg privatisiert wurden und die Meddings sie betreiben, wurde zunächst die Trauerhalle in Selm modernisiert.

Sie wurde heller und größer gestaltet. So sei auch der Umbau in Bork geplant, sagt Christian Medding. Die genaue Planung werde derzeit gemeinsam mit einem Architekten erstellt. Anfang 2021 soll die Modernisierung in Bork dann beginnen, kündigt Medding an.

Lesen Sie jetzt