Der Vollmond am Abendhimmel - so friedlich wie das aussieht, hört sich die Nacht in Selm nicht immer an, wie ein Bürger jetzt bei der Ratssitzung gesagt hat. © picture alliance/dpa
Vorwürfe

Autorennen und Schüsse in der Nacht: Wie laut ist es nachts in Selm?

Immer wieder, sagt ein Selmer, höre er nachts Autoreifen quietschen, als würde ein illegales Rennen stattfinden. Auch Schüsse würde er manchmal hören. Gibt es dazu Hinweise bei der Polizei?

Er schlafe eigentlich nachts gern mit offenem Fenster, sagt der Selmer in das Mikrofon im Bürgerhaus in Selm – und schaut dabei nach vorne, wo der Bürgermeister der Sitzung des Stadtrates vorsitzt. „Aber in Selm ist es einfach extrem laut.“ Und damit meint der Bürger noch nicht einmal unbedingt gewöhnlichen Straßenlärm. Sondern Schüsse, die immer wieder zu hören seien. Oder quietschende Reifen von mutmaßlich illegalen Autorennen. Oder Pyrotechnik.

Alles Dinge, die die Nachtruhe natürlich stören. Und nicht gerade zu einem Sicherheitsgefühl beitragen. Aber: Hört man sie in Selm tatsächlich so oft? Zumindest bei der Polizei ist das nicht bekannt. „Eine Recherche in unserem Einsatzsystem hat seit Anfang des Jahres keine Einträge in Bezug auf Schüsse oder verdächtige Geräusche im Bereich Selm ergeben“, erklärt Polizei-Sprecherin Vera Howanietz auf Anfrage der Redaktion. Auch in Bezug auf illegale Autorennen gelte die Stadt Selm nicht als Brennpunkt.

Illegales Autorennen im März

Das Rennen, das sich am 17. März, drei Selmer offenbar auf Selms Straßen geleistet hatten, ist also eher eine Ausnahme. Vielleicht war es aber auch einfach die Ausnahme, dass die Polizei bei diesem Vorfall so schnell vor Ort sein konnte. Ein Polizist hatte bei seinem Weg zur Arbeiten ein verdächtiges Motorrad gesehen, war diesem gefolgt und konnte dann das illegale Rennen beobachten.

Eine Situation, die natürlich nicht unbedingt zur Normalität gehört. Da wäre es dann eher so, dass jemand etwas Auffälliges hört oder sieht und dann die Polizei anruft. „Gehen Hinweise auf Schüsse oder andere verdächtige Geräusche ein, wird dieser Einsatz an ein Einsatzmittel zur Überprüfung vergeben. Da es sich jedoch häufig nicht um andauernde Geräusche handelt, können in vielen Fälle keine Feststellungen getroffen werden“, erklärt Vera Howanietz.

Gibt es denn in jeder Nacht Streifen in Selm – wie präsent ist die Polizei in den Abendstunden in Selm? Eine Frage, auf die die Polizeisprecherin nicht antwortet. Aus folgendem Grund: „Zu taktischen Dingen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen. Es ist nicht vorhersehbar, wann sich ein Streifenwagen wo befindet, da das Einsatzaufkommen und die Einsatzörtlichkeiten nicht planbar sind. Unsere Einsatzmittel sind 24/7 in den Kommunen der Kreispolizeibehörde Unna im Einsatz“, erklärt sie.

Ordnungsamt „sicher nicht“ nachts unterwegs

In Selm gibt es aber auch eine so genannte Ordnungspartnerschaft zwischen der Polizei und dem Ordnungsamt. Auch die, so schlug es der Bürger, der die Schüsse in der Ratssitzung angesprochen hatte, könnte man doch da mehr in die Pflicht nehmen. Ein Vorschlag, dem Bürgermeister Thomas Orlowski direkt eine Absage erteilte. „Die Ordnungspartnerschaft ist da, die lebt auch“, sagte er. Aber nachts? „Da wird unser Ordnungsdienst sicher nicht unterwegs sein“, sagte der Chef der Verwaltung.

Termine für die Ordnungspatenschaft, so erklärt es Vera Howanietz, sprechen die Bezirksbeamten vor Ort in der Regel direkt mit dem Ordnungsamt ab. Sie gehen dann gemeinsam auf Streife. „Dies erfolgt meistens spontan zu unterschiedlichen Zeiten. Aber auch bei Veranstaltungen (so denn Corona mal vorbei ist) oder auch nur bei gutem Wetter werden gemeinsame Streifen vorgeplant und auch entsprechend durchgeführt“, so die Polizeisprecherin.

Aber eben nicht nachts. Für alle, die zu später Stunde Schüsse oder etwas anderes Auffälliges hören, hatte der Bürgermeister einen Tipp: „Wählen Sie die 110!“ Das absolut richtige Verhalten, wie auch Polizeisprecherin Vera Howanietz deutlich macht: „Die Polizei ist grundsätzlich auf Bürgerhinweise angewiesen, um die gemeldeten Feststellungen verifizieren zu können.“

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Marie Rademacher

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