Warum die Ausstattung einer Borker Praxis bald in Ghana steht

Solidaritätskrankenhaus

Gerade noch in Bork und bald in einer 28-Millionen-Stadt in Afrika. Die Praxisausstattung der Borker Ärztin Angela Schulze-Lutum soll ein zweites Leben in einem besonderes Projekt erhalten.

Bork

, 28.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum die Ausstattung einer Borker Praxis bald in Ghana steht

Mitglieder des Vereins Krankenhaus Ghana aus Dortmund vor einem der Container, die bald nach Ghana verschifft werden. In dem Container ist unter anderem auch die Ausstattung aus einer Borker Praxis. © Sabine Geschwinder

So gut wie leer ist inzwischen die Praxis der Borker Ärztin Dr. Angela Schulze-Lutum in der Straße Auf der Schlucht. Nur ein paar Möbel stehen dort noch, unter anderem das große rote Sofa, das viele Patienten mit der Praxis verbunden haben dürften. Ab dem 1. Oktober wechselt die Allgemeinmedizinerin in die Praxis Schröder auf der Hauptstraße.

Vieles aus ihrem Praxisinventar wird allerdings einen viel weiteren Weg zurücklegen. Mikroskope, Liegen und der Stuhl zur Blutabnahme reisen in die 28 Millionen Stadt Accra, die Hauptstadt von Ghana. „Das Praxisinventar können wir dort gut für die Ambulanz gebrauchen“, sagt Peggy Griewel, die beim Verein Krankenhaus Ghana für die Spendenakquise zuständig ist.

Warum die Ausstattung einer Borker Praxis bald in Ghana steht

Das Team um Dr. Angela Schulze Lutum (vorne rechts) und Mitglieder des Vereins Krankenhaus Ghana in der ehemaligen Praxis der Ärztin. Viele Möbel stehen dort nicht mehr. © Sabine Geschwinder

Ein Krankenhaus in Ghana

Gegründet wurde der Verein 2016. Initiator ist der Dortmunder Chirurg Dr. Samuel Okae. Er will in Accra ein Krankenhaus mit einer Gesamtgröße von 2700 Quadratmetern errichten. Das Grundstück kaufte er 2010 und verbringt seit dem jedes Jahr einen Teil seines Urlaubs in Ghana.

Im Frühjahr 2020 soll dort zuerst die Notfallambulanz eröffnen, etwa ein Jahr später soll dann das komplette Krankenhaus zur Verfügung stehen, wie Peggy Griewel sagt. 100 Betten soll das Krankenhaus umfassen, 30 davon für Kinder. Es soll einen Beitrag leisten, die medizinische Versorgung zu verbessern. Sobald die Klinik komplett fertiggestellt ist, will Samuel Okae mit seiner Familie zurück nach Ghana gehen.

Prinzip der Solidarität

„Es soll ein solidarisches Krankenhaus werden“, erklärt Peggy Griewel. Kinder, die jünger als fünf Jahre alt sind und Eltern, die sich die medizinische Versorgung nicht leisten können, sollen hier kostenlos behandelt werden. Wer es sich leisten kann, soll dagegen mehr bezahlen.

Denn in Ghana gebe es durchaus auch reiche Staatsbürger, so Griwel, die würden sich aber eher außerhalb des Landes behandeln lassen, weil die ghanaischen Krankenhäuser eher nicht ihren Qualitätsansprüchen genügen.

Vier Container reisen nach Ghana

Seit zwei Jahren akquiriert Peggy Griewel nun unter anderem Praxisausstattungen aus der Umgebung. Auf die Praxiszusammenlegung war sie durch einen Artikel unserer Redaktion aufmerksam geworden. Gleichzeitig hatte die Borker Ärztin einen Fernsehbeitrag über das Projekt in Ghana gesehen.

Auf insgesamt vier Container sind die Sachspenden für die Praxis in Ghana aufgeteilt. „Die Verschiffung eines Containers kostet allerdings 12.000 Euro“, sagt Peggy Griewel. Deshalb sammelt der Verein auch Geldspenden und verschifft die Container nach und nach.

Warum die Ausstattung einer Borker Praxis bald in Ghana steht

In den Containern ist jetzt unter anderem Equipment aus der Borker Praxis untergebracht. Bald geht es nach Ghana. © Sabine Geschwinder

Auch für Angela Schulze Lutum ist es ein schönes Gefühl, dass ihr Inventar ein zweites Leben in Ghana erhält. „Es ist schön, dass das alles noch gebraucht werden kann“, sagt sie. 80 Jahre lang befand sich in den Räumen in der Straße Auf der Schlucht eine Arztpraxis, 20 Jahre lang war Angela Schulze-Lutum mit ihrem Team dort. Die Eigentümerin des Hauses wird die ehemaligen Praxisräume für den Eigenbedarf nutzen.

„Ich fühle mich gerade ein bisschen zerrissen“, sagt sie, „da ist natürlich Schmerz über den Abschied und gleichzeitig Vorfreude“, sagt sie.

Information und Kontakt:
Der Verein Krankenhaus Ghana hat seinen Sitz in Dortmund. Informationen gibt es auf der Seite www.krankenhaus-ghana.com. Wer spenden möchte kann das hier tun: Hilfe für Krankenhausbau in Ghana e.V. IBAN: DE 41440400370322221300 BIC: COBADEFFXXX Institut: Commerzbank Auch Sachspenden sind willkommen.
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