Der Kran dreht sich über dem Borker Amtshaus. © Sylvia vom Hofe
Stadtverwaltung Selm

Bauarbeiten am Amtshaus Bork fallen in die Phase der Kostenexplosion

So kräftig wie zurzeit sieht man Menschen im Amtshaus Bork selten arbeiten. Der Schweiß steht ihnen auf der Stirn - nicht vom Bearbeiten der Verwaltungsvorgänge, sondern vom Bauen.

Passanten auf der Hauptstraße fällt kaum etwas auf. Der repräsentative Putzbau mit herrschaftlichem Treppenaufgang, Balkon und Türmchen auf dem breiten Dach scheint so wie schon seit 110 Jahren auszusehen – wenn sich dahinter nicht ein grauer Metallarm erheben würde. Langsam schwenkt er rechts herüber in Richtung der nüchternen Anbauten aus den 1950er und 70er-Jahren und dann wieder zurück. Seit zwei Wochen präsentiert sich das Amtshaus in Bork als Großbaustelle – zumindest auf den zweiten Blick.

Vom Parkplatz hinter dem Gebäude aus wird das ganze Ausmaß der Arbeiten deutlicher. Zwischen den beiden neueren Gebäudeteilen klafft eine Lücke: ein mit Zäunen abgeschirmtes Baufeld. Mitarbeiter eines Ahauser Bauunternehmens machen sich dort bei hochsommerlichen Temperaturen zu schaffen: ein Knochenjob. Sie wischen sich immer wieder den Schweiß von der Stirn, denn die Stadtverwaltung Selm lässt anbauen – ein Vorhaben, das nach mehr als vier Jahren jetzt umgesetzt wird. Und die nächste Baumaßnahme 2023 steht schon in den Startlöchern.

Stadtsprecher Malte Woesmann gibt sich angesichts der Großbaustelle in der Stadtverwaltung einsilbig. „Die Rohbauarbeiten für den Anbau des Bürgerbüros beziehungsweise für die Errichtung des Aufzugs im Altbau laufen“, sagt er nur auf Anfrage. Und dass die Fertigstellung der Maßnahme im ersten Halbjahr 2022 erfolgen solle: ein weit gestecktes Ziel. Zumal der nächste neue Aufzug schon ein Jahr später auf seinen Einbau wartet.

2023 soll der nächste Aufzug eingebaut werden

Der nüchterne Anbau des Amtshauses hat schon jetzt einen Aufzug. Allerdings einen, der „dem heutigen barrierefreien Standard“ entspricht, wie es im aktuellen Haushaltsplan nachzulesen ist. Deshalb sei Ersatz nötig: ein neuer Aufzug für 120.000 Euro. 2023 will die Stadt ihn einbauen lassen. Jetzt ist erst einmal der unter Denkmalschutz stehende Altbau an der Reihe.

Zwischen den Baukörpern entsteht das neue Bürgerbüro. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Dass Menschen mit Handicap nicht direkt in die oberen Stockwerke des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gelangen können – etwa in den historischen, Ratssaal, der ein beliebter Raum zum Heiraten ist -, hatte der Stadtrat schon 2017 als nicht hinnehmbar empfunden. Damals entstand die Idee zum Bau eines Aufzuges auch dort. Damit der Lift Platz findet, müssen Wartebereich und Bürgerbüro jedoch weichen – in den Anbau, der gerade entsteht. 460.000 Euro hatte die Stadt dafür ursprünglich veranschlagt – zu wenig, wie bereits 2019 feststand.

Kostensteigerung schon vor der Kostenexplosion

Wegen zusätzlicher Brandschutzmaßnahmen werde die Sache teurer: Mindestens 200.000 Euro mehr seien nötig. Das war vor der Corona-Pandemie und vor der aktuellen Kostenexplosion in der Baubranche. Wie der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes mitteilt, seien 2020 mit Ausbruch der Pandemie weltweit Produktionsmengen gestoppt worden. Die Nachfrage – vor allem in China – sei anschließend wesentlich schneller gestiegen als Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten. Was der extreme Preisanstieg für den Amtshausumbau bedeutet, hat die Stadt noch nicht beziffert.

Bei den Bauarbeiten alleine bleibt es nicht. „Durch die baulichen Veränderungen und der damit verbundenen Erweiterung des Bürgerbüros ist es notwendig die IT-Ausstattung an die neuen, erweiterten Gegebenheiten anzupassen“ – für 20.000 Euro. Das ist auch im aktuellen Haushaltsplan nachzulesen. Die neue Anrufanlage fürs neue Bürgerbüro schlägt mit 12.000 Euro zu Buche.

Damit die Bauarbeiter überhaupt vor zwei Wochen (12. Juli) starten konnten, war im vergangenen Herbst ein großes Stühlerücken nötig. Das Bürgerbüro musste innerhalb des Amtshauses umziehen. Gelegenheit, es anzuschauen, gibt es wegen Corona derzeit aber kaum. Erst ab dem 16. August wird das Bürgerbüro wieder ohne Termin zu besuchen sein – zumindest an zwei Tagen pro Woche.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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