Auf der Baustelle für die neue Kita am Pädagogenweg wird fleißig gearbeitet. Ob die Kita das Gebiet aufwertet oder nicht, daran scheiden sich die Meinungen. © Werner Scholten
Kita Pädagogenweg

Anwohner bezweifelt Aufwertung der Siedlung durch Kita am Pädagogenweg Selm

Die Bauarbeiten für die neue Kita am Pädagogenweg sorgen weiter für Unmut. Nach Kritik an der Kommunikation zwischen Baufirma und Anwohnern werden weitere Knackpunkte öffentlich.

Werner Scholten wohnt direkt gegenüber der Baustelle. Jeden Tag erlebt er, wie Baufahrzeuge an- und abfahren. Leonhard Hofmann, einer der Anwohner, hatte bereits moniert, dass es in der Kommunikation zwischen Anwohnern und Verantwortlichen für die Bauarbeiten hapere. Nun ergänzt Werner Scholten, was Hofmann kritisiert hatte.

„Es gibt erhebliche Straßenverschmutzungen“, berichtet Scholten. „Wenn ich sehe, wie die Firma die Straßen während der Arbeit und nach Arbeitsende hinterlässt, ist das für mich völlig inakzeptabel.“

Werner Scholten kritisiert, dass die Baufahrzeuge nach Feierabend Straße und Bürgersteige verdreckt hinterlassen.
Werner Scholten kritisiert, dass die Baufahrzeuge nach Feierabend Straße und Bürgersteige verdreckt hinterlassen. © Werner Scholten © Werner Scholten

Selbst die Bürgersteige seien völlig verdreckt.

Anwohner: Bald erheblicher Autoverkehr morgens

Das ist nicht der einzige Kritikpunkt, die der Selmer vorbringt. Er bezieht sich auf den Architekten Alexander Benthaus, Geschäftsführer des Lüner Architekturhauses Benthaus, das für das Bauprojekt verantwortlich ist. Der hatte gegenüber der Redaktion erklärt: „In dem Zusammenhang gilt allen Anwohnern hier schon jetzt ein besonderer Dank für die Geduld. Das Ergebnis soll ja nicht zuletzt wegen des neuen Kindergartens eine Aufwertung des Gebietes sein.“ Vor allem der letzte Satz habe ihn geärgert beziehungsweise irritiert, sagt Werner Scholten. „Was das für eine Aufwertung in einem Gebiet, in dem wir wohnen, sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. In unserem Gebiet, mit alten und älteren Menschen bewohnt, wohnen so gut wie keine Kinder mehr im Kita-Alter. Es mussten Bäume gerodet werden, es ist eine Straße neu zu errichten. Zukünftig haben wir hier ab 7 Uhr morgens einen erheblichen Autoverkehr in Richtung Kita und nachmittags wieder zurück zu beklagen. Dann kommen die noch zu bauenden Mehrfamilienhäuser dazu. Die tragen ja auch noch dazu bei, dass es hier bei uns deutlich lärmintensiver wird. Dann von einer Aufwertung zu sprechen, ist für uns als Anwohner überhaupt nicht nachvollziehbar.“

Scholten und seine Frau wohnen seit 1977 dort. Um möglichen Entgegnungen, die Anwohner hätten jahrelang die Pestalozziförderschule dort als Nachbarn gehabt, wo jetzt Kita und Mehrfamilienhäuser entstehen, seien also an Lärm gewöhnt, die Nahrung zu entziehen, sagt Scholten: „Die Förderschule haben ältere Kinder besucht. Die sind größtenteils mit Bussen, per Fahrrad oder zu Fuß gekommen. Fahrräder und Fußgänger haben keinen Lärm verursacht.“ Was demnächst an Hol- und Bringverkehr an der Kita zu erwarten sei, „ist heftig“.

Über Verkehrsführung nachdenken

Was Werner Scholten in der ganzen Problematik als realistisch sieht: „Die Sache ist durch.“ An den Plänen werde nichts mehr geändert. „Was aber zu überlegen wäre, sei der Verkehrsfluss. Sein Vorschlag: Die Autos fahren über den Pädagogenweg zur Kita und von dort über die neue innere Erschließungsstraße weiter, um dann nur in eine Richtung, nämlich nach links, also nach Süden auf die Buchenwaldstraße abzubiegen. Das Rechtsabbiegen würde nach Meinung von Scholten Verkehrsprobleme mit sich bringen. Dadurch würde laut Werner Scholten zum einen Begegnungsverkehr auf der Buchenwaldstraße Richtung Pädagogenweg vermieden.

Im Hintergrund ist der Pädagogenweg zu sehen, über den demnächst die Zufahrt zur neuen Kita erfolgen soll.
Im Hintergrund ist der Pädagogenweg zu sehen, über den demnächst die Zufahrt zur neuen Kita erfolgen soll. © Werner Scholten © Werner Scholten

„Was man aber auch nicht vergessen darf: Wir Anwohner dürfen auf beiden Seiten der Buchenwaldstraße parken.“ Das Chaos wäre laut Scholten also vorprogrammiert, falls Autos aus der inneren Erschließungsstraße nach rechts Richtung Pädagogenweg auf die Buchenwaldstraße abbiegen dürften.

Architekt: Freuen Sie sich doch über jüngere Nachbarn

Mit Kritik und Anregungen haben wir den Lüner Architekten Alexander Benthaus konfrontiert.

Zur Straßenverschmutzung sagt Benthaus: „Die Straße ist von der Firma mehrfach täglich mit einem Besenwagen gereinigt worden.“

Zur Aufwertung des Gebiets erklärt Alexander Benthaus in Richtung Anwohner: „Leider lassen sich Gebäude nicht von heute auf morgen bauen, ja. Aber wenn alles fertig ist, wird es eine Aufwertung sein. Der Bedarf an Kindergartenplätzen ist unbestritten da. Und auch durch die neuen Anwohner wird es hoffentlich zu einer Verjüngung des Gebietes kommen. Aus unserer Sicht sollte die Freude über Kinder im Wohngebiet überwiegen, denn auch gesellschaftspolitisch sind generationendurchmischte Quartiere zu begrüßen. Überalternde Gebiete profitieren von dem Miteinander. Freuen Sie sich doch über spielende Kinder und vielleicht jüngere Nachbarn!“

Wie steht Alexander Benthaus zu dem Vorschlag Scholtens in Sache n Verkehrsführung? Seine Antwort liest sich so: „Solche Aspekte sind alle im Bebauungsplanverfahren angesprochen worden. Das müsste dann jetzt nachträglich an die Verwaltung gerichtet werden, wir haben darauf keinen Einfluss.“

Zum Start des Kindergartenjahres 2021/22 im August nächsten Jahres sollen die ersten Kinder die neuen Einrichtung besuchen können. Die neue Kita ist vierzügig und soll Platz für insgesamt 70 Mädchen und Jungen bieten.

Träger ist das DRK, das damit in Selm nach der Kita Mittendrin die zweite Kita in Selm betreibt.

Die offizielle Grundsteinlegung für die Kita am Pädagogenweg fand am 30. September statt.

Über den Autor
Redaktion Selm
Ich finde meine Themen auf der Straße und bin deshalb gerne unterwegs.
Zur Autorenseite
Arndt Brede

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.