Claudia Viher (l.) und Sylvia Diroll sind zu Fuß zu den Patientinnen und Patienten gegangen. © Brigitte Fischer
Wintereinbruch

Arbeiten trotz Schnee: Pflegedienst freut sich über Riesen-Einsatz

Alle klagen über Schnee und glatte Straßen. Brigitte Fischer leidet auch darunter. Sie schimpft aber nicht, sondern sagt Danke. Die Eiseskälte habe für ungeahnte Warmherzigkeit gesorgt.

Besser zuhause bleiben. Als Polizei und Wetterdienst diesen Appell an die Menschen richteten, wusste Brigitte Fischer schon, dass sie und ihr Team nicht gemeint waren.

Die Selmerin leitet die mobile Pflegestube an der Südkirchener Straße mitten in der Altstadt. „Wir müssen immer raus.“ Zu den Patientinnen und Patienten, die pünktlich Medikamente brauchen, Spritzen und andere Hilfe – auch bei 25 Zentimeter Schnee und klirrender Kälte.

Parkmöglichkeiten nur mitten auf der Straße

Der Wille allein nützt aber nichts, wenn Autos eingeschneit sind, Schneeberge die Einfahrten versperren und Räder auf glatten Straßen durchdrehen. Der Winterreinbruch in der Nacht zum 7. Februar hat auch das Team der Pflegestube ausgebremst. Manche konnten nicht fahren, weil die Autos streikten. Andere wollten auch nicht, weil sie sich die Schlitterpartie nicht zutrauten. Und selbst wenn alle pünktlich losgefahren wären wie an jedem anderen Tag des Jahres, hätte sich das Problem nur verlagert. „Das Parken war ja unmöglich“; sagt Fischer. Meter hohe Schneeberge rechts und links der Fahrbahn. Die Pflegekräfte hätten nur mitten auf der Straße anhalten können: undenkbar.

Was nun? Vor dieser Frage standen Brigitte Fischer und ihre Tochter, Katja Kowalewski, die sie in der Geschäftsführung des von 20 Jahren gegründeten Betriebs unterstützt. Sie sei hin- und hergerissen gewesen, sagt die Mutter. Als Arbeitgeberin habe sie schließlich eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Beschäftigten. Die Arbeitnehmer seien vor Gefahren zu schützen. Darunter dürften die ihnen anvertrauten kranken und alten Menschen aber nicht leiden. Ein echtes Dilemma – zumindest nicht auf dem ersten Blick.

Fußgruppen im Zentrum und Fahrdienst für den Außenbereich

Die gelernte Krankenschwester Fischer wirft aber einen zweiten Blick auf die Situation. „Wir haben am Sonntag ganz schnell einen Plan gemacht, wie es doch gehen kann.“ Der ging aber nur auf mit großem Einsatz der Pflegekräfte und einer Hilfsbereitschaft, die sie überwältigt hat. Die erste Lösung: Fußgruppen.

Festgefahren. Katja Kowaleswski weiß sich zu helfen. © Fischer © Fischer

Einzelne aus dem mit Azubis und Praktikanten fast 40-köpfigem Team seien zu Fuß losgegangen: mit Rucksäcken , in denen sie das notwendige Material verstaut hatten, und Schneestiefeln: eine Lösung – aber nur für Patientinnen und Patienten im Innenbereich. Wer weiter weg wohnt – etwa in Netteberge, Nordkirchen oder Olfen -, braucht aber auch Pflege. Katja Kowalewski und ein weiterer Helfer stellen ihre Allrad-Autos zur Verfügung und sich selbst als Fahrer. Ab 5 Uhr morgens fahren sie jeweils zwei Pflegerinnen (im ganzen Team gibt es nur zwei Männer) von einem Einsatz zum nächsten. Dabei warten sie draußen im Auto, Das sie bedarfsgerecht bei Gegenverkehr wegfahren. Das Parkproblem entfällt.

Nachbarschaftshilfe mit Schüppe und Trecker

Die Ad-hoc-Lösung für die ersten Tage hatte die Pflegestube aber nicht von der Pflicht entbunden, die eigenen Pkw wieder flott und die Einfahrten passierbar zu machen: eine echte Herausforderung angesichts der Schneemassen. „Zum Glück half uns spontan Bernhard Droste“, sagt Fischer. Ehrenamtlich habe er mit landwirtschaftlichem Gerät Weg und Einfahrt im Nu freigeräumt. „Einfach so.“ Brigitte Fischer strahlt. Nicht die einzige Nachbarschaftshilfe.

Als sie und einige Kolleginnen den Eingangsbereich frei schaufelten, seien spontan die Betreiber des Gasthauses Suer dazu gekommen und hätten mitgeschippt. Helfen, ohne lange zu fragen: Das zeichne eine Gesellschaft aus, freut sich die Selmerin: „Das alles hat mich richtig bewegt.“ Auch wenn inzwischen viele Autos wieder führen. Um Danke zu sagen für die Unterstützung sei es nicht zu spät.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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